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15/12/2015 11:27 CET | Aktualisiert 13/12/2016 06:12 CET

Alte und neue Feindbilder

Gleich vornweg - Götz Aly hat Recht ! Und ich mische mich in einen Journalistendiskurs ein. Worum geht's ? Um Juden und Geld natürlich.

Mark Zuckerberg (Gründer und CEO von Facebook) war so frei (und für viele so unverschämt), sich zu erlauben, 99 Prozent seines Vermögens irgendwie, irgendwann zu spenden.

Bekanntlich gäbe es viel mehr Zuckerberge weltweit, wären mehr Wohlhabende bereit, Ähnliches zu tun. Dies anzuerkennen, im deutschen Blätterwald Fehlanzeige.

Stattdessen wird diese Spende unter anderem von Herrn Hanfeld in der FAZ (stellv. Feuilleton-Chef) kritisch hinterfragt. Was Aly zum Anlass nahm auf den latenten Antisemitismus in unserer Gesellschaft hinzuweisen.

Man könnte es dabei belassen, würden sich nicht diverse Journalisten und Wissenschaftler (?) bemüßigt fühlen, Aly infame Unterstellungen, Rufmord und Lüge zu bescheinigen. Allen voran Herr Kaube, seit nunmehr einem Jahr einer der Herausgeber der FAZ und als Nachrücker für Herrn Schirrmacher verantwortlich für das Feuilleton.

Man weiß es, spürt es, sieht es und trotzdem macht man es - nicht jeder Nachfolger passt und ist erfolgreich. So hat die FAZ schon seit einiger Zeit das Niveau und die Klasse früherer Tage verloren (mglw. liegt es aber nur an meiner Wahrnehmung und der Erkenntnis, dass jahrzehntelanges Lesen der FAZ einen klugen Kopf hervorbringen kann ;-)).

Das Feuilleton, einst neben der Wirtschaftsredaktion das Flaggschiff - Themen und Ideengeber der FAZ, ist derzeit wieder auf „Vor-Schirrmacher-Ära" mit Buchbesprechungen und Theaterrezensionen inhaltlich und umfänglich geschrumpft.

So war wohl Platz für Herrn Kaube sich mit einem Offenen Brief zu den Antisemitismusvorwürfen gegen einen seiner Redakteure zu äußern. Das ist löblich. Jeder Arbeitgeber sollte sich vor seine Arbeitnehmer stellen. Nur wie - wohl kaum mit einer halben Seite Rechtfertigung.

Ich frage mich, warum reagieren alle so nervös ? Ist doch etwas dran an Alys vermeintlich „haltlosem Unfug" ?

1. Ich kann mich nicht erinnern, derartige kritische Stimmen zu den Spenden von Gates, Buffet, Plattner oder auch Al-Walid bin Talal al-Saud, um bloß einige zu nennen, gelesen zu haben. Gab es „Kritik an einer Verschleierung partikularer Interessen als gemeinnützig" bei anderen Spendern ? Warum wird nur Zuckerberg unterstellt, eigennützig zu handeln ? Und wenn es sich um eine eigentlich unbedeutende Spende „höchstens Aktien im Wert von jeweils einer Milliarde Dollar /Jahr" handelt, warum dann nicht nur eine Randnotiz im Wirtschaftsteil ?

2. Gerade die FAZ, die für sich in Anspruch nimmt, adäquate Sätze zu formulieren, nutzt Stereotype, die, wie Aly historisch belegt, nationalsozialistischen Ursprungs sind. Ist sie, die FAZ, naiv, wird nicht mehr Korrektur gelesen oder war es doch bewusst ?

3. „Ein Danaergeschenk. Wir bekommen scheinbar alles von ihm. Er bekommt dafür nur eine Kleinigkeit - alle unsere Daten, also die digitale Blaupause unserer Existenz." Ja, er bekommt alles, alles, was Sie ihm freiwillig geben - Sie, die „klugen Köpfe".

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