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19/10/2015 07:11 CEST | Aktualisiert 19/10/2016 07:12 CEST

Darum brauchen wir Islamunterricht in der Schule

PhotoAlto/Sigrid Olsson via Getty Images

Allein im Bundesland Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit über 300.000 Schüler muslimischen Glaubens. Viele von ihnen halten sich für gläubig und würden sich auch einen konfessionsgebundenen Religionsunterricht, als Ergänzung oder Alternative zum Moscheeunterricht, wünschen. Jedoch erhalten nur die wenigsten von ihnen einen Religionsunterricht in der Schule.

Dies hat in gewisser Weise auch damit zu tun, dass der Staat derzeit noch keinen Ansprechpartner in Sachen muslimischer Religionsgemeinschaft hat, welcher den Bildungsplan und die Lehrkräfte für die staatlichen Schulen bereitstellen könnte. Dies liegt daran, dass es anscheinend noch keine passende oder anerkannte Religionsgemeinschaft gibt, welche z.B. als Dachverband muslimische Gemeinschaften repräsentiert und dem Staat als anerkannten Partner gegenübersteht.

Identitätsfindung der Schüler

Viele von den Schülern gehen auch nicht in die Moschee, in welcher sie ihre Religion besser verstehen könnten. Die Notwendigkeit für einen Religionsunterricht besteht nicht nur aus primären Gründen des Bildungsauftrags der Schule, sondern auch um die Identitätsfindung der Schüler zu fördern.

Zusätzlich hätte es auch die Folge, präventiv gegen religiösen Extremismus zu arbeiten. Dies sollte jedoch nicht der einzige Zweck eines Religionsunterrichts sein. Es taucht jedoch in Tagen wie diesen, an denen von manchen Kreisen über die Notwendigkeit der Religionslehre an staatlichen Schulen gemutmaßt wird, die Frage auf, ob es überhaupt notwendig ist, einen Religionsunterricht einzuführen.

Religionsunterricht ist verankert im Grundgesetz

In Deutschland kommt die Kritik gegenüber der religiösen Unterweisung an Schulen vermehrt von Seiten der Atheisten, Konfessionslosen oder (evolutionären) Humanisten. Um einige namentlich zu nennen: Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IKBA) oder auch die Giordano-Bruno-Stiftung, welche sich auf einen evolutionären Humanismus berufen, in dem jegliche These oder jeglicher Glaube vereinbar mit der Wissenschaft sein sollte. Dieser evolutionäre Humanismus ist zurückzuführen auf den Britischen Biologen und Philosophen Julian Huxley (gest. 1975).

Zuallererst möchte ich betonen, dass der Religionsunterricht nach Art. 7 Abs. 3 des Grundgesetzes ein ordentliches Lehrfach ist und somit eine gesetzliche Legitimation hat.

Ich zitiere Artikel 7 Abs. 3:

(3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen.

Manipuliert Religionslehre an Schulen das Weltbild der Schüler?

Oft wird von Seiten der Gegensprecher der religiösen Erziehung oder des Religionsunterrichts in staatlichen Schulen die Behauptung aufgegriffen, dass durch Religionsunterricht die Schüler an eine bestimmte manipulierte Weltanschauung gebunden werden und sie sozusagen gewisse Wertevorstellungen indoktriniert bekommen. Jedoch spricht sich der Islam gegen einen blinden Glauben aus.

Allah fordert im Koran mehrmals die Menschen dazu auf, nachzudenken, den eigenen Vorfahren oder jeglichen anderen Autoritäten nicht blind zu folgen, sondern dass die Menschen mit Vernunft und Verstand reflektieren sollen. Weiterhin sagt Allah im Koran:

„Und wenn dein Herr es gewollt hätte, wären alle auf Erden allesamt gläubig geworden. Willst du etwa die Leute zwingen, gläubig zu werden?" (Sure 10, Vers 99)

Nach dem Koran ist es keineswegs die Aufgabe der Menschen, andere zum Glauben zu zwingen oder zu bringen, sondern Wege zu zeigen. Denn im Islam ist Allah der einzige, der die Menschen zum Glauben bringt oder nicht. Daher ist es dem freien Willen des Menschen überlassen, ob er gläubig wird oder einen anderen Lebensweg einschlägt.

Erosion unserer Kulturenvielfalt

Ein weiterer Kritikpunkt gegen den Religionsunterricht ist, dass die Lehren der Schule eine universelle Geltung haben müssen, wie zum Beispiel die Lehre der Mathematik, welche unabhängig von jeglichen Wertevorstellungen ist. Da es in Deutschland jedoch viele konfessionslose gibt, ist Religionsunterricht nicht universell für alle gültig und deshalb sollte eine Schule keinen Religionsunterricht anbieten, laut den Kritikern des Religionsunterrichts.

Es ist jedoch unbestreitbar, dass die generelle Wertevorstellung und Kultur in Europa von christlich-jüdischen Wertevorstellungen, wie den Zehn Geboten oder der Goldenen Regel, geprägt wurde. Um ihre eigene Tradition und Kultur näher kennen zu lernen, finde ich den Religionsunterricht daher sehr hilfreich, um auch diese Wertevorstellungen zu erhalten und weiterzugeben.

Andernfalls würde man zur Erosion eines elementaren Pfeilers der Kultur, nämlich der Religion, beitragen und ein Stück der Allgemeinbildung, des Kulturbewusstseins und der Identitätsbildung der Schüler entnehmen. Dies liegt meines Erachtens auch nicht im Sinne einer Schule, welche reife, gebildete und dadurch auch mündige Menschen hervorbringen will.

Schüler sollen lernen, Gelerntes zu reflektieren

Gleichermaßen denke ich, dass durch ein breit gefächertes Grundwissen die Schüler eine viel größere Vision, einen schärferen Verstand und die Kompetenzen entwickeln, um Überzeugungen besser reflektieren zu können. Ob die Schüler sich nun für oder gegen einen religiösen Lebensweg entscheiden, ist ihnen selbst überlassen. Es sollte auch nicht die Aufgabe oder das Ziel der Lehrkraft sein, fromme Schüler hervorzubringen. Jedoch sollte man die Schüler nicht von der Chance abhalten, sich religiöses Wissen innerhalb der Schule anzueignen.

Gute Alternative: Ethikunterricht

Der als Alternative zum Religionsunterricht stehende Ethikunterricht ist gesetzlich für jeden Schüler ab der Vollendung des 14. Lebensjahres und damit der Religionsmündigkeit frei wählbar. Dies ist eine sehr liberale und tolerante Lösung, sich auch gegen einen Religionsunterricht entscheiden zu können.

Die Toleranz und Akzeptanz, welche für die naturwissenschaftlichen Fächer geboten werden, sollte auch für ein geisteswissenschaftliches Fach wie Religion gelten, denn die Schule hat nicht nur die Aufgabe die Schüler wissenschaftlich zu bilden, sondern ihnen auch gewisse Werte zu vermitteln, welche in ihrem lokalen Umfeld als wertvoll Angesehen werden.

Dadurch können Schüler auch ihre sozialen Kompetenzen entwickeln. Letztendlich ist es unbestreitbar, dass im Religionsunterricht auch andere Konfessionen behandelt werden. Als Beispiel lernen die Schüler im evangelischen Religionsunterricht die Ansichten verschiedener Philosophen und in Klasse 6 und in Klasse 8 auch die Überzeugungen anderer Religionen, wie dem Judentum und dem Islam, kennen.

Aus den genannten Gründen halte ich den Religionsunterricht für sehr sinnvoll und essentiell, um eine facettenreiche Bildung innerhalb der Schule zu gewährleisten. Wie oben bereits erwähnt, hat man ja auch die Möglichkeit zum Ethikunterricht zu wechseln, welches eine sehr gute Lösungsmethode ist, um alle Interessen seitens der Schüler zu decken.

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