BLOG
05/06/2014 08:06 CEST | Aktualisiert 05/08/2014 07:12 CEST

Nicht nur im Museum: iBeacon wird unser Leben verändern

Was man pünktlich zur WWDC 2014 über iBeacon wissen muss

Man stelle sich einmal vor, man liefe durch ein Museum. Hinten links an einem aufregenden Gemälde vorbei, über welches man rein gar nichts weiß. Wie so oft. Ein Blick nach links - ein Blick nach rechts. Kein Guide in der Nähe. Niemand, der einem weiterhelfen könnte. Unmut und schlechte Bewertung? Diesmal nicht: Das Museum ist mit der iBeacon Technologie ausgestattet.

Sogenannte Beacons, kleine Fundsender, sind an jedem Kunstwerk im Museum angebracht und senden auf Wunsch Nachrichten an das Smartphone. Sobald ich mich also dem Gemälde nähere, erhalte ich automatisch Informationen zum Gemälde, kann zusätzlich ein Video-Interview mit dem Künstler betrachten oder einen Nachdruck für das Wohnzimmer bestellen. Das klingt nach Fantasie? Schon längst nicht mehr.

2014-06-03-huff.jpg

iBeacon - Was ist denn das?

Vor einem Jahr hatte Apple auf der letztjährigen Entwicklerkonferenz WWDC iBeacon relativ unbemerkt vorgestellt. Trotzdem erfreut sich die Technologie seitdem zunehmender Beliebtheit, und diverse Startups und etablierte Unternehmen wie Qualcomm beschäftigen sich mit der Entwicklung positionsabhängiger Dienstleistungen durch den von Apple geschützten Standard. Dazu zählen Innenraumnavigation, mobiles Bezahlen oder ortsspezifische Push-Nachrichten, ohne dass ein GPS Signal oder eine Mobilfunkverbindung benötigt wird, um nur ein paar zu nennen.

Das Wort Beacon leitet sich vom englischen Begriff für 'Leuchtfeuer' ab, lässt sich allerdings besser mit 'Ortungssender' übersetzen, da Beacons ursprünglich zur Navigation in geschlossenen Räumen gedacht waren. Apple hat bei der Namensgebung der Technologie das typische 'i' hinzugefügt.

Die Datenübertragung erfolgt dabei via Bluetooth Low Energy (kurz BLE; auch als Bluetooth Smart bekannt) und bietet eine extrem stromsparendere Möglichkeit Nutzer in Gebäuden zu lokalisieren, in denen kein GPS-Signal dringt oder GPS nicht die benötigte Genauigkeit bietet. Der BLE-Standard ist nichts Neues: schon 2006 von Nokia vorgestellt wird er heute in einer Vielzahl von Geräten verwendet.

Bereits das im Jahr 2011 erschienene iPhone 4S kam mit dem Bluetooth 4.0 auf den Markt, welches ebenfalls teilweise die Funktechnik-Anwendung unterstützt. Mittlerweile trifft das auf alle neueren Apple-Produkte zu und kann auch mit den aktuellsten Android-Versionen genutzt werden.

Die Technologie arbeitet so stromsparend, dass die Batterien in den Modulen nur selten ausgewechselt werden müssen und sich daher auch großer Beliebtheit in Gamepads, Fitnessgeräten oder Smartwatches erfreut. Die Geräte empfangen die Signale, sobald sie in Reichweite gelangen, welche maximal 30m betragen kann.

Andere interpretieren iBeacon auch als die Apple-Antwort auf NFC (Near Field Communication). Viele Android Geräte sind bereits mit NFC ausgerüstet, welche beispielsweise zum mobilen Bezahlen genutzt werden kann. Die geringe Reichweite (20cm) der Technologie schränkt den Nutzen jedoch enorm ein und verhindert die Nutzung zur Indoor Navigation. NFC ist zudem deutlich teurer als iBeacon.

iBeacon Startups

Zwar ist die Technologie mit ihren vielen Möglichkeiten noch nicht in der breiten Masse angekommen, doch bei innovativen Startup-Unternehmen, auch in Deutschland, ist die Resonanz positiv. Die Kombination aus kreativen Ideen und technologischer Neugier sorgt schon jetzt für intelligente Lösungen:

  • Gutscheine, Sonderangebote und Produktinformationen, die auf ein Smartphone eines Nutzers gesendet werden, sobald ein bestimmtes Geschäft betreten wird.
  • Innenraum-Positionsbestimmung mittels Triangulation, wofür Signale idealerweise Signale von mehreren Beacons empfangen werden müssen.
  • Mobiles Bezahlen mit dem Smartphone, ohne sich an der Kasse anzustellen und Geld bzw. Kreditkarten benutzen zu müssen.

