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15/12/2015 14:08 CET | Aktualisiert 15/12/2016 06:12 CET

Der Odenwald - Nichts für Winterschläfer

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Früher galt der Odenwald in erster Linie als Winterziel und begeisterte seine Gäste mit verschneiten Hügeln, Weihnachtsmärkten in malerischen Kleinstädten und mit seinen Wäldern, Schluchten und Tälern. Auch ohne Schnee ist die Ferienregion Odenwald in Herbst und Winter eine Reise wert.

Abwechslungsreiche Angebote machen die sanfte Hügellandschaft in der Grenzregion von Hessen, Bayern und Baden-Württemberg zu einem interessanten Ziel für einen Kurzurlaub. Ganz nach dem eigenen Geschmack kann man sich im Odenwald erholen, kulinarische Köstlichkeiten genießen oder auch Abenteuer erleben.

An den ersten drei Wochenenden im Advent hat Bad Wimpfen mit dem Altdeutschen Weihnachtsmarkt etwas ganz besonderes zu bieten.

Während viele andere Märkte bei der Auswahl der Händler sehr flexibel sind, setzt man in Bad Wimpfen auf traditionelles Kunsthandwerk und klassische Gastronomie. Dass das Konzept aufgeht zeigt, dass im Jahr 2015 schon der 528. Altdeutsche Weihnachtsmarkt stattfand.

Nicht nur aber auch in der Adventszeit kann man das kleine Städtchen bei einer Nachtwächterführung erkunden. Am Rathaus erwartet Instrumentenbauer Christoph Weidler oder einer seiner Kollegen die Gäste der Stadt. Ausstaffiert mit Horn, Laterne und Hellebarde präsentiert er die Stadtgeschichte in der Rolle des Nachtwächters.

Mit Humor und Begeisterung erzählt der Nachtwächter nicht nur über die Geschichte der Stadt, sondern auch Überlieferungen aus der Zeit der Reformation, während der Katholiken und Protestanten in Bad Wimpfen immer wieder aneinandergerieten. Quasi nebenbei macht man Station an den Sehenswürdigkeiten der Stadt wie dem grünen oder dem roten Turm und sieht die beiden heute in der Fußgängerzone liegenden Brunnen.

Wer mag kann dem Nachtwächter Fragen zur Geschichte und Gegenwart der Stadt stellen. Dass Christoph Weidler die Stadt wie seine Westentasche kennt, merkt man beim Rundgang durch kleine Gassen, über enge Stiegen und auch daran, dass er beim Rundgang immer wieder auf bekannte Gesichter stößt.

Während des Rundgangs lässt Weidler nicht nur das Nachtwächterhorn erklingen, sondern auch andere Instrumente, die er unter seinem langen Umhang verborgen hat.

Hoch über den Köpfen der Gäste lebt seit 19 Jahren Blanca Knodel. Die 64jährige übernahm damals das Amt der Türmerin und lebt seither in einer kleinen Wohnung hoch oben auf dem Blauen Turm. Wer den Turm zu den Öffnungszeiten besucht, wird von ihr an einer Durchreiche zwischen Treppenhaus und Privatwohnung begrüßt.

Dort verkauft Blanca Knodel die Eintrittskarten für den Turm und freut sich, wenn der ein oder andere Gast ihr freiwillig beim Transport von Einkäufen zur Hand geht. Wer sich auf ein Gespräch einlässt, lernt ein echtes Original kennen. „Manchmal verlasse ich den Turm für 14 Tage überhaupt nicht", erklärt die begeisterte Türmerin, die sich auch nach zwei Jahrzehnten noch Tag für Tag über den schönsten Ausblick der Stadt freut.

Manchmal bittet die Türmerin Gäste in ihre Einzimmer-Wohnung. Diese hat sie selbst eingerichtet und aus der kargen Turmstube eine liebevoll eingerichtete Wohnung gemacht, in der ihre drei Kinder aufgewachsen sind. Heute teilt die Türmerin die Wohnung mit ihrem Partner - einem Kater, wie sich herausstellt als sie erzählt, dass ihr menschlicher Partner einst „türmen ging".

Für die Zukunft im Turm hat sie langfristige Pläne. Noch mindestens bis zu ihrem 85. Geburtstag will sie hoch über der Stadt leben, um den ältesten männlichen Türmer in Deutschland um mindestens ein Jahr zu überleben.

