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06/12/2015 06:18 CET | Aktualisiert 06/12/2016 06:12 CET

Die Dunkle Triade: Soziale Raubtiere in der Arbeits- und Geschäftswelt

Whitepointer via Getty Images

Egozentrisch, machthungrig, rücksichtslos, manipulativ, ausbeuterisch und betrügerisch. Nur einige unschmeichelhafte Merkmale, die kennzeichnend für die Dunkle Triade sind.

Die zugrundeliegenden Charakterzüge Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus sind keine neuen Erfindungen. Aber seit die kanadischen Wissenschaftler Paulus und Williams 2002 das Kind „Dunkle Triade" tauften und damit den Geist öffentlichkeitswirksam aus der Flasche ließen, erfreuen sich das Thema anhaltender Beliebtheit in Zeitungen, Büchern und Internetblogs.

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An Fallbeschreibungen und Handlungsempfehlungen besteht kein Mangel. Die Krux: Meist geht es um Schadensbegrenzung, wenn das Problem bereits unübersehbar wird.

Stellt sich die Frage, welche Maßnahmen geeignet sind zu verhindern, dass Unternehmen und Geschäftspartner diesen Menschen überhaupt erst auf den Leim gehen.

Dafür sehen wir uns zunächst das Konzept der Dunklen Triade genauer an. Verdeutlichen, wo im Geschäfts- und Berufsleben spezifische Risiken lauern und nähern uns abschließend der Frage, welche konkreten/vorbeugenden Strategien Hilfe versprechen.

Drei Charakterzüge


In ihrer ursprünglichen Form bezeichnet die Dunkle Triade das Zusammenwirken der drei zerstörerischen Charakterzüge Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus.

Narzissmus


Kennzeichnend für Narzissmus sind ein übersteigertes Grandiositätsempfinden (Überlegenheit über andere Menschen), Anspruchsdenken (Respekt und Wertschätzung durch die Umwelt), Dominanzverhalten (Streben nach Beherrschung) und Überlegenheitsstreben.

Die Neigung zur Selbstüberschätzung und Überbewertung der eigenen Fähigkeiten im Vergleich zu anderen Menschen ist typisch. Narzissten streben danach wahrgenommen, bewundert und respektiert zu werden.

Sie schrecken auch nicht davor zurück, ihr Überlegenheitsgefühl - das sie als ihren natürliches Recht empfinden - auch mit (psychischer) Gewalt zu erzwingen, in dem Personen in ihrer Umgebung gezielt entmachtet und gedemütigt werden.

Beziehungen sind geprägt von dem Streben nach persönlichem Gewinn, der Stärkung des eigenen Grandiositätsempfindens. Ein echtes Interesse an anderen Menschen besteht nicht. Empathie und Rücksichtnahme werden bestenfalls instrumentell eingesetzt bzw. geheuchelt, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Beziehungen zu anerkannten Persönlichkeiten werden übertrieben und überbetont in dem Streben, vom deren Ruhm zu profitieren und die eigene Wichtigkeit hervorzuheben.

Mitmenschen werden als Lieferanten für Bewunderung instrumentalisiert. Beziehungen bei Kritik, mangelnder Unterwürfigkeit oder Lieferfähigkeit des Gegenübers aufgegeben.

Psychopathie


Geprägt von hoher Impulsivität (Geringe Fähigkeit zur Steuerung des eigenen Verhaltens), Thrill-Seeking (Streben nach intensiven Erfahrungen), geringer Empathie (Unfähigkeit sich in andere Menschen hineinzufühlen) und einem glatten, oberflächlichen Charme.

Die mangelnde Fähigkeit zur Selbstkontrolle schlägt sich auch in dem Fehlen langfristiger Ziele und der Unfähigkeit zum strategischen Arbeiten nieder.

Sie neigen eher zum Handeln, als denken und zeichnen sich regelmäßig durch eine größere Neigung aus Risiken einzugehen.

Soziale Standards werden als irrelevant erlebt. Offen aggressives Verhalten, Lügen und die Unfähigkeit zu Gewissenbissen treten häufig auf.

Machiavellismus


Für Machiavellismus gibt es - im Gegensatz zu Psychopathie und Narzissmus - kein klinisches Pendant i.S. eines anerkannten Störungsbildes.

Beschrieben wird der Charakterzug als eine Kombination aus rücksichtslosem Machtstreben, Kälte und Egoismus.

Das Vorgehen ist planerisch, kalkuliert und geschickt. Dabei werden, wenn es dem eigenen Ziel dient, auch rechtliche und moralische Hürden mit Leichtigkeit übersprungen.

Dabei liegt ein besonders Talent des Machiavellisten darin, die Fassade des ehrbaren Menschen lange und erfolgreich aufrechtzuerhalten und sich - vielleicht nie- bei kriminellen Machenschaften erwischen zu lassen.

Die Merkmale der Triade treten oft gemeinsam auf. Das spiegelt sich auch in inhaltlichen Überschneidungen zwischen den Charakterzügen Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus. Eine chirurgische Trennung der Typen ist somit meist nur schwer möglich.

Als kleinster gemeinsamer Nenner der Triade hat sich in einer neueren kanadischen Studie insbesondere die Neigung zu Habgier und Verlogenheit herausgebildet.

Soziale Raubtiere


Entscheidend für das Konzept der Dunklen Triade ist, dass es sich um Merkmalsausprägungen im Normalbereich der Bevölkerung handelt. Im psychologischen Jargon wir hier auch von „subklinischen" Merkmalsausprägungen gesprochen.

Realistische Zahlen zur Verbreitung in der Bevölkerung liegen ausschließlich für die Charakterzüge Narzissmus (ca. 6%) und Psychopathie (2 -5 %) vor. Damit sind lediglich behandlungsbedürftige Ausprägungen erfasst. Im subklinischen Bereich weisen immerhin gut 15% gefährlich hohe Narzissmuswerte auf.

Normal? Manchmal ist das schwer zu akzeptieren, insbesondere für Opfer. Da ist es sehr verlockend, den betrügerischen Geschäftspartner oder ausbeuterischen Chef laiendiagnostisch auf eine Ebene mit Hannibal Lector zu stellen.

Ob subklinisch oder nicht, sagt wenig über das zerstörerische Potential dieser Merkmale aus. Es geht um die Übereinstimmung mit formalen Diagnosekriterien der Psychiatrie. Und da braucht es für eine klinische Einordnung etwas mehr.

Unter dem Radar

Wer sich innerhalb des Normalbereichs - auch negativ besetzter Persönlichkeitsmerkmale aufhält - ist in der Lage zuverlässig ein weitgehend unauffälliges, angepasstes Leben zu führen und nach außen normal zu wirken.

Gerade diese Angepasstheit macht die Dunkle Triade so schwierig zu erkennen. Insbesondere im Zusammenspiel mit einem ausgeprägten manipulativen Talent, erschließt sich der wahre Charakter des „Triadeurs" meist erst über die Zeit.

Die Fähigkeit zur „nutzbringenden" strategischen Kommunikation fällt fast allen Charakteren der Triade leicht. Die Kombination aus Beobachtung und Berechnung, die mehr oder minder systematische Suche nach, oder zumindest das Gespür für Schwachstellen beim Gegenüber, prägen das Miteinander. Mit dem Bestreben, die eigenen Ziele auch zum Nachteil anderer Menschen umzusetzen.

Ausgeschaltete Warnmechanismen

Besonderes Narzissten ziehen durch ihre Fassade des Erfolgs und Selbstbewusstseins anfangs Bewunderung und Ehrfurcht an. Die anfängliche Aufwertung des Gegenübers gehört oft zu ihrer Kommunikationsstrategie. Sie versorgt andere zunächst mit Wohlgefühl und vermitteln den Eindruck, von einem großen Menschen anerkannt zu werden.

Psychopathen wirken zunächst erfrischen, anziehend unbelastet, problemfrei, souverän und unkompliziert.

Eigenschaften die dazu beitragen, die Warnmechanismen beim Gegenüber auszuschalten und ihn in die Falle tappen zu lassen.

Passend, dass der amerikanische Forscher Robert Hare in diesem Zusammenhang auch von „sozialen Raubtieren" spricht.

Ein Punkt, auf den wir später noch zurückkommen werden.

