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03/04/2016 06:16 CEST | Aktualisiert 04/04/2017 07:12 CEST

Männerherzen - Schlimm wenn sich da jemand klein fühlt

Jupiterimages via Getty Images

Männerherzen

„Ich würde gern mal spüren in ein Männerherz hinein, um endlich zu verstehen, warum fühlt's ihr euch so klein?", sang das Double von Ilse Aigner, der bayerischen Wirtschaftsministerin, am diesjährigen Nockherberg - dem bayerischen Kabarettereignis schlechthin.

„Alles, ja alles um auf Seite eins zu stehn,

ich tu doch auch alles, nur bin ich auf Seite zehn.

Ihr habt's die Ilse vergessen, ihr Lumpenpack,

genauso wie den Anstand, den ihr nie besessen habt."

Ja, da stehen sie ganz gerne, die Herren Politiker, auf Seite eins. Für eine Frau, so denken sie vielleicht, hat es die Ilse eh schon weit gebracht. Mehr geht nun wirklich nicht.

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Ein tief verborgenes Gefühl von Kleinheit


Die Textschreiber des Nockherbergs nahmen den männlichen Geltungsdrang nicht nur gehörig auf die Schippe, sondern lieferten auch gleich eine Erklärung für dieses selbstverliebte Gebaren: Ein tief verborgenes Gefühl von Kleinheit, das kaschiert werden soll und Anstand kann man sich dabei wohl nicht leisten.

Aber wie sieht es jenseits des Politzirkus in den Männerherzen aus? Wie verkraften die „normalen" Männer den Machtverlust, den die fortschreitende - aber bei weitem nicht abgeschlossene - Gleichberechtigung der Frauen (Gendergap!) mit sich bringt?

Gemischt geht's ihnen, würde ich sagen.


Für die einen ist es kein Problem sondern ein Gewinn, eine selbstbewusste Frau auf Augenhöhe neben sich zu haben. Sie nehmen die zunehmende Aufweichung der strengen Rollenmuster zum Anlass, sich auch im Haushalt und bei der Kinderbetreuung einzubringen.

Einige solcher Exemplare kenne ich sogar persönlich. Ein befreundetes Ärzteehepaar zum Beispiel, sie teilen sich eine Stelle und Mutter und Vater sind für die Kinder gleichwertige Bezugspersonen, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Von Kleinheit ist bei diesem Mann rein gar nichts zu spüren und deswegen hat er es auch nicht nötig sich zu produzieren.

Ganz so paritätisch geht es zwar bei all den anderen Paaren in meinem Freundeskreis nicht zu - die Frauen haben ihren Job zugunsten der Kinderbetreuung mehr oder weniger zurückgeschraubt und der Mann ist der Hauptverdiener in der beruflich deutlich besseren Position - aber auch diese Männer vermitteln nicht den Eindruck, als würden sie sich klein fühlen. Nun, in guten Zeiten ist das ja auch nicht so schwer.

Schluss gemacht - und dann?


Was ist aber, wenn der Wind sich dreht und die gleiche Augenhöhe anstrengend wird oder die Frau ihre Unabhängigkeit frecherweise dazu nutzt, die Beziehung eigenmächtig zu beenden?

Dann ist die Stunde der Wahrheit gekommen und die Spreu trennt sich vom Weizen.

Für viele Männer ist auch das kein Problem, sie stellen sich mehr oder weniger pragmatisch auf die neue Lebenssituation ein oder sehen sogar eine Chance in der Trennung, weil sie sich auch nicht mehr so wohl gefühlt haben.

Aber einige Männer leiden höllisch unter dem plötzlichen - und in ihrer Wahrnehmung auch vollkommen ungerechten - Machtverlust. Um ihr zerstörtes Selbstbild irgendwie restaurieren zu können, versuchen sie auf Teufel komm raus wieder die Oberhand zu gewinnen. Weil der Zug auf der Paarebene aber abgefahren ist, verlegen sie kurzerhand den Kriegsschauplatz: Nun kommen fatalerweise die Kinder ins Spiel.

An dieser Stelle hört dann auch der Spaß auf, der beim Kabarett im Vordergrund steht. Daran ist nichts mehr lustig, das ist pathologisch und für die Frauen und Kinder oft sogar lebensgefährlich.

Um sich nicht gar so klein zu fühlen, wird Himmel und Hölle, vor allem aber das Familiengericht in Bewegung gesetzt.

Mann will plötzlich die Hälfte vom Kind, auch wenn Mann sich vorher nicht an der Kinderbetreuung beteiligt hat. Denn durch die Hintertür des reformierten Sorge- und Umgangsrechts ist es nämlich ganz leicht, Macht über die Ex-Frau zurückzuerlangen.

Unwissenheit oder Ignoranz?


Dass dies die wahre Motivation sein könnte, warum sich manche Väter ganz plötzlich paritätisch um ihre Kinder kümmern möchten, wird beim Familiengericht vollkommen ausgeblendet, genauso wie die finanziellen Vorteile, die sich für Männer dann ergeben.

JugendamtsmitarbeiterInnen und RichterInnen geben sich vollkommen dem von Presse in den letzten Jahren weichgespülten Bild des Vaters hin, dem es ausschließlich um das Wohl und die Nähe seiner Kinder geht.

Das mag in den allermeisten Fällen durchaus zutreffen, aber es ist fatal, die Abgründe der menschlichen Psyche und wozu Menschen in der Lage sind, wenn das Selbstbild erschüttert ist, vollkommen auszublenden. Ob aus Unwissenheit oder Ignoranz, sei dahingestellt. Sie gehen den selbstverliebten, machtbesessenen Menschen, reihenweise auf den Leim, weil es in der Natur des Narzissten liegt, nach außen hin zu blenden, beruflich meist erfolgreich zu sein und sehr souverän zu wirken.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Ein Vater - noch dazu ein so smarter Mann - kann unmöglich schlecht für seine Kinder sein, auch dann nicht, wenn er die Kinder nur benutzt, um hintenherum seine Frau zu drangsalieren, damit er sich nicht mehr so klein fühlen muss.

Und wenn der Umgangstag mit den Kindern sogar dazu genutzt wird, um sie geplant und kaltblütig zu ermorden, um sich an der Frau für die Trennung zu rächen, dann spricht man von unvorhersehbaren Familientragödien.

Dabei wäre es an der Zeit Verantwortung zu übernehmen und die Hintertür „Umgangs- und Sorgerecht" zu verbarrikadieren, worüber Frauen und Kinder terrorisiert werden können.

Carola Fuchs

In meinem Buch "Mama zwischen Sorge und Recht - Die aberwitzigen Erfahrungen einer Mutter in Sachen Umgang" hat jeder die Gelegenheit in ein Männerherz hinein zu spüren, das durch eine unfreiwillige Trennung arg gebeutelt wurde. Tiefe Einblicke sind garantiert. :-)

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