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10/02/2016 10:11 CET | Aktualisiert 10/02/2017 06:12 CET

Chinesische Firmen dominieren in Las Vegas

wsfurlan via Getty Images

Die Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas hat sich in nur wenigen Jahren zu einem internationalen Event und Barometer für technische Innovationen in der Unterhaltungselektronik entwickelt. Auch deutsche Unternehmen nutzen die Messe als Bühne, um sich als Technologievorreiter zu positionieren. In diesem Jahr aber zeigte die massive Präsenz Chinas den wohl wichtigsten Trend.

Eine Ära chinesischer Dominanz folgt Japans Vormachtstellung auf dem weltweiten Elektronikmarkt

In den 1990er Jahren markierte der Auftritt großer japanischer Elektronikunternehmen auf der CES den Beginn ihrer Dominanz auf dem Weltmarkt. Dieses Jahr könnte die Zahl der dort vertretenen chinesischen Unternehmen eine ähnliche Entwicklung andeuten.

Über 1.000 chinesische Firmen waren in Las Vegas vor Ort, das ist etwa ein Drittel der Aussteller, darunter große chinesische Elektronikunternehmen wie Hisense (das die Marke Sharp in Nord- und Südamerika übernommen hat), Sichuan Changhong Electric (dessen Stände am Eingang der Messe direkt neben denen von Intel standen) und Huawei, das zusammen mit Google das neue Nexus 6P auf den Markt hat.

Auch andere Unternehmen wie Faraday Future lösten Begeisterung aus. Die in Los Angeles ansässige Firma enthüllte ein elektrisch angetriebenes, autonomes fahrendes und vernetztes Auto. Gegründet vom chinesischen Milliardär Jia Yueting beschäftigt Faraday Future auch ehemalige Tesla-Ingenieure.

Yueting ist zudem Eigentümer der LeTV-Gruppe, ebenfalls bekannt als "chinesisches Netflix" und Hersteller von Telefon- und Fernsehgeräten.

Eine der meistbeachteten Attraktionen war die Präsentation der Drohne 184 der Firma Ehang. Das Modell kann einen Passagier mit einem Gewicht von bis zu 100 Kilo über 20 Minuten lang transportieren.

Zwar war die Drohne in Las Vegas nicht im Einsatz, weil die US-Behörden noch keine Zulassung erteilt haben, aber sie belegt die regen Aktivitäten in der chinesischen Drohnenindustrie.

Sie gehen vor allem auf das Konto von Ehang mit Sitz in Guangzhou - das Unternehmen hat über 50 Millionen US-Dollar von Risikokapitalgebern eingesammelt. Die Nummer 1 unter den chinesischen Drohnenherstellern, DJI, nimmt ebenfalls weltweit eine führende Stellung in der Branche ein. Das Flaggschiff dieses Anbieters ist die Kameradrohne Phantom, das global meistverkaufte Modell dieser Produktkategorie.

Ehang hat die Zulassung seiner Drohne 184 in den USA beantragt und verhandelt mit den Städten Guangzhou, Auckland und Los Angeles über die Einrichtung eines Ruftaxi-Service. Der Passagier benötigt keine Pilotenlizenz.

Er muss lediglich sein Ziel auf einer Karte angeben, die Drohne befördert ihn dann vollständig autonom dorthin. Von 2015 bis 2016 hat sich die für öffentlich und gewerblich genutzte Drohnen reservierte Ausstellungsfläche auf der CES verdreifacht. Das verdeutlicht die Wachstumsaussichten in dieser neuen Branche.

Der amerikanische Drohnenmarkt dürfte in diesem Jahr die Marke von einer Milliarde US-Dollar erreichen.

Im Fokus chinesischer Unternehmen: Bahnbrechende Technologien, die unseren Alltag verändern

Chinesische Firmen decken von selbstfahrenden Autos über vernetztes Fernsehen, eCommerce, Serviceroboter, künstliche Intelligenz und intelligente Terminals bis hin zu vernetzten Objekten das komplette Spektrum bahnbrechender Technologien ab.

US-Unternehmen waren vor einigen Jahren noch überzeugt, auf diesen Gebieten einen signifikanten Vorsprung zu haben. Die Art und Weise, in der die chinesische Presse über die CES 2016 berichtete, zeigt die strategische Dimension, die die Eroberung des US-Markts für Unterhaltungselektronik für China bedeutet - vor allem mit Blick auf Wirtschaftswachstum und die Internationalisierung seiner großen Unternehmen.

Die USA stellen zudem ein technologisches Ziel dar. Der amerikanische Markt fungiert dabei als gigantisches Labor, um entscheidende Fortschritte bei den Technologien von morgen zu erzielen.

Diesen Tatsachen muss sich Europa in den nächsten Jahren stellen. Bis dato ist die Präsenz großer chinesischer Marken hier noch relativ überschaubar, da ihr Hauptziel die USA sind. Als bedeutender internationaler Markt für Unterhaltungselektronik wird Europa jedoch sehr schnell ins Visier der chinesischen Anbieter rücken.

Dieser Text erschien zuerst in der französischen Huffington Post (27.01.2016)

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