Gewiss wird sie darauf mit einem Glas des für sie produzierten Türmerinnen-Sekts anstoßen, den es zu besonderen Gelegenheiten schon heute auf dem Grünen Turm gibt.

Andere Genüsse bieten Annette und Eberhard Schell in ihrer Schokoladenmanufaktur in Gundelsheim am Neckar. Das 1924 gegründete Familienunternehmen hat sich ganz der Schokolade verschrieben. Nicht umsonst ist man das einzige Unternehmen, das mit einem Patent auf eine Praline im Guinnessbuch der Rekorde steht.

Aufgrund der besonderen Zutaten gelang es einst für das Essigschleckerle einen Eintrag im Patentregister zu erreichen. Neben handgeschöpfter Schokolade und Pralinen bieten die Schells ihren Gästen auch Schokoladen- und Pralinenseminare an.

Unter fachkundiger Anleitung können die Gäste bei den Seminaren selbst Schokolade und Pralinen kreieren und nach Herzenslust kosten. Wer möchte kann danach nach Bad Rappenau fahren und es sich im Solebad gut gehen lassen. In der Stadt wird seit 180 Jahren Sole mit hoher Salzkonzentration aus der Tiefe gefördert.

Verwendung findet diese heute nicht nur im einzigen Gradierwerk Baden-Württembergs, sondern auch im Soleheilbad „RappSoDie". Besonders schön ist der Blick aus dem Außenbecken über die Dächer der Stadt.

Während der Schwimmbereich eher gemütlich ist und keine besonderen Highlights bietet, ist der Saunabereich mit verschiedenen Saunen und Dampfbädern im Gebäude und im Saunagarten deutlich interessanter.

Natürlich bietet die Region zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten vom Urlaub auf dem Bauernhof über Ferienwohnungen bis hin zu ausgezeichneten Hotels. Eine gute Ausgangsbasis für die Erkundung des Odenwalds mit dem eigenen PKW ist zum Beispiel das NaturKultur Hotel Stumpf in Neunkirchen, in dem wechselnde Ausstellungen für Inspiration und ein bis spät in die Nacht geöffneter Glühweinstand für Geselligkeit sorgen.

Eine Alternative ist das Waldhotel Wohlfahrtsmühle in Hardheim. Inmitten von Wald und Wiesen haben Sabine und Armin Münster aus einer erstmals um das Jahr 1400 erwähnten Mühle ein modernes Hotel gemacht. Eine der Schwerpunkte auf der Speisekarte ist der in der Region um das Jahr 1660 zufällig entdeckte Grünkern.

Damals sorgte schlechtes Wetter dafür, dass der auf den Feldern stehende Dinkel nicht reifen konnte und grün geerntet werden musste. Statt die Missernte unterzupflügen oder sie zu verfüttern, entschied man sich dafür, das Getreide auf der Darre zu trocknen. Aus der Not heraus entstand so eine regionale Spezialität, die heute an Beliebtheit gewonnen hat.

Zum Einsatz kommt der Fränkische Grünkern auch bei den Kochkursen in der nach ihren einstigen Besitzern benannten Wohlfahrtsmühle. Armin Münster und sein Mitarbeiter Alex Röder bitten ihre Gäste zu den Kochkursen in die Küche und gehen dann gemeinsam ans Werk. Die Zutaten für das Grünkern-Risotto mit Forellenfilet kommen aus der Region.

Der Grünkern wird von der Steinemühle in Hartheim geliefert, die anders als die 1969 stillgelegte Wohlfahrtsmühle bis heute in Betrieb ist. Die Forellen stammen aus eigener Zucht der Familie Münster.

Beim Kochkurs erfahren die Gäste nicht nur, wie man die Speisen am besten zubereitet, sondern können auch selbst Hand anlegen und unter fachkundiger Anleitung versuchen, selbst eine Forelle zu filetieren.

Einkaufstipps, wie der, dass man frischen Fisch nicht nur an klaren Augen, sondern auch an roten Kiemen und fehlendem Fischgeruch erkennt, wechseln ab mit Anregungen zum Würzen oder zur Zubereitung von Karamell. Fragt man den Koch, erfährt man natürlich, dass sein Landhotel bei Wettbewerben schon den ein oder anderen „Platz erlegt hat". Auch mit der Wortwahl zeigt Armin Münster seine Leidenschaft für die Jagd, die ihn in Vollmondnächten aus der Küche direkt auf den Hochsitz führt und in der Kühlkammer stets für frisches Fleisch sorgt.

Das kommt beim Hauptgang, Odenwälder Reh mit Dinkelspätzle und Wirsingkohl, zum Einsatz. Später gibt es dann Grünkern-Hefekrapfen auf Gewürzpflaumen. Armin Münster ist nicht nur Gastronom aus Leidenschaft, sondern auch Odenwälder.

So gehört er zu den Gründern des Vereins Heimatherz, in dem aktuell 15 Betriebe Mitglied sind, die regionale Spezialitäten anbieten. Begeistert ist er auch vom Mühlenwanderweg und vom neu entstandenen Mühlenradweg. Der fügt sich ein in ein Netzwerk an Themenwegen, zu dem auch der Neckartal-Radweg, der Grünkern-Radweg oder ein Skulpturen-Radweg gehören.

Wer im Urlaub aktiv sein möchte, kann das ganze Jahr über in Mosbach Abenteuergolf spielen. Auf dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau bietet eine Integrationsfirma die Möglichkeit auf achtzehn neu gestalteten Bahnen eine Mischung aus Golf und Minigolf zu spielen.

Zwar haben die Kunstrasen-Bahnen nur die Dimensionen eines Minigolfplatzes, doch kommen echte Golfschläger und -bälle zum Einsatz. Immer von Mittwoch bis Samstag ist die Bahn tagsüber und abends bis 21 Uhr geöffnet. Ab dem Einbruch der Dunkelheit besteht auf einigen beleuchteten Bahnen die Möglichkeit zum Nachtgolfen.

Gespielt wird dann mit einem von der Innenseite beleuchteten Ball, der bei Bewegung rot leuchtet. Gerade für Gruppen interessant ist auch das auf dem Gelände angebotene Eisstockschießen. Statt über echtes Eis rollen die Sporteisstöcke über Sythetikeis aus Kunststoff zum Ziel, sodass die Anlage keine Energie verbraucht.

Wer mehr Natur erleben möchte, fährt in den eventure-Park nach Mudau. Klaus Hermann und Gerhard Rippberger haben sich dort in den letzten Jahren den Traum eines Outdoor-Erlebniscenters verwirklicht. Rund um ihr Haus haben sie nicht nur einen Hoch- und einen Niedrigseilgarten aufgebaut, sondern bieten auch viele andere Sportmöglichkeiten an.

So kann man, gut eingewiesen und gesichert, eine Schluchtüberquerung wagen. Auf dem Hinweg rast man wie an einer Seilbahn über das Tal; auf dem Rückweg stehen die Gäste wie in einem Hochseilgarten vor drei Herausforderungen. Wer es weniger sportlich aber nicht minder unterhaltsam angehen möchte, entscheidet sich für eine Geocaching-Tour.

Ausgestattet mit GPS-Geräten und einigen Tipps geht man in der Gruppe auf Suche nach im Gelände versteckten Caches. Diese beinhalten jeweils ein Rätsel, neue Koordinaten für die weitere Suche und einen Teil der Koordinaten für das abschließende Ziel der Tour. Dabei stößt man auf Denksportaufgaben, Wissensfragen und kommt oft nur durch Um-die-Ecke-Denken voran.

Gerade im Wettstreit mit anderen Gästen vergeht die Zeit bei der Geocaching-Tour wie im Fluge. Doch im Mittelpunkt steht weniger der Wettbewerb als der Spaß - schließlich möchte man anschließend im rustikalen Gewölbekeller gemeinsam feiern.

Der Odenwald ist eine häufig unterschätzte Region, in der Natur, Kultur und Erlebnisse dicht beieinander liegen.

Wer sich auf eine Entdeckungstour durch die Region im „Dreiländereck" der Bundesländer einlässt, wird positiv überrascht sein von der reichen Geschichte, der abwechslungsreichen Natur aber auch von den vielen individuellen touristischen Angeboten. Genießen kann man die nicht nur im verschneiten Winter oder an schönen Sommertagen, sondern das ganze Jahr über.

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