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22/01/2016 10:11 CET | Aktualisiert 22/01/2017 06:12 CET

Die 10 Größten Probleme von Drittkulturkindern

Roberto Machado Noa via Getty Images

Sogenannte Drittkulturkinder haben oft eine recht interessante Kindheit, in der sie in einer anderen Kultur und einem anderen Land als dem Heimatland der Eltern aufwachsen - eine Erfahrung, die schwer zu beschreiben ist, wenn man sie nicht selbst erlebt hat.

Deshalb kann es sich, wenn man auf andere Drittkulturkinder trifft, so anfühlen, als ob man einen lange vermissten Freund wiedergefunden hat. Und gerade soziale Netzwerke wie InterNations können einem dabei helfen, sich nicht alleine zu fühlen: Man realisiert dann schnell, wie klein die Welt tatsächlich ist, wenn man womöglich Freunde-von-Freunden trifft. Nichtsdestotrotz werden andere Drittkulturkinder bestimmt zustimmen, dass die folgenden 10 Probleme besonders typisch sind:

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1. Die Frage „Wo kommst du her?"

Für Drittkulturkinder die wohl nervenaufreibendste und am meisten Sorgen bereitende Frage, deren Beantwortung oft eine tiefgründige Exkursion über die gesamte Lebensgeschichte beinhaltet. Und das kann sehr anstrengend sein, wenn die Eltern aus zwei verschiedenen Ländern stammen, man selbst in drei verschiedenen aufgewachsen ist, und aktuell in wieder einem anderen Land lebt.

„Heimat" hat für Drittkulturkinder oft eine andere Bedeutung, und selbst die Angabe der eigenen Adresse auf offiziellen Formularen kann ein Gefühl des Unbehagens mit sich bringen. Nach jahrelangem Leben in einer oder mehrerer, fremder Kulturen, in denen man sich auch nie so ganz wie zu Hause gefühlt hat, erscheint es einem oft, als ob man überall und nirgendwo hineinpasst.

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2. Der „internationale" Akzent

Leute, die gerne das Herkunftsland von jemandem basierend auf deren Akzent erraten, werden spätestens bei Drittkulturkindern Probleme bekommen. Und das ist kaum verwunderlich wenn man einen Akzent spricht, der gerne als „international" bezeichnet wird und vielleicht dem Amerikanischen Englisch am ehesten ähnelt, aber auch verschiedenste Einflüsse aufzeigt: von den diversen Heimatländern und international Gesprächspartnern bis hin zu den Sprachen und Akzenten der Lieblingsserien.

3. Sprachkenntnisse im Allgemeinen

Wenn man in verschiedenen Ländern gelebt hat, spricht man wahrscheinlich mindestens zwei Sprachen fließend; und vermischt diese, ohne es zu merken. Trotzdem ist es nicht zwingend der Fall, dass man die Sprache des aktuellen Gastlandes spricht: Man hat vielleicht die gängigsten Begrüßungen und ein paar Floskeln in petto, aber ansonsten ist es ganz normal, dass man nicht alles um sich herum versteht.

Das mag viele Leute überraschen, aber dank dem Besuch internationaler Schulen und Freunden, die selbst „fremd" sind, ist das für Drittkulturkinder nichts Neues.

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4. Die Urlaubsplanung

Wenn man nur mit seiner engsten Familie weit weg von der restlichen Verwandtschaft aufwächst, dann werden Weihnachts- und Sommerferien typischerweise dazu verwendet, selbige zu besuchen. Mit Beginn des Studiums oder der Arbeit im Ausland wird es jedoch immer problematischer, solche Ferien zu planen: Wenn die Familie auf zwei oder drei Länder verteilt ist und die Freunde auf der ganzen Welt leben, ist es fast unmöglich zu entscheiden, wen man besuchen und was man unternehmen soll.

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5. Fernfreundschaften und -Beziehungen

Als Schüler an einer internationalen Schule gewöhnt man sich schnell an die oft viel zu regelmäßigen Abschiede wenn Leute weiterziehen. Auch der Beginn eines Studiums bringt oft einen Umzug weg von Kindheitsfreunden und der Familie mit sich, besonders wenn das Studium gleich in einem anderen Land stattfindet! Unter diesem Gesichtspunkt kann man wohl klar behaupten, dass Drittkulturkinder die Bedeutung von Freundschaft wirklich kennen - denn nur eine wahre Freundschaft kann die Ferne überleben, oder?

Selbst wenn man den besten Freund oder die beste Freundin seit Jahren nicht gesehen hat mindert das nicht die Freundschaft. Ähnliches gilt für die Familie, die höchstwahrscheinlich in einem anderen Land, tausende von Kilometern entfern wohnt und welche man nur ein, zwei Mal im Jahr sieht. Ein Hoch auf Skype und WhatsApp, kann man da nur sagen! Und obwohl man als Drittkulturkind bei all der Übung wohl ganz schnell Experte für Fernbeziehungen romantischer Natur wird, so vermeidet man das dann doch lieber.

6. Lächerliche Fragen zum Leben im Ausland

Wenn man im Ausland aufwächst, ist man sich oft nicht darüber bewusst, wie seltsam diese Vorstellung anderen Menschen erscheinen muss. Umso schneller gewöhnt man sich jedoch an die teils lächerlichen Kommentare und Fragen von Leuten, die sich selbst nie für längere Zeit in einem anderen Land aufgehalten haben.

Hier sind ein paar meiner persönlichen Lieblingsfragen: „Wenn du in Thailand aufgewachsen bist, seid ihr dann mit einem Elefanten zur Schule geritten?", „Spricht man in Thailand Taiwanesisch?", „Aus welchem Dorf in Südostasien kommst du genau?", „Dein Englisch ist aber sehr gut wenn man bedenkt, dass du in Thailand aufgewachsen bist!" - Natürlich ist es das, ich bin Britin.

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7. Die ständige Wanderlust

Hat man einmal im Ausland gelebt und die Vielzahl an unterschiedlichen Kulturen, Leuten, und Geschichten erlebt, so ist es so gut wie unmöglich nicht weiterreisen zu wollen. Leute, die damit zufrieden sind, immer am gleichen Ort zu bleiben, verstehen Drittkulturkinder deshalb gar nicht; aber wie kann man sich nur auf einen einzigen Ort beschränken, an dem man aufwächst, lebt, und den man nie verlässt?

Ob nun in Form einer Auszeit, eines freiwilligen sozialen Jahrs, vollends genutzten Semesterferien, Auslandssemestern oder -Praktika, jede Chance wird genutzt um mehr von der Welt zu sehen! Wir lieben das Abenteuer und frönen der Wanderlust!

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8. Pässe und Einreisebestimmungen

Mehrfache Staatsbürgerschaften und somit auch mehrere Pässe können sehr praktisch sein, besonders wenn es sich hier um Länder handelt, bei denen man sonst ein Visum bräuchte; die oft fürchterlich langen Schlangen bei den Kontrollen am Flughafen kann man sich so bei der Einreise sparen.

Problematisch wird es jedoch, wenn man sich nicht mehr daran erinnern kann, auf welchen Pass man jetzt seinen Flug gebucht hatte, wo die Pässe überhaupt sind, und welche potentiell neuen Einreisebestimmungen nun gelten, wenn man wieder in das Heimatland zurückkehrt.

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9. Erklärungsnot beim Lebensstil

Wird man nach seinem Lebensstil im Ausland gefragt, so hat sich das eine oder andere Drittkulturkind bestimmt schon gefragt, ob nun Ehrlichkeit oder wohl eine glaubhafte, aber verständlichere Lüge angebrachter wäre. Tagelanges Faulenzen am Pool, Restaurantbesuche mindestens jedes Wochenende, und häufige Reisen in andere Länder sind ja vielleicht nicht die erwartete Antwort.

Extreme Kulturunterschiede vor Ort, denen sich viele Leute, die es nicht selbst erlebt haben, nicht bewusst sind, machen es uns Drittkulturkindern nicht immer leicht bei der Wahrheit über das Leben im Ausland zu bleiben, ohne dabei als Snob herüberzukommen.

10. Verschiedene Währungen und Kosten

Während man im Ausland lebt, gewöhnt man sich auch an die lokale Währung; schließlich verwendet man dieses Geld täglich. Zurück in der Heimat (oder einem anderen Land) rechnet man oft Preise weiter um, um ein Gefühl für die Kosten zu bekommen.

Das bereitet nicht nur zusätzliche Mühen, sondern schockiert besonders diejenigen, die bisher in einem relativ kostengünstigen Land gelebt haben: Plötzlich wird dir klar wie teuer alles ist, dass du dir dein Mittagessen nicht mehr für 50 Cent kaufen kannst, und ein Kinobesuch wohl nur noch zweimal im Jahr drin ist.

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(Image credit: Photo 1 by Kenneth Lu/CC BY 2.0; Photo 2 by Bridget Coila/CC BY-SA 2.0; Photo 3 by HarshLight/CC BY 2.0; Photo 4 by Benjamin Vander Steen/CC BY 2.0; Photo 5 by Moyan Brenn/CC BY 2.0; Photo 6 by Sarah-Rose/CC BY-ND 2.0; Photo 7 by Philip Brewer/CC BY 2.0)

Video:Faust, Daumen, Zeigefinger: Diese Gesten können Ihnen im Ausland zum Verhängnis werden

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