BLOG
11/12/2015 05:40 CET | Aktualisiert 11/12/2016 06:12 CET

"Wir brauchen dringend ein Umdenken im Umgang mit Flüchtlingen"

Getty

2015-12-08-1449555156-597177-ontour.jpg

Was die Menschen in meinem Wahlkreis bewegt


Im Landkreis Bautzen, meinem Wahlkreis, sprechen die Menschen - wie im ganzen Land - besonders über zwei Themen: den gerade beschlossenen Kriegseinsatz der Bundeswehr in Syrien, den viele ablehnen und die Situation rund um die Aufnahme geflüchteter Menschen.

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Was darüber hinaus aber oft überhört und vergessen wird: hohe Langzeitarbeitslosigkeit und damit verbunden eine Perspektivlosigkeit großer Gruppen in der Bevölkerung, die Deindustrialisierung ganzer Landstriche.

Die bisherigen Problemstellungen im ländlichen Raum Ostdeutschlands sind immer noch nicht gelöst, die Armut in Deutschland wächst. Dabei sind das aber Themen, die seit 25 Jahren anstehen und gelöst werden müssen, von den Regierungsparteien in Bund und Land aber ebenso lange ignoriert werden.

Ein Ergebnis davon sind dann frustrierte Menschen, die sich entweder gar nicht mehr am politischen Diskurs in einer Demokratie beteiligen oder in großer Zahl anfällig für rechte Demagogie werden. Die letzten Wahlergebnisse in der Region zeigen das deutlich.

Vor welchen Problemen Menschen und Unternehmen stehen


Die Menschen im äußersten Osten Deutschlands stehen seit Jahren vor Problemen, die in vielen anderen Teilen des Landes erst gerade oder in den nächsten Jahren aktuell werden - noch dazu im besonders drastischen Ausmaß: der demografische Wandel verbunden mit dem massiven Wegzug junger, gut ausgebildeter Menschen in den letzten 25 Jahren ruft nun zahlreiche Folgeprobleme hervor.

Wie erhalten wir die nötige Infrastruktur bei schwindender Bevölkerung auch auf dem ländlichen Raum: Straßen, Kanalisation, medizinische Versorgung, Schulen, Rettungsdienst, Polizei, Behörden?

Wie sichern wir im ländlichen Raum Pflege für eine älter werdende Gesellschaft ab? Welche Perspektiven können wir abgehängte Regionen irgendwie wieder anschließen? Darauf wurden bislang wenig überzeugende Antworten gefunden auf Landes- und Bundesebene.

Für die Unternehmer im ländlichen Raum, die fast ausschließlich Kleinunternehmer oder kleiner Mittelstand sind, stellen sich ähnliche Fragen: Wie können sie der Marktmacht der Großhändler und Großkonzerne trotzen? Wie der auch beim Konsumverhalten vorhandenen Sogwirkung der großen Ballungsräume widerstehen?

Was sich nächstes Jahr ändern muss


Ich habe keine Glaskugel, was sich verändern WIRD, kann niemand voraus sagen - auch ich nicht. Was sich dringend ändern MUSS jedoch, lässt sich benennen: Wir brauchen dringend ein Umdenken im Umgang mit geflüchteten Menschen, vor allem einen viel weniger bürokratischen Umgang.

Die hohen Hürden der Bürokratie sorgen für Frustrationen sowohl bei Geflüchteten, als auch bei Helfern und der ansässigen Bevölkerung - was wiederum die Konflikte in der Bevölkerung verschärft. In meinem Wahlkreis in Hoyerswerda gab es schon einen Hungerstreik Geflüchteter, weil Asylanträge so lange nicht bearbeitet wurden.

Die IHK hat erst vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass es nach ihrer Schätzung ca. sieben Jahre dauern wird, bis ein junger Geflüchteter eine sozialversicherungspflichtige Arbeit hat - das ist zu eindeutig zu lange, das muss schneller gehen.

Flüchtlingspaten haben mir von folgendem Irrsinn berichtet: syrische Familien sind dezentral in Wohnungen untergebracht, haben sich mehrere Monate eingelebt. Nachdem sie endlich als Asylbewerber anerkannt wurden, müssen sie wieder umziehen, weil das Geld jetzt aus einem anderen Topf kommt. Das ist doch absurd.

Vox Pops: Was die Deutschen von den Medien halten

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite