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09/11/2015 05:31 CET | Aktualisiert 09/11/2016 06:12 CET

Neue Entwicklungen in der Elektromobilität - Quo Vadis, Deutschland?

Die Zukunft, das sollte nicht nur angesichts der jüngsten Abgasskandale jedem klar sein, sollte dem Elektroauto gehören. Oder klarer gesagt, sie muss dem Elektroauto gehören.

Es ist leise, es ist umweltfreundlich, es macht uns unabhängig vom Öl und es ist billiger zu unterhalten als ein herkömmliches Fahrzeug mit Verbrennungsmotor und doch tut sich gerade Deutschland schwer mit dem Thema Elektromobilität.

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1 Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen bis zum Jahr 2020?

Das ist das Ziel, dass sich Industrie und Regierung gesetzt haben, doch die Umsetzung hinkt den Plänen gewaltig hinterher.

Mit fast 850 Millionen Euro hat der Staat die Entwicklung von Elektrofahrzeugen bereits gefördert, etwa drei Viertel davon flossen in die Batterietechnik, das letzte Viertel in die Antriebstechnologie.

Und was ist das Ergebnis im Jahr 2015? Knappe 20.000 Elektroautos auf deutschen Straßen. Zwar hat sich damit der Anteil der Elektroautos seit 2006 etwa verzehnfacht, aber dennoch stellt sich die Frage: Wo bleibt die Begeisterung der Industrie und des deutschen Autofahrers für diese umweltfreundliche Technologie? Wo bleibt der Mut zur dringend notwendigen Veränderung?

Pioniere wie der Unternehmer Florian Fritsch fordern mehr Mut zur Veränderung

Diese Frage dürfte sich auch Florian Fritsch stellen. Der Unternehmer ist einer der Pioniere der Elektromobilität in Deutschland und fordert seit Jahren mehr Mut zur Veränderung und mehr Investitionen in die Zukunft der Elektromobilität von deutschen Firmen.

Er fordert und fördert beispielsweise die Etablierung von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Deutschland, unter anderem in einem Projekt mit dem Carsharing Anbieter car2go, mit dem er im Jahr 2011 sehr erfolgreich am Ausbau der Ladesäulen im baden-württembergischen Ulm zusammenarbeitete.

Der Investor Fritsch bemängelt vor allem die Zurückhaltung Deutschlands im Hinblick auf die zukunftsweisende Elektroautotechnologie. Er fordert weniger Diskussionen und mehr Taten, nicht umsonst lautet das Motto auf einer Website „Stop talking - Just do it!".

Ein dringend notwendiger Ausbau der Ladesäulen-Infrastruktur sowie finanzielle Anreize für Käufer von Elektroautos könnten Deutschland schon in wenigen Jahren weitaus näher an das Ziel von 1 Million Elektroautos bringen, wenn die Regierung und die Industrie den Wandel konsequent verfolgen würden.

In vielen anderen Ländern, so beispielsweise in den USA, den Niederlanden und in Frankreich, wo sich der Renault Zoe als Elektroauto inzwischen besser verkauft als das Benziner-Modell, gehört das Elektroauto längst zum Alltag, während in Deutschland noch jedes Hybrid-Fahrzeug nahezu Exoten-Status genießt.

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Auch der Autofahrer ist gefragt

Aber nicht nur die Wirtschaft tut sich schwer.

Manch ein Autofahrer mag Angst um sein Image haben, wenn er seinen PS-starken Benzin Boliden gegen ein Elektrofahrzeug eintauschen soll, das viele Fahrer vielleicht noch immer mit dem auf einem Werksgelände herumsurrenden Gabelstapler assoziieren.

Dass das Elektroauto aber weder langsam noch unscheinbar daher kommt, bewies Florian Fritsch mit seinem schnittigen orangefarbenen Flitzer der kalifornischen Automarke Tesla. Der von 2008 bis 2012 gebaute Tesla Roadster ist ein zweisitziger Sportwagen mit annähernd 300 PS unter der Haube, der Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h erreicht und sich hinter keinem Benziner verstecken muss. Und selbst der Motorsport macht mit der Formula E nicht vor der Elektromobilität halt. Rennfahrer Florian Fritsch ist begeistert von der Serie, der nicht nur weil er bis 2011 selbst aktiv Rennen fuhr.

Zitat: „Der niedrige Geräuschpegel und die ausbleibenden Emissionen bringen den Motorsport wieder näher zu den Menschen- so finden Rennen wieder mitten in den Metropolen statt. Schließlich erhöht die Elektromobilität auch außerhalb des Motorsports die Lebensqualität und bringt diese zurück in unsere Städte- saubere Luft und weniger Lärm- so hört man vielleicht bald wieder während des Berufsverkehrs die Vögel zwitschern."

Ein weiterer, wenn nicht sogar der Hauptgrund der Autofahrer, sich gegen ein Elektrofahrzeug zu entscheiden, dürfte jedoch in der Tat die schlechte Versorgung mit Ladesäulen sein. Etwa 5.000 waren es im Jahr 2014 deutschlandweit. Hier besteht dringend Handlungsbedarf von Seiten der Regierung und der Industrie.

Im industriellen Bereich wird auch bereits seit vielen Jahren mit induktivem Laden gearbeitet, und auch im öffentlichen Straßenverkehr sind bereits die ersten induktiven Ladestationen für Batteriebusse in Betrieb. In Berlin und Braunschweig beispielweise laden die Batteriebusse an den Haltestellen durch induktive Ladestationen berührungslos auf.

Abschließend bleibt zu sagen, die Technik ist vorhanden, doch sie muss genutzt werden. Nach jetzigem Entwicklungsstand ist es noch ein weiter Weg bis hin zum Ziel der Regierung für das Jahr 2020 und 1 Million Elektroautos auf deutschen Straßen sollten nicht das Ziel sein, sie sollten der Anfang sein.

Deutschland muss sich auf den Weg machen hin zur Elektromoblität und wenn es alle Beteiligten -die Politik, die Industrie und die Verbraucher- mit den Worten von Florian Fritsch halten würden, wäre ein großer Schritt in Richtung Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit längst getan:

Stop talking - Just do it!

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