Destruktive Wirkung


Wahrscheinlich dürfte Ihnen beim Lesen schon der eine oder andere Gedanke gekommen sein, wo Sie „solchen Typen" bereits begegnet sind. Vielleicht haben Sie auch konkrete Situationen oder Erlebnisse im Kopf.

Wenig überraschend. Die Dunkle Triade schlägt sich in vielen Bereichen des Lebens nieder. Im Privaten, genauso aber auch im Geschäft.

Durchschnittliche Leistung, aber hohe Kosten

Eine amerikanische Studie unter Managern hat belegen können, dass großen Erfolgen narzisstischer Manager ebenso große Niederlagen gegenüberstehen. Mit einer, ökonomisch gesehen, nicht mehr und nicht weniger erfolgreichen Bilanz im Vergleich zu „normalen" Führungskräften.

Dafür sind die sozialen Kosten für die „durchschnittliche" Gesamtleistung enorm hoch.

Kein Team hält es auf die Dauer aus, wenn sich ein selbstherrlicher Machtmensch auf den Thron schwingt. Wo Manipulation und Eigennützigkeit herrschen, kann sich kein Miteinander entfalten. Und genau das betrifft das „Reservoir des guten Willens" innerhalb eines Unternehmens. Neben individuellen Folgen von Mobbing und Unterdrückung, wie absinkende Leistungsfähigkeit und Krankenstand.

Die Bereitschaft - sei es aus dem eigenen Grandiositätserleben heraus oder aufgrund schlichter moralischer Unzugänglichkeit und Habgier- auch zum Schaden des Arbeitgebers aktiv zu werden, ist gerade auf der Führungsebene verlockend.

Kein Wunder, dass besonders für den Charakterzug Machiavellismus eine Tendenz zur Wirtschaftskriminalität und Selbstbereicherung attestiert wird.

Und der Narzisst? Versteht es meist durchschnittliche Fähigkeiten besonders gut zu verkaufen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er so in Positionen gelangt, die weit oberhalb seiner realen Fähigkeiten liegen.

Ernsthafte Selbstreflexion und das Bemühen um Selbstverbesserung sind hier auch nicht zu erwarten. Kritikunfähigkeit haben die Betroffenen meist für sich gepachtet.

Zusätzlich versichert er sich seiner eigenen Herrlichkeit über die Abwertung und Demontage von Kollegen und Untergebenen. Erreicht er aus sich heraus kein hohes, hervorstechendes Leistungsniveau sorgt er lieber dafür, dass andere Menschen unter sein Level fallen.

Ggf. bedeutet das auch, Verantwortung für Fehler und Probleme grundsätzlich anderen anzukreiden. Schließlich würde die Übernahme von Eigenverantwortung einen Schaden am grandiosen Selbst bedeuten.

Selbstüberschätzung, aber mangelnde Planungsfähigkeit

Ab davon, dass Triadeure in der Regel besonders begabt sind Kompetenz zu simulieren und im Zweifelsfall auch vor kriminellen Wegen nicht zurückschrecken dürften um Ihr Ziel zu erreichen, gründen Sie zu allem Überfluss auch noch besonders gern Unternehmen.

Deutsche Wissenschaftler konnten 2011 in einer, von der British Academy of Management ausgezeichneten, Studie interessante Fakten zu Tage fördern.

Demnach neigen Narzissten und Psychopathen durch übersteigerten Geltungsdrang, Risikoaffinität und Selbstüberschätzung eher zu Selbstständigkeit.

Wie wenig hinter der Fassade der Narzissten wirklich steckt, zeigt sich schon in der Fähigkeit einen Businessplan aufzustellen. Das differenzierte Aufarbeiten von Fakten und solide Planung sind vielmehr das Metier der strategisch arbeiteten Machiavellisten. Eine konzentrations- und zeitaufwändige Aufgabe , die den anderen Charakteren nicht liegt. Oder, die sie meinen nicht nötig zu haben.

Eine Tatsache die Anlass zu der Vermutung gibt, dass häufige Anfangserfolge von Narzissten und Psychopathen in Richtung Strohfeuer tendieren und durch mangelnde Fähigkeiten und Frustrationstoleranz sich schnell ins Gegenteil wenden können, zumal der Antrieb hinter der Gründung keine echte Passion für die Selbstständigkeit ist.

