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29/03/2016 07:01 CEST | Aktualisiert 30/03/2017 07:12 CEST

Angst ist ein schlechter Ratgeber, aber ein gutes Geschäft

Hannibal Hanschke / Reuters

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Entgegen der Volksweisheit, wonach Angst ein schlechter Ratgeber sei, wimmelt es auf der Homepage eines einschlägigen Verlags nur so von Ratgebern für und gegen alles Mögliche.

Neben dem Ratgeber, wie man mit Gold durch die Krise komme gibt es gleich weitere, hilfreiche Heftchen, auf das man die Krise auch gesund überstehe.

Einige Autoren kennt man aus der Berichterstattung über abendliche Montagsspaziergänge, mit denen besorgte Bürger ihrer Besorgnis Ausdruck verleihen und anlässlich derer besagte Autoren dann ihre Theorien verbreiten.

Bei Licht betrachtet kann man diese Theorien getrost mindestens als völlig abwegig, meist allerdings als komplett irre bezeichnen. Allerdings fallen sie, offenkundig häufig im Osten des Landes, auf fruchtbaren Boden.

Aus unterschiedlichen Gründen haben die Menschen Angst. Das ist zutiefst menschlich. Bei manchen Menschen paart sich die Angst mit Misstrauen gegenüber Politikern, Unternehmern, den Medien - kurz „dem System" in dem wir leben.

Diese Menschen saugen jede Form von Theorie, die in ihr Weltbild passt, auf und verinnerlichen sie.

Rund um diesen Personenkreis gibt es eine ganze Reihe von Anbietern, Buch- und Zeitschriftenverlage, Online-Nachrichtenportale, Parteien, die die Bedürfnisse zu befriedigen versuchen.

Die Befriedigung geschieht allerdings nicht in der Form, das Ängste abgebaut oder Zusammenhänge erklärt würden. Die Befriedigung erfolgt in der Form der Bestätigung, ohne Beschreibung einer nachhaltigen Lösung für das jeweilige Problem, das Angst bereitet.

Das wäre ja in der Tat auch geschäftsschädigend, denn nur, wenn das Problem fortbesteht, besteht auch Nachfrage nach „Informationen", Rat und politischer Meinung.

Die Anbieter kommen aus unterschiedlichen Richtungen und mit unterschiedlichen Absichten.

Einige, wie möglicherweise auch Russland, verfolgen politische Strategien, anderen geht es im wesentlichen darum, Geld zu verdienen. Sie treffen auf eine verunsicherte Gesellschaft, deren Informationsquellen sich im Vergleich zu früheren Zeiten, verschoben haben.

Die Digitalisierung und mit ihr die Möglichkeit, kostenlose Informationen zu generieren, hat hier einen Anteil. Viele Menschen sind nicht bereit, für Informationen zu bezahlen und gehen lieber im Netz auf die Suche.

Dort geraten sie schnell an vermeintlich seriöse Nachrichtenportale, die wiederum mit Werbung zum Beispiel für den oben angesprochenen Verlag ihr Geld verdienen.

Hinzu kommt, dass viele Menschen die Berichterstattung seriöser Medien nicht mehr als Bericht über das, was in ihrem Leben stattfindet, empfinden, unabhängig von der Frage, ob das so stimmt oder nicht.

Ob die Personenzahl insgesamt angestiegen ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich glaube aber, dass die Fronten sich immer stärker verhärten. Die Kompetenz, mit Medien richtig umzugehen, sich kritisch zu informieren, ist vielfach nur sehr schwach ausgeprägt. Das ist ein ernstes Problem.

Hier muss der Hebel angesetzt werden, was gar nicht früh genug geschehen kann. Schulreferate, die im Wesentlichen auf Wikipedia basieren, zeugen von der „Es-steht-im-Netz-dann-muss-es-stimmen"-Mentalität. Das stimmt insgesamt bedenklich.

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