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05/02/2017 05:42 CET | Aktualisiert 06/02/2018 06:12 CET

Woran du merkst, dass dein Partner ein pathologischer Lügner ist

Chelsea Naftelberg

In dem Moment, in dem dir bewusst wird, dass du neben einem soziopathischen, pathologischen Lügner geschlafen hast, stockt dein Atem, dir wird schwindlig und du verlierst den Boden unter den Füßen. Atme tief durch und triff keine voreiligen Entscheidungen.

Sammle die Fakten und konfrontiere ihn. Er wird weiterhin lügen, denn er glaubt die Geschichte, in der ihr gerade lebt. Du wirst ihm vertrauen wollen und du wirst sagen: „Beweis mir irgendwie, dass es nicht stimmt."

Er wird es versuchen, aber du weißt, dass es zu spät ist. Du wirst schluchzen und dich auf den Boden fallen lassen und du wirst dich sogar bei ihm entschuldigen, weil du ihm nicht vertraust, weil er noch vor einer Stunde die Liebe deines Lebens war.

Er versucht, dich zu isolieren

Er wird erzählen, dass die Frau, die dir die Nachricht geschickt hat, „ein verdammter Psycho" ist und er wird sagen, wie sehr er dich liebt. Er wird dich „Schatz" nennen und sagen, dass er für dich da ist, komme was wolle. Er versucht, dich zu isolieren, und du weißt das, aber einen Moment lang fühlst du dich geborgen.

Sie fragt, ob du telefonieren willst und du antwortest nicht. „Vielleicht ist sie ein Psycho", denkst du, „vielleicht sabotiere ich mich selbst." Er will, dass du genau das denkst.

Du wirst deinen besten Freund anrufen und noch mehr weinen. Du wirst so viel weinen wie schon lange nicht mehr. Es wird schwer sein, die Straße durch deine von salzigen Tränen getrübten Kontaktlinsen zu erkennen.

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Du kannst ihm gerne schreiben: „Ich kann heute Abend doch nicht." Er wird wahrscheinlich nicht antworten, weil er schon weiß, was kommt. Er hat das schon so viele Male gemacht.

Ruf sie an. Du bist bereit, die Wahrheit zu hören. Sie wird so nett und dir so ähnlich sein. Sie wird traurig sein und dich umarmen wollen, weil ihr beide gerade die andere Frau seid. Du wirst so dankbar sein, dass sie sich an dich gewendet hat und du wirst eine Million Fragen stellen wollen, aber aus Angst wirst du es nicht tun. Du wirst dich beeilen, aufzulegen, weil du genug gehört hast.

Du wirst dich dumm fühlen

Du wirst noch mehr weinen. Du wirst dir wünschen, weit weg zu sein. Du wirst dich einsam fühlen. Du wirst dich dumm fühlen. Du wirst wieder den Boden unter den Füßen verlieren und du wirst wissen, was zu tun ist.

Fahr heim und geh duschen. Während das Wasser den Schmutz des Tages von deinem Gesicht wäscht, übe Monologe, von denen du niemals gedacht hättest, dass du sie in dieser Beziehung halten müsstest. Bereite dich auf das Schlimmste vor. Nun, da du weißt, dass du drei Monate lang mit einem Soziopathen zusammen warst, wird es schwer sein, vorherzusehen, was als nächstes passiert.

Pack ein paar Sachen für die Nacht ein. Sei dankbar, dass deine Freunde dich heute Nacht aufnehmen. Zieh deine Schuhe an und warte, bis du hörst, wie sich der Schlüssel in der Haustür dreht. Bereite dich auf die kommenden fünf Minuten vor, denn hier musst du schnell sein.

Er wird dich anschauen wie immer, die Augen voller Liebe. Er wird verwirrt aussehen und er wird sich neben dich setzen und darauf warten, dass du sprichst.

Bevor du sprichst, bedenke: Erwarte keinerlei Reaktion von ihm. Er wird dich weder in Frieden gehen lassen noch einen Schlussstrich ziehen. Du wirst das bei ihm nicht finden, du musst das in dir selbst finden. Vielleicht nicht heute Nacht, aber das ist okay, du musst nur die nächsten fünf Minuten überstehen.

