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09/12/2015 02:21 CET | Aktualisiert 09/12/2016 06:12 CET

Schutz der Arktis erfordert integrierte Maßnahmen gegen Klimawandel und Luftverschmutzung

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Foto: Umweltministerin Norwegens Sundtoft in der Arktis

Dies ist ein gemeinsamer Kommentar von Christian Friis Bach und Tine Sundtoft, Umweltministerin Norwegens

Temperaturen in der Arktis sind in den letzten 100 Jahren, im Vergleich zur globalen Durchschnittstemperatur, doppelt so schnell angestiegen. Jüngste Fotos zeigen Tausende von Walrossen, die, nicht wie normalerweise zwischen ihren Tauchgängen, auf Meereseis ruhen, sondern sich nun, aufgrund der extremen Eisschmelze, an den Stränden Alaskas drängen. Solche Fotos erinnern uns erneut daran, dass es höchste Zeit ist, weitreichende Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, wenn wir die Arktis retten wollen.

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In arktischen Ländern beheimatet, sind wir beide besonders besorgt um die extreme Verwundbarkeit der arktischen Ökosysteme gegenüber dem Klimawandel. Als Folge des abnehmenden Meereises und der Schneedecke werden ganze Lebensräume verloren gehen. Das wiederum bedroht einzigartige Tierarten, wie die Eisbären und Walrosse, sowie die traditionelle Lebensgrundlage der indigenen Völker.

Nicht nur CO2 und andere Treibhausgase, sondern auch einige Luftschadstoffe haben Einfluss auf die Klimaveränderung in der Arktis. Rußpartikel zum Beispiel, welche zu den kurzlebigen, klimaaktiven Schadstoffen (SLCPs) zählen, entstehen als Teil von Feinstaub bei der unvollständigen Verbrennung von fossilen Brennstoffen und Holz.

Sie sind von besonderer Relevanz für die Arktis, weil sie, wenn sie sich auf Schnee und Eis ablagern, Sonnenlicht absorbieren, das Reflektionsvermögen mindern und dadurch die Schmelze fördern.

Der Klimawandel betrifft jedoch nicht nur allein die Arktis; er ist jetzt schon in allen Teilen der Erde zu spüren. Wenn sich das Reflektionsvermögen der arktischen Oberfläche verringert, führt das nicht nur zu einer weiteren lokalen Erwärmung und Schmelze, sondern hat auch einen weitreichenden Effekt auf die Höhe des Meeresspiegels und die Temperaturen weltweit.

Letzte Generation, die Klimawandel stoppen kann


Wir sind die letzte Generation, die den Klimawandel stoppen und die Arktis retten kann. Sollten wir scheitern, wird dies ein historischer Fehler sein. Wir müssen also schnell handeln. Aus diesem Grund möchten wir, im Vorfeld des Klimagipfels in Paris, auf die Vorteile eines integrierten Ansatzes zur Bekämpfung des Klimawandels und der Luftverschmutzung aufmerksam machen.

Obwohl Luftverschmutzung und Klimawandel unterschiedliche Phänomene sind, sind sie doch eng miteinander verknüpft. Die Verbrennung fossiler Energieträger ist die Hauptquelle sowohl für Luftschadstoffe als auch für Treibhausgase. Viele Maßnahmen, die die Reduzierung der Emissionen aus diesen Quellen zum Ziel haben, werden daher helfen, die Luftqualität zu verbessern und gleichzeitig den Klimawandel zu bekämpfen.

Klimawandel und Luftverschmutzung stellen eine zunehmende Gefahr für unsere gemeinsame Sicherheit, unseren Wohlstand und unser Wohlergehen dar. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO), starben im Jahr 2012 weltweit rund sieben Millionen Menschen vorzeitig aufgrund von Luftverschmutzung. Damit ist Luftverschmutzung das weltweit größte umweltbedingte Gesundheitsrisiko.

Arktis: 50 Prozent der Ruß-Emissionen aus Europa


Während die Auswirkungen von Luftverschmutzung meist auf lokaler Ebene zu spüren sind, wird eine große Menge von Luftschadstoffen auch über Landesgrenzen und sogar Kontinente hinweg transportiert. Dies gilt besonders für die Arktis, wo rund 50 Prozent der Ruß-Emissionen aus Europa kommen. Daher sind internationale Bemühungen zur Verringerung von Emissionen von entscheidender Bedeutung für die Arktis.

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Eine Reihe von Maßnahmen sind bereits ergriffen worden. Durch das Genfer Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung (Convention on Long-range Transboundary Air Pollution), welches Emissionsziele für mehrere Luftschadstoffe setzt, trägt die Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) auch zum Klimaschutz bei.

Bahnbrechender Vertrag für den Klimaschutz


Dieser bahnbrechende Vertrag, der unterzeichnet wurde, um in den 1970er Jahren eine Lösung für das Problem des sauren Regens und des Waldsterbens in Nord- und Mitteleuropa zu finden, hat mittlerweile 51 Vertragsparteien, einschließlich aller arktischen Länder. Dank der gemeinsamen Anstrengungen dieser Länder sind die Emissionen der wichtigsten Luftschadstoffe seit 1990 um 40 bis 70 Prozent in Europa und bis zu 40 Prozent in Nordamerika verringert worden.

Im Jahr 2012 schlugen die Vertragsparteien mit der Überarbeitung des Göteborg-Protokolls neue Wege ein. Das Protokoll ist nun die erste rechtlich bindende internationale Vereinbarung, die Verpflichtungen zu kurzlebigen, klimaaktiven Schadstoffen (SLCPs) enthält.

Bemerkenswert sind vor allem die Ziele für Feinstaub (PM2.5), die den Ausstoß von Rußpartikeln mit einschließen. Das Göteborg-Protokoll ist somit ein Beispiel dafür, wie Luftreinhaltung und Klimaschutz in einer integrierten Art und Weise angegangen werden können.

Der Arktische Rat ist ein zwischenstaatliches Forum, das sich mit den Belangen der acht arktischen Länder und der dort lebenden indigenen Völker befasst. Er übernimmt auch eine führende Rolle bei der Bereitstellung von neuesten Informationen zu den raschen Klimaveränderungen in der Arktis und den lokalen und globalen Folgen für unsere Gesellschaft und unsere Umwelt.

Wir fordern alle Länder auf, ihre Bemühungen zu intensivieren und sicher zu stellen, dass der Klimagipfel in Paris ein solides Abkommen beschließt. Wir rufen die Regierungen auch auf, das Göteborg-Protokoll zu ratifizieren und umzusetzen und weitere Initiativen zu erwägen, um Luftreinhalte- und Klimaschutzmaßnahmen zu integrieren.

Die Zeit zu handeln, um den Klimawandel zu bekämpfen und die Arktis zu retten, ist jetzt!

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