Die Resultate waren immerhin so eindeutig, dass die Wissenschaftler klar für eine stärkere Berücksichtigung und systematische Bewertung des Gründungsanlasses plädieren.

Vorsicht ist besser als Nachsicht


Geschäftsverbindungen kann man lösen, Arbeitsverhältnisse auch. Was im Umgang mit gewöhnlichen Partnern und Arbeitnehmern unspektakulär verlaufen kann, hat im Falle von Narzissten und Psychopathen ernsthaftes Problempotential.

Stellen Sie sich einen Konfliktgegner vor, dessen übersteigertes Selbstwertgefühl durch eine Trennung verletzt wird. Der darauf ausgerichtet ist, fast alles dafür zu tun, um sich sein „rechtmäßiges Gefühl der Überlegenheit" wiederzuholen. Und sei es nur, indem der „Angreifer" zerstört wird.

Einen Menschen, für den soziale Spielregeln nicht gelten, der gewissenlos, angstfrei und gefühlskalt ist.

Die „Fähigkeit" so veranlagter Menschen Konflikte rücksichtslos zu betreiben, übersteigt die Möglichkeiten der Bevölkerungsmehrheit oft bei weitem und überrollt- im normalen Alltag bewährte - Verteidigungsmechanismen.

Im eskalierten Konflikt ist das kein Grund aus dem Feld zu gehen. Wohl aber, sich auf eine schmutzige Auseinandersetzung einzustellen, die Sie besser frühzeitig Fachleuten (wie Juristen) überlassen.

Die Dunkle Triade einschätzen


Mindestens zwei Aspekte machen die Identifizierung der Dunklen Triade zu einer Herausforderung:

Erstens, handelt es sich um Persönlichkeitsmerkmale, die jeder Mensch in irgendeiner Form in sich trägt. Kurz, es gibt keinen absoluten Nullpunkt, sondern nur Unterschiede in der Ausprägung. Und in manchen Zusammenhängen können ein etwas reduziertes Risikobewusstsein (Psychopathen) oder eine etwas zu positive Selbsteinschätzung (Narzissten) durchaus hilfreich sein.

Zweitens, die - bereits oben erwähnte - ausgeprägte Manipulationsfähigkeit der Merkmalsträger, die es schwer macht die Realität einzuschätzen.

Vor einigen Monaten hatte ich ein denkwürdiges Gespräch mit einem alten Studienfreund. Die Frage war, wie sich Narzissten und Psychopathen im alltäglichen Kontakt zuverlässig erkennen lassen. Seine Zusammenfassung klang in etwa so:

Wenn Du - ohne weitere Hilfsmittel - solche Menschen immer erkennst, dann ist etwas falsch mit Dir. Es würde bedeuten, dass Du immer misstrauisch und wachsam bist. Du würdest ständig darauf warten, dass von irgendwo ein Angriff oder Manipulationsversuch kommt. Das ist nicht normal, sondern krank.

Die Fähigkeit andere Menschen in die Irre zu führen und zu instrumentalisieren macht insbesondere Narzissten und Psychopathen zu Personen, die selbst bei sehr erfahrenen Psychiatern und Psychologen kaum Begeisterungsstürme entfachen. Ein offenes Geheimnis, dass viele Fachleute sich den „Stress" nicht antun wollen.

Ein kompletter Ausschluss, eine 100% Sicherheit wird es also aller Voraussicht nach nie geben. Dennoch: Einige Möglichkeiten - Hilfsmittel - stehen zur Verfügung, um das Risiko "sich ein Problem ins Haus zu holen", etwas zu mindern.

Testverfahren


Gut belegt sind Verbindungen zwischen der Dunklen Triade und Persönlichkeitstests auf Basis der sogenannten BIG-5 (z.B. Paulhus & Williams 2002). Als verbreitete Varianten bieten sich bspw. der NEO-FFI und ggf. der NEO-PI-R an.

