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29/12/2016 06:07 CET | Aktualisiert 30/12/2017 06:12 CET

Einer trage des Anderen Last - müssen wir?

dpa

Belastungsprobe sei es, konnte man in vielen Medien lesen. Wohl wahr. Wie belastbar ist unsere Gesellschaft? Und wer setzt unsere Gesellschaft dieser unnötigen Belastungsprobe aus? Frau Lompscher mit ihrem Staatssekretär Andrej Holm.

Ein Mann, der sich in jungen Jahren ungezwungen bereit erklärte, die Ziele der DDR zu verteidigen, ob mit offenem oder geschlossenem Visier - auf jeden Fall mit allen Mitteln.

Ein Mann, der das Glück hatte, dass es die DDR ein Jahr später nicht mehr gab und er zur Verteidigung dieser Ziele noch nicht viele Mittel anwenden musste.

Ein Mann, den das Unglück traf, weil es die DDR ein Jahr später nicht mehr gab und damit eine steile DDR-Karriere zunichte gemacht wurde.

Ein Mann, der dies nicht verzieh, der begann „den Feind" mit eigenen Mitteln zu bekämpfen.

Ein Mann, der sich von uns weiter ausbilden ließ, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeiten durfte, obwohl er es mit der Wahrheit nicht genau nahm. Diese Lüge wird heute nun oft mit seiner Jugend damals entschuldigt.

Mit 18 sind wir mündige Bürger. Wir können und dürfen wählen. Müssen nun alle Wahlen neu ausgezählt werden, weil unsere jungen Erstwähler falsch das Kreuz setzten?

Unsere Gesellschaft, die in den sechziger Jahren gegen ehemalige Nazis in deutschen Amtsstuben aufbegehrte, die aber erst jetzt 70 Jahre nach Kriegsende ehemalige Nazihelfer verurteilt, die damals blutjung „als kleine Rädchen im Getriebe Verbrechen begangen haben" (die Älteren konnten meist unbehelligt ihrem Lebensabend frönen) (BGH, 20.09.2016 - 3 StR 49/16).

Müssen wir also, weil Geschichte sich wiederholt, einen ehemaligen Stasi-Offizier als Staatssekretär ertragen? Ertragen, dass er von unseren - gerade in Berlin - mühevoll erarbeiteten Steuergeldern seine Interessen verwirklicht, der uns verhöhnt, der sagt „ich bin nicht derjenige, der über meine politische Zukunft entscheidet"?

Sollte in der Sozialdemokratie noch ein Fünkchen Ehre sein, würde Herr Müller auf einem Rücktritt bestehen.

Und nicht noch warten auf ein Gutachten und Reste von Akten, die nicht von „Onkeln und Tanten" Holms vernichtet wurden, denn es geht, nicht wie Holm behauptet, um „ein von der Presse getriebenes Urteil zu fällen", die es viel zu gut mit ihm meint, sondern um die Bürger dieser Stadt, deren Leben durch Menschen wie ihn nicht selbstbestimmt verlief und die lange nicht die „Möglichkeiten der Demokratie genießen durften".

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