BLOG
03/05/2015 07:32 CEST | Aktualisiert 03/05/2016 07:12 CEST

Pendeln war gestern, Gedanken zur Mobilität von morgen

Thinkstock

Googelt man den Begriff E-Mobility, dann erhält man zuerst Ergebnisse aus dem Sektor der Elektromobilität. Das Elektroauto ist immer noch die grüne Hoffnung von morgen und soll die Menschen umweltfreundlicher von A nach B bringen. Das wird den Berufspendlern zwar frische Luft im Stau bescheren, aber kaum Zeit und Nerven einsparen.

E-Mobility ist jedoch nicht nur ein Schlagwort aus der Automobilbranche, sondern wird seit ein paar Jahren auch in der Arbeitswelt verwendet. Das Wort steht für eine neue Art der Mobilität, die lange Arbeitswege, Staus, Zugverspätungen (oder Ausfälle auf Grund von Streiks) aus dem Vokabular des Alltags streichen soll.

Mobilität ist keine Einbahnstraße

Es geht nicht einfach nur darum, dass Menschen immer mobiler und flexibler sein müssen, dass Arbeitszeiten aufgeweicht und Erreichbarkeit zu einem Dauerzustand avanciert. Diese einseitige Mobilität verlangt viel von den Individuen und kann sogar das ins Visier genommene Plus an Produktivität nicht beflügeln, sondern über lange Sicht schaden.

Eine Studie der deutschen Krankenkassen AOK und Techniker aus dem Jahr 2012 belegte eine gewichtige Verbindung zwischen den gezählten Fehltagen und dem Berufspendeln. So erleiden Menschen mit langen und stressigen Arbeitswegen häufiger psychische Probleme wie Burnout.

Fernpendler sind im Schnitt fast drei Stunden täglich im Verkehr und Geschäftsreisen sind längst keine Prestigeangelegenheit mehr, sondern Alltag für die gesamte Beschäftigtenriege. Die Mobilität und Flexibilität jedes Einzelnen kann heute durch die Mobilität von Arbeitsplatz, Arbeitsinhalte und Arbeitsverhältnis gesund optimiert werden.

Wohnzimmer, Café, Büro - all das ist ein Arbeitsplatz

2015-05-02-1430593933-3240860-bigstockBeautifulpregnantwomanusing48473147.jpg

Die persönliche Mobilität ist ein fester Bestandteil des Arbeitsmarktes geworden. Nicht zuletzt deshalb, weil Wohnortwechsel, Auslandsaufenthalte und Reisen sehr viel selbstverständlicher für die berühmte Generation Y geworden sind. Die Altersgruppe von 20 bis 35 hat aber auch andere Werte mit ins Arbeitsleben gebracht.

Einstige Statussymbole verlieren an Bedeutung. Der große Dienstwagen ist längst nicht mehr so interessant wie die Möglichkeit seine Arbeitszeiten flexibel handhaben zu können. Das Marktforschungsunternehmen GfK brachte diesen Januar eine Studie heraus, die zeigt, dass Alternativen zum eigenen Auto immer attraktiver werden.

Fast 35% der Befragten im Alter der Generation Y aus Deutschland, Großbritannien und den USA würden bei der Wahl zwischen eigenem Auto und Car Sharing und Pay-as-you-go Autovermietungen wie Zipcar die Alternativmodelle bevorzugen. Es geht also nicht mehr darum, einen bestimmten Status zu manifestieren, sondern die Freiheit zu haben, sein Leben so zu gestalten, wie es am praktischsten erscheint.

Dies betrifft die eigene Mobilität, aber auch die Mobilität des Arbeitsplatzes. Der Sessel im Großraumbüro ist längst nicht mehr die einzige Alternative. In immer mehr Branchen und Berufen ist ein mobiler Arbeitsplatz umsetzbar. Vom Buchhalter bis zum IT-Spezialisten, die Arbeitsplätze vieler können das Büro, die eigene Wohnung oder der Park um die Ecke sein.

Viele Studien haben gezeigt, dass sich die eigene Entscheidungsfreiheit über den Ort des Arbeitsplatzes und Arbeitszeit positiv auf die Lebensqualität und die Produktivität der Mitarbeiter auswirkt.

Allerdings hat das deutsche Statistische Bundesamt im Auftrag der Zeitung Welt am Sonntag 2014 demotivierende Zahlen errechnet. Der Anteil der Erwerbstätigen, die wenigstens gelegentlich im Homeoffice arbeiten, ist auf den Stand der Neunziger Jahre gesunken. Als Grund dafür wird besonders die Präsenzkultur genannt, die immer noch in den Unternehmen vorherrsche.

Gleichzeitig ist der Anspruch auf ständige Erreichbarkeit durch die technische Entwicklung gestiegen. Es fehlt an Bereitschaft auch die Mobilität des Arbeitsplatzes in die alltäglichen Prozesse zu integrieren.

Ergebnisorientierte Prozesse - Hierarchien werden mobil

Der technologische Fortschritt erlaubt nicht nur, sondern er fordert auch neue Strukturen im Arbeitsprozess. Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg zum Propheten. Durch die Loslösung von Arbeitsinhalten müssen Abteilungen nicht mehr starr vor sich hin arbeiten. Ergebnisorientierte Teambildung, egal, wo sich die Teammitglieder gerade aufhalten.

Auch die Einbindung von Selbstständigen und Mitarbeitern im Ausland wird so möglich. Die Bereitstellung der Arbeitsinhalte in digitalen Netzwerken macht sie für eine beliebige Zahl von Teammitgliedern verfügbar. Arbeitsbeziehungen werden sich so weiter entwickeln.

Der Arbeitsvorgang wird zum Projekt für eine bunte Mischung aus Experten. Festangestellte, Selbstständige, virtuelle Assistenzen, sie alle werden zu einem Team auf Zeit, das sich am Ergebnis orientiert und nicht an Hierarchien.

Die horizontale Arbeitsverteilung benötigt weiterhin Führung, doch der Weg von oben nach unten verkürzt sich dramatisch, wobei gleichzeitig die Horizontale um neue Möglichkeiten erweitert wird. Gerade Startup-Gründer und kleinere Unternehmen profitieren von diesen horizontalen Bandbreiten.

Virtuelle Mobilität schafft ein Feld horizontaler Beziehungen zwischen mobilem Auftraggeber und Auftragnehmer. Die Betreiber eines Online-Unternehmens nutzen den Service virtueller Buchhalter, die wiederum ihre Webseite von einem Freelancer pflegen lassen. Social Media Content Management eines Unternehmens wird von einer Mischung aus Festangestellten und virtuellen Assistenzen im Team erledigt.

All das ist bereits Realität, doch das Potential in virtueller Mobilität von Arbeitsinhalten und Arbeitsbeziehungen ist noch lange nicht ausgeschöpft. Sie kann physische Mobilität nicht ersetzen, das soll sie auch nicht. Wir brauchen Bewegung, um neuen Input und Ideen zu bekommen. Wir brauchen physische Mobilität, um soziale Kontakte in der Arbeitswelt und im Privatem zu pflegen. Virtuelle Mobilität öffnet jedoch neue Ebenen, in denen man niemals im Stau stehen wird. Ich freue mich!

Der Autor Charly Suter schreibt zum Thema "Effizienter Arbeiten" wie mehr erreicht werden kann mit virtuellen Assistenten regelmässig in seinem Blog.

Video: Arbeitsmarkt: In diesen Branchen finden Sie garantiert einen Job Focus


Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen

oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.


Hier geht es zurück zur Startseite