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11/04/2016 15:11 CEST | Aktualisiert 12/04/2017 07:12 CEST

AfD wurde durch Höcke zur Pegida-nahen Protestpartei

dpa

Ich war von Mai 2013 bis Juli 2015 stellvertretende Landesvorsitzende der AfD Bayern. In dieser Funktion konnte ich sehr gut beobachten, wie sich die Strömungen innerhalb der Partei allmählich auseinanderentwickelt haben.

Ich gehörte seinerzeit zum gemäßigt liberal-konservativen Flügel um Bernd Lucke. Wir befürworteten eine Beendigung der Eurorettungspolitik, ein Festhalten an der Westbindung, und damit der Nato-Mitgliedschaft, sowie einen differenzierten Umgang mit der Flüchtlingsproblematik.

Wir standen für die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit, ohne jedoch die Gefährdung durch den radikalen Islam zu unterschätzen.

Unsere Wähler sahen wir in der bürgerlichen Mittelschicht, die gemäßigte Positionen vertritt und sich eine Politik mit Augenmaß wünscht. Außerdem waren wir bereit, im Falle des Einzugs in ein Parlament, Koalitionen einzugehen und damit auch Regierungsverantwortung zu übernehmen.

"Flügel" propagierte national-konservative Positionen

Im Laufe der Zeit bildete sich eine Strömung, die sich selbst als "Flügel" bezeichnete und von Herrn Höcke, mit Unterstützung von Herrn Gauland, angeführt wurde. Der Flügel propagierte zunehmend national-konservative Positionen, entsprechende Rhetorik inklusive.

Er stellte die Westbindung in Frage, lehnte die Wirtschaftssanktionen gegen Russland ab und äußerte Sympathie für Putins Positionen und Vorgehensweisen. Die Kritik an der Merkelschen Eurorettungspolitik trat in den Hintergrund.

Sie wurde ersetzt durch die Positionen von Pegida, was sich vor allem während des Essener Parteitags im Juli 2015 manifestierte. Damit änderte sich auch die Zielgruppe der Partei, von der bürgerlichen Mittelschicht zu den "kleinen Leuten" (Alexander Gauland).

Schlussendlich lehnte der "Flügel" jedwede Koalitionsbildung strikt ab und wollte auf absehbare Zeit als reine Protestpartei in der Opposition verharren.

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Am Essener Parteitag der AfD standen diese Unterschiede zur Abstimmung, mit bekanntem Ausgang. Da ich die neue Ausrichtung nicht unterstützen konnte, habe ich die AfD noch im Juli 2015 verlassen. Ich habe mich der ALFA angeschlossen und bin jetzt die Landesvorsitzende des Landesverbands Bayern.

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