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12/11/2015 03:48 CET | Aktualisiert 12/11/2016 06:12 CET

Das, was sie sich wünschen sind Geborgenheit und Schutz

Axel Fassio via Getty Images

In den letzten Tagen und Wochen haben sich mehrere deutsche Politiker zu Wort gemeldet und behauptet, dass Millionen von Menschen aus aller Welt nun sofort nach Deutschland drängen. Sogar Kinder hätten sich bei Gesprächen mit Bundesministern auf Auslandsreisen mit diesem Wunsch Gehör verschafft.

Aus der Sicht unserer Organisation, die seit fast hundert Jahren mit und für Kinder und deren Familien arbeitet, sind diese Momentaufnahmen irreführend. Nicht nur, weil sie die Debatte um angeblich volle und faktisch sinkende Boote weiter anheizen, sondern weil die Geschichten, die wir seit Jahrzehnten in allen Krisenherden dieser Welt sammeln, eine ganz andere Sprache sprechen.

Der Weg zur Schule ist lang und gefährlich

In diesem Sommer besuchte ich Kinder in Somalia. Mit Hilfe unserer lokalen Kollegen und Partner lernen sie mehr über ihre Rechte, auch damit ihre Stimme mehr Gehör findet. Ich saß in einem Gemeinderaum inmitten eines Slums.

Dort ist vor allem eine ethnische Minderheit zuhause. Die Gruppe Kinder berichtete, dass sie sich nichts mehr wünschen würden, als nicht mehr diskriminiert zu werden. Außerdem sei der Weg zur Schule lang und gefährlich, und dass ihre Eltern ihnen die Schuluniformen nicht finanzieren können.

Auch sprachen wir über die Flüchtlingskrise, den gefährlichen Fluchtweg über das Mittelmeer und über Deutschland. Ich hörte von entsetzlichen Geschichten ihrer Freunde und Bekannten, die in der Wüste Libyens starben, die von Schleppern entführt und für deren Freilassung Lösegeld erpresst wurde.

Große Bereitschaft, sich auf eine lebensgefährliche Reise zu begeben

All diese Geschichten von Kindern, die den Weg nach Europa gefunden haben, erreichen die somalischen Mädchen und Jungen direkt über das Handy oder die sozialen Medien. