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08/10/2015 05:39 CEST | Aktualisiert 08/10/2016 07:12 CEST

Ein Stille-Retreat muss kein Boot Camp für die Seele sein

Westend61 via Getty Images

Viele Menschen sehnen sich nach einem Stille-Retreat, vermeiden es aber, an einem teilzunehmen wegen dem, was sie darüber lesen und hören. Trotz all der großartigen Kritiken, klingt „Stille-Retreat" für viele mehr nach Boot Camp als nach einer heilenden, wiederaufbauenden Erfahrung.

Sie fragen sich: Ist es wahr, dass man für mehrere Stunden am Tag meditieren muss? Da muss es doch mehr geben als dazusitzen, den Atem zu beobachten, die Gedanken, die kommen und gehen und still zu sein? Führt all diese Zeit alleine nicht zu mehr Ängstlichkeit oder zumindest zu unglaublicher Langeweile? Es mag gut sein, nichts zu tun und einfach zu sein, aber nur da zu sein und das tagelang - ist das nicht ein bisschen zu viel des Guten? Wie findet man inneren Frieden mit all diesen Regeln, Strukturen und Erwartungen? Was macht man mit all dem Lärm im eigenen Kopf, sich sorgend um all das, was zu tun ist, während man sitzt? Sicherlich sind es für einige Menschen die vielen Stunden der Meditation, der Struktur und der Erwartungen - ein Retreat, annähernd wie ein Boot Camp - das funktioniert.

Für andere Menschen, die gerade aus einem stressigen Leben kommen mit mentalem Stress, mag es zu schnell zu viel sein, auf einmal nur mit ihren Gedanken und Gefühlen da zu sein, und es fehlt ihnen Unterstützung. Wenn innerer Frieden und Stille unser Ziel sind, warum versuchen wir es nicht mit einem Stille-Retreat mit einfachem Frieden und Stille? Eine Zeit, weg vom alltäglichen Lärm, der Überstimulation durch Familie, Arbeit und all das, was wir tun - das ist ein Geschenk an sich.

Im Hinblick auf die Meditation geht es weniger darum, wie viele Stunden wir sitzen, sondern mehr darum, was tatsächlich passiert, wenn wir sitzen. In unserer hauptsächlich mental geprägten Welt tendieren wir dazu, unseren Köpfen zu viel Aufmerksamkeit zu geben, und dies auf Kosten des Erinnerns und Empfangens unseres Herzens.

Es gibt soviel mehr als unsere vorbeifließenden Gedanken zu beobachten wie Wolken, die vorbeifliegen. Es gibt den Himmel selbst, mit oder ohne Wolken. Der Himmel, von dem wir hier reden, ist ein tatsächlich Ozean des Seins in unseren Herzen.

In der Stille eines Retreats können wir loslassen, sein lassen und unter die Wellen unseren geschäftigen mentalen Lebens gehn - wir können den Ozean des Friedens in unserem Innern spüren. In einem Stille-Retreat geht es weniger darum, nicht zu reden, sondern mehr darum, zuzuhören, insbesondere der Stille unseres Herzens zuzuhören.

Der Druck unseres weltlichen Lebens fühlt sich anders an, wenn wir den Quell unseres Seins in uns entdecken und genießen. Das ist die Herzensmeditation. Da ist der Fokus, die Konzentration, das Üben, das Herz in unserem Herzen zu empfangen, anstatt gewohnheitsmäßig zu denken. Jeder Mensch findet dort seinen Pfad, seine Disziplin, seine Pilgerschaft als Bewusstseins, das im Herzen zur Ruhe kommt und all das, was präsent ist, empfängt.

Ein Stille-Retreat, das Ruhe, Spaß, Schönheit, gutes Essen und Natur beinhaltet; ein Retreat das uns, in anderen Worten, fördert und nährt, erlaubt Körper und Geist, sich zu entspannen, während sich das Herz sanft öffnet für ein beruhigendes Bewusstsein. Unterhalb unseres mentalen Verkehrs gibt es das große Reich der Herzensessenz. Dies ist die Ehrfurcht, das Entzücken und die Freude, die Meditierende aller Art finden und beschreiben.

Für einige ist es hilfreich, viele Regeln, Stunden des Sitzens und Strukturen zu haben, um diesen Ort zu finden. Für andere sind all die „Du musst"s und die Erwartungen eine Ablenkung. Sie wollen eine Pause von Anforderungen und Strukturen. Sie wollen ihre Schuhe ausziehen und ein Baum sein, eine Wolke, eine Tasse Tee, ein Tagtraum, ein Herzenstraum, einfach sein.

Herzenszentiertes Sein in Stille ist das, was sich sicher anfühlt und was uns zum friedvollen Hafen in uns selbst bringt. Es ist herausfordernd genug, die Arbeit hinter sich zu lassen und sich vom Partner, dem Kind oder Haustier für einige Tage zu trennen. Ein Retreat zu machen ist heutzutage scheinbar noch nackteres Sein durch die Trennung von unserem Mobiltelefon.

Wie steht es um die nächste Email oder den Text? Sich von jeder Art von Sucht zu erholen, inklusive der Sucht nach unserem geschäftigen Leben, ist mehr als eine Konfrontation mit der Leere, vor der wir in unsere Gewohnheiten flüchten, die unsere Gewohnheiten verdecken. Ein Retreat kann erfüllend sein, indem wir unsere Menschlichkeit auf sanfte Art lieben, unsere Leere umarmen und entdecken, dass sie voller Herzensessenz ist.

Die Herzensmeditation leitet uns dahin, zu erkennen, dass sie Liebe, die wir in unserem täglichen Leben suchen, in unserem Innern auf uns wartet. Unser Bewusstsein in unserem Herzen zu verankern, ist ein neues Leben, eine neue Perspektive, voller Vertrauen und Freude. Bewusstsein, das befreit ist uns von unserer mentalen Last, ist freudvoll, einfach und rein.

Je schwieriger es ist, uns von unserer täglichen Routine zu trennen und im Retreat zu sein, desto lohnender kann ein Stille-Retreat sein. Leg all die Ängste vor Boot Camps beiseite. Schönheit, Natur, herzensbasierte Meditation in der Stille sind ein Geschenk, das bei uns bleibt und uns immer weiter gibt.

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