Charakteristisch ergaben sich hier folgende Verbindungen:

(+) eher erhöhter Wert (-) eher niedriger Wert (o) unauffälliger Wert

Merkmal Beschreibung Narzissmus Psychopathie Machiavellismus
Extraversion Neigung zu Aktivität, Geselligkeit, Kommunikation + + o
Verträglichkeit Neigung zu Harmonie, Selbstlosigkeit, Kooperation - - -
Offenheit Suche nach Abwechslung, Offenheit für neue Erfahrungen + + o
Neurotizismus Neigung zu Ängstlichkeit, Traurigkeit, Unsicherheit o - o
Gewissenhaftigkeit Neigung zu Ehrgeiz, Pflichtgefühl, Ordnung o - -

Das für sich reicht nicht, um eine klare Diagnose zu stellen. Nicht bei subklinischen Typen und schon gar nicht bei einer klinische Ausprägung.

Auch wenn es mittlerweile die eine oder andere Selbsteinschätzungsskala gibt, die den Anspruch verfolgt, die Ausprägung der Dunklen Triade zu erfassen, Persönlichkeitsfragebögen allein werden voraussichtlich nie reichen, um die Verhältnisse eindeutig zu klären. Da werden auch in der Entwicklung befindliche, spezialisierte Verfahren keine Revolution auslösen.

Das liegt primär an der Manipulierbarkeit der sprachbasierten Verfahren. Solange kein brauchbares Instrument zur nicht-sprachlichen Messung von Persönlichkeitsmerkmalen vorliegt, müssen wir damit leben.

Wohl aber geben die Resultate Hinweise, an welchen Stellen und bei welchen Merkmalskombinationen ein genauerer Blick sinnvoll sein kann. Das ist mehr als nichts.

Als kleine Randnotiz: Im Zuge der gleichen Studie zeigte sich, dass Machiavellisten ihren IQ realistisch, Psychopathen etwas zu hoch und Narzissten deutlich zu hoch einschätzten. In der Praxis nur bedingt hilfreich. Aber wenigstens bestätigt es die Neigung der Narzissten zur Überbewertung Ihrer Fähigkeiten.

Gespräche/Interviews


Sorgen Sie in formalen Situationen wie der Personalauswahl oder Bankgesprächen für strukturierte, klare Gesprächsabläufe. Definieren Sie wichtige Inhalte und Fragen. Stellen Sie sicher, alle relevanten Punkte abzuarbeiten.

Das reduziert Ihr Risiko, sich von einer Faktensammlung und realistischen Beurteilung durch die Manipulationsstrategien des Gegenübers ablenken zu lassen.

Und genau hier liegt nach meiner Erfahrung der Hase im Pfeffer. Bereits bei der Auswahl normaler Mitarbeiter ist in Unternehmen ein halbwegs strukturiertes Interview die Ausnahme. Spätestens auf der Managementebene löst sich dann die Systematik komplett in Wohlgefallen auf und die Beurteiler überlassen letztlich ihrem Gefühl die Entscheidung.

Gern mit dem Argument, die eigene Erfahrung würde völlig ausreichen, um einen Kandidaten korrekt zu beurteilen.

Eben nicht. Alle drei Charaktere der Triade leben davon, die Gefühle ihres Gegenübers zu identifizieren und sie gegen ihn einzusetzen. Charme und kommunikative Anpassungsfähigkeit machen Gesprächspartner blind. Den Rest erledigt die - gerade bei Narzissten berüchtigte Fähigkeit - anfangs mit Ihrem Pendant so umzugehen, wie sie sich selber behandelt wissen wollen.

Schmeicheleien, die Suche nach Anknüpfungspunkten und Gemeinsamkeiten, die Betonung der Fähigkeiten und Leistungen des Gegenübers sind da noch die harmloseste Methode.

Im Zweifelsfall, kann schon ehrliche Selbstreflexion mit ein paar Fragen helfen:

  • Was habe ich wirklich über meinen Gegenüber erfahren?
  • Hat mich mein Gegenüber gelobt, fühle ich mich besonders, besser, sehr gewertschätzt?
  • Empfand ich mein Gegenüber als besonders sympathisch, locker und unbelastet?
  • Haben „wir" Gemeinsamkeiten gefunden?

Ist die Antwort auf die erste Frage - wenig - und sind die anderen Fragenmit - ja - zu beantworten, lohnt es sich etwas genauer hinzusehen.

Eine zweite Meinung einzuholen, kann dann durchaus sinnvoll sein. Sei es durch Kollegen, oder über externe Unterstützung. Besonders im Recruiting ist das weder unangemessen, noch unhöflich. Schließlich sind Zweitgespräche durchaus üblich und auch in der Bank wird sich sicher ein Kollege finden, der sich den Kunden noch einmal ansieht.