Die Anwendungsmöglichkeiten stecken allerdings noch in Kinderschuhen. In den letzten Monaten werden immer wieder mehr oder weniger originelle Ideen bekannt. Hier eine kleine Auswahl:

In New York City gibt mittlerweile nicht nur eine Vielzahl von Bars sondern auch von Pub Crawls - soziale Events bei denen eine Horde angeschwipster Teilnehmer für Drinks und Unterhaltung von einer Bar zur nächsten ziehen. Mit der passenden App bekamen die Teilnehmer in Manhattan beim Passieren von Bars Tipps zu 'geheimen Orten' und Angebote wie 'Spezialdrinks' gepusht. Quasi eine Technik-Schnitzeljagd für die Party-Gesellschaft.

Nivea setzt dahingegen voll auf familienfreundliche Beacons an der Copacabana: Neben der Vermarktung ihrer Kinder-Sonnencreme wird im neuen Werbespot auch ein Beacon-Armband vorgestellt, das dem Nachwuchs um das Handgelenk gelegt wird. Wenn sich das flinke Kind anschließend zu weit von seiner Mutter entfernt, wird man per Smartphone alarmiert.

GranataPet aus dem Allgäu sorgt sich weniger um Kinder, dafür aber um die Fitness von Haustieren. Mit der Snackball Maschine bekommt der beste Freund des Menschen Leckerlies, nachdem er einem Tennisball schnellstmöglich hinterher jagt und ihn zurück zur Maschine bringt.

Etwas business-orientierter ist dagegen der Virgin Atlantic Ansatz im Flughafen London Heathrow: Nachdem das Smartphone die Passagiere erfolgreich zum entsprechenden Gate gelotst haben, ruft das Smartphone automatisch das benötigte Flugticket auf. Dadurch spart man Zeit und eine Menge Wühlerei in der Tasche.

iBeacon für zu Hause

Das hört sich alles sehr technisch an - im Grunde genommen ist es aber gar nicht so kompliziert: Selbst zu Hause könnte ein Beacon-Sensor an einem bestimmten Ort montiert werden. Zu kaufen gibt es diese schon jetzt in allen Formen und Farben. Danach wird die zu sendende Nachricht über eine Software aufgespielt und letztendlich noch die Sendereichweite angepasst. Der Nutzer muss nur noch sein Bluetooth einschalten und sich die dazugehörige App herunterladen. Nähert man sich nun dem Beacon bis auf die bestimmte Distanz, erhält man auch schon die bestimmte Nachricht. Aber auch ein automatisches Ansteuern von Licht oder anderen Haushaltsgeräten ist denkbar...

Kritikpunkt an der Technologie bleibt die Möglichkeit einer Werbe- und Informationsüberflutung. Zur Verhinderung eines Push-Sturms, sobald man ein Einkaufszentrum betritt, sollen Nachrichten nur dann angezeigt werden, wenn der Nutzer die nötigen Berechtigungen im Smartphone einschaltet. Dann allerdings reicht es aus, wenn die App im Hintergrund läuft. Um nervigen Spam und unpassende Nachrichten zu verhindern, entwickeln Anbieter gerade Möglichkeiten, die Nachrichten für den Kunden zu filtern. Offensichtlich ist, dass ein Cocktail-Angebot für Minderjährige genau so unpassend ist wie ein Sonderangebot mit den neusten Balerinas auf dem Handy der Großmutter. Für den Erfolg der Technologie ist es letztendlich elementar notwendig, eine Lösung zu finden, die dem Nutzer einen Mehrwert bietet und ihn nicht nervt.

Gibt es iBeacons in Deiner Nähe?

Wikibeacon bietet die Möglichkeit, nachzugucken, wie viele Beacons es in der Umgebung bereits gibt. Dass Ahaus, Donaueschingen und Furtwangen im Schwarzwald weltweite Spitzenreiter in Beacondichte sein sollen, überrascht allerdings schon.