Er wird dich nicht anschreien, aber er wird wütend sein

Du wirst ihm sagen, dass es vorbei ist, und er wird sagen: „Ich wusste, dass das passieren wird." Natürlich wusste er das. Er wird dich nicht anschreien, aber er wird wütend sein. Er wird dich anschauen als wärst du gemein, naiv, ein „verdammter Psycho", genauso wie jede Frau, die endlich die Wahrheit über ihn herausfindet.

Er wird das Opfer spielen, während er dramatisch seine Besitztümer in Richtung Tür wirft und er wird dir sagen, dass er diese Nacht im Auto schläft. Er wird lügen und lügen und lügen und dich kleinmachen und verständlicherweise verlierst du irgendwann die Fassung.

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„Du bist wirklich verdammt krank und du brauchst ernsthaft Hilfe", wirst du schreien, während du die Tür deines eigenen Hauses zuknallst. Er wird dir nicht hinterher kriechen, er kann das nicht mehr reparieren, so funktioniert das nicht.

Wein mehr. Sieh zu, wie die Gebäude um dich herum zusammenbrechen und ruf deinen besten Freund noch einmal an, um zu bestätigen, dass du noch lebst. Nimm ein paar Schlaftabletten und schlaf ein, ohne es zu merken. Wach auf und erinnere dich. Verbringe den ganzen Tag damit, dir jeden einzelnen Moment der letzten drei Monate vor Augen zu führen und merke, dass nichts davon mehr wahr zu sein scheint.

Du bist weder dumm noch schwach, weil du ihm geglaubt hast

Du wirst erfahren, dass viele andere das vor dir auch erlebt haben und dass das schon seit einer ganzen Weile so geht. Verdammt, mindestens zwei anderen Frauen ist es gleichzeitig mit dir passiert.

Er ist ziemlich gut darin, aber nicht gut genug. Hasse ihn. Hasse ihn mehr, als du jemals jemanden gehasst hast. Hasse ihn für dich selbst und hasse ihn für jede, der er jemals weh getan hat. Stell dir vor, wie mies er aussieht, während er ganz allein auf der Straße schläft, und lach.

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Nimm dir eine Auszeit, nicht weil du willst, sondern weil du musst. Während der kommenden Tage wirst du mehr über seine Lügen erfahren, aber du wirst dich ablenken mit Alkohol und Nachrichten an einen 26-jährigen, der dir erzählt, wie toll du bist.

Fahr wieder nach Hause. Du bist noch nicht bereit, deine Wohnung wiederzusehen. Lade diesen Jungen ein, knutsch mit ihm rum, lass dir von ihm sagen, wie cool deine Tattoos sind, sei dankbar für seine muskulösen Arme, die dich umschlingen, obwohl ihr euch erst einmal gesehen habt.

Bleib am nächsten Tag zu Hause und wasch Wäsche. Bitte die Putzfrau, „jeden verdammten Winkel zu putzen", und sieh ihr dabei zu, wie sie jede einzelne Hautzelle, die dieses Arschloch hier gelassen haben könnte, eliminiert. Döse, sieh fern, koch dir dein Lieblingsessen, erobere dein Territorium zurück. Erinnere dich, wie sehr du dein Zuhause liebst.

Erinnere dich aber auch daran, dass du ihn geliebt hast. Du hast ihn stark und aufrichtig geliebt, obwohl es nicht real war. Ihr habt euch gegenseitig gehalten, wenn du über das Leben geweint hast, und du hast dich so wohl gefühlt, ganz du selbst sein zu können.

Du hast ihn vermisst, wenn er nicht da war, und du hast für ihn gekocht, wenn er da war. Du wolltest jede freie Minute mit ihm verbringen und das hast du getan, so weit es ging. Du dachtest, das ist es, du hast dir euer gemeinsames Leben vorgestellt, und das ist okay.

So ist das nämlich, wenn man mit einem Soziopathen zusammenlebt - das Bild, das sie für dich malen, ist alles, was du dir jemals gewünscht hast, deswegen geht die Rechnung auf. Sei dankbar für den Glückstaumel, den du gefühlt hast, den Wunsch, die Zeit einfrieren zu können, aber auch für deine Fähigkeit, dem ganzen so schnell entfliehen zu können. Du hast dir selbst mehr vertraut als ihm oder jemand anderem, und deswegen weißt du, dass alles wieder gut wird.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Medium.

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