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10/09/2014 06:53 CEST | Aktualisiert 10/11/2014 06:12 CET

Deutsche Galeristen sind schlechte Manager

Zum Start der neuen Kunstsaison erregt ein Buch die Gemüter der deutschen Kunstwelt. Magnus Resch analysiert in „Management von Kunstgalerien" das Innenleben der deutschen Galerieszene - und findet dabei überraschendes: 40% der deutschen Galerien machen Verluste.

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Die bislang größte Studie zum deutschsprachigen Galeriemarkt zeichnet kein schönes Bild des Kunstmarktes: Im Durchschnitt liegt der Gewinn von Galerien bei geringen 20'000€. Sie sind Kleinst-Unternehmen mit nur einem Teilzeitmitarbeiter und einem Standort. Diese Eckdaten sind überraschend, galt doch gerade der deutsche Kunstmarkt stets als besonders etabliert und nachhaltig.

Die Schließungen von so prominenten Galerien wie Kamm vor ein paar Wochen in Berlin oder Martin Klosterfelde in 2013 sind wohl nur zwei Konsequenzen des hart umkämpften Marktes. Nur wenige Galeristen scheinen den Spagat zu schaffen zwischen künstlerischer Exzellenz und betriebswirtschaftliche Fakten.

Doch es gibt sie, die erfolgreichen Galerien. Resch, der Kunstwelt bekannt als Gründer von Larry's List, der Kunstsammler Datenbank, geht in seinem Buch besonders auf die Erfolgsfaktoren einer Galerie ein. Der Kernunterschied, so Resch, der auch an der Universität St. Gallen und der Leuphana Universität Lüneburg Kulturmanagement unterrichtet, verstecke sich in der Organisation.

Erfolglose Galerien stellen meist nur junge Künstler aus. Dies ist jedoch ein Zuschussgeschäft. Erfolgreiche Galerien hingegen arbeiten entlang der kompletten Lebensphase eines Künstlers. Sie zeigen zwar auch junge Künstler, aber sind vor allem auf dem Sekundärmarkt im Handel aktiv.

Aus dem Buch lassen sich für Galeristen einige Handlungsempfehlungen ableiten, zum Beispiel zur Standortwahl. Resch Ergebnisse zeigen, dass der Standort einer Galerie keinen Einfluss auf den Erfolg hat. Eine Galerie in prominenter Lage, also zum Beispiel der Auguststrasse in Berlin, macht demnach keinen Sinn. Es sei viel wichtiger, bei der Miete zu sparen. Resch empfiehlt daher unbedingt auf dezentrale Standorte auszuweichen.

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Interessantes findet sich auch bei der Wettbewerbsanalyse. Galeristen bewerten Künstler als ihre zweit größten Wettbewerber, direkt hinter anderen Galeristen. Dass Künstler als so bedrohlich eingestuft werden, zeigt die wachsende Sorge von Galeristen, dass Künstler die Mittlerrolle einer Galerie umgehen und direkt verkaufen. Künstler können dadurch Preise selbst bestimmen und müssen nicht einen Teil des Umsatzes an den Galeristen abgeben.

Verträge, die dieses Verhalten stoppen könnten, sind in der Kunstwelt immer noch nicht gängig - eine Markteigenschaft, die laut Resch sofort geändert werden muss.

Resch ist ein guter Einblick in das Innenleben von Galerien gelungen. Nüchtern, aber unterhaltsam präsentiert er eine längst notwenige Marktanalyse - das provoziert und wird von der Kunstwelt nicht nur mit Applaus bedacht. Bei seinem Book Launch im Soho House Berlin diskutierte er u.a. mit Norbert Bisky, Alexander Koch (KOW) und dem Publikum.

Das mischte sich aktiv ein und bezeichnete Resch unter anderem als Advocatus Diaboli. Ob er irgendwas an seinem Buch nun ändern würde, wurde er zum Abschluss der Diskussion gefragt. Resch, schmunzelnd, antworte eindeutig: Nein. Der Applaus war ihm sicher. Das finden auch die Käufer. Bei Amazon ist das Buch ein Bestseller.

„Management von Kunstgalerien" von Magnus Resch ist im August 2014 im Transcript Verlag erschienen und kostet 24,99.