Verhaltensbeobachtung


Gerade ausgeprägte Narzissten beginnen manchmal frühzeitig subtil Hierarchien aufzubauen. Manches davon wirkt zufällig und weit davon entfernt Ausdruck von Hintergedanken zu sein.

Mögliche Anzeichen im Geschäftsverkehr sind vermeintliche Kleinigkeiten.

  • Kurzfristige Terminabsagen, Geschäftspartner warten lassen (Botschaft: Es gibt etwas Wichtigeres als Dich!)
  • Zuarbeiten und Pflichten an den Geschäftspartner delegieren (Ruf mich morgen zwischen 10:00 -und 12:00 an!), damit dieser „hinterherlaufen" muss und automatisch in die Rolle des Zuträgers fällt.
  • Mehr Fragen stellen, als Antworten geben. Das Prinzip „Wer fragt, der führt", haben viele als Machtinstrument verinnerlicht.

Außeninformationen


Die beste Möglichkeit den Wahrheitsgehalt von Aussagen zu prüfen und hinter eine potentielle Fassade zu blicken, ist und bleibt die Außeninformation. Ganz besonders bei manipulativen Charakteren.

Eine Erkenntnis, die sich im Zusammenhang mit pathologischen Psychopathen und Narzissten, auch in der forensischen Psychologie zunehmend durchsetzt.

Der klassische Weg der Personalberater, auf der Geschäftsführungsebene ehemaliger Arbeitgeber nachzuhaken, ist eine Strategie. Fraglich allerdings, ob geprellte Geschäftsführer bereit sind zuzugeben, dass sie getäuscht wurden. Und Personalabteilungen haben es schon aus Gründen des Datenschutzes nicht so mit der Kommunikation sensibler Informationen.

In jedem Fall sollten Sie Wert darauf legen sich nicht auf Einzelurteile zu verlassen. Schon aus Gründen der Fairness ist es angezeigt, bei zwei oder drei Quellen Erfahrungen einzuholen.

Zuverlässiger Informationen lassen sich durchaus auch von Untergebenen oder Kollegen gewinnen. Eine höhere Ebene bedeutet nicht zwangsläufig realistischere Angaben.

Unterschätzen Sie übrigens nicht das Internet. Trotz aller Pressemeldungen, wonach Firmen auch im Netz gezielt nach Informationen über Kandidaten oder Geschäftspartner suchen, tatsächlich konsequent umsetzen tun das wenige Unternehmen. Und es kann sich lohnen.

Bei einem meiner Arbeitgeber förderte die Internetrecherche über einen potentiellen Geschäftspartner erstaunliches an den Tag. Der eloquente, geschmeidige Herr entpuppte sich als „Anlageberater", der sich mit windigen Offshore-Geschäften in der Anlegerszene einen heiklen Ruf erworben hatte. Letzte Klarheit über die Vertrauenswürdigkeit, brachte eine Bonitätsauskunft des vorgeblich erfolgreichen Unternehmers.

Das ist kein Appell Bewerber und Geschäftspartner unter Generalverdacht zu stellen. Aber bei wichtigen Posten, gemeinsamen Unternehmungen und hohen Kreditsummen können etwas ausgedehntere Recherchen sehr wohl einen Beitrag zum Selbstschutz leisten.

Literatur


Wenn Sie mehr erfahren möchten, empfehle ich Ihnen folgenden Veröffentlichungen

Gehirn & Geist: Die Dunkle Triade, von Frieder Wolfsberger, Ausgabe 04/2015, Hier kostenpflichtig im Internet

Brief report: The Dark Triad of personality: Narcissism, Machiavellianism, and psychopathy, von Paulhus und Williams. 2002, Hier kostenlos im Internet

Süddeutsche Zeitung: Achtung, gefährlicher Kollege! , von Barbara Galaktionow, 12/2011, Hier kostenlos im Internet

Das Buch von Kevin Dutton ist weithin bekannt, populär, aber nicht frei von Kritik. Dennoch, eine lesbare Heranführung an die Thematik.

dtv Verlag: Psychopathen: Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann, von Kevin Dutton, 2013, ISBN: 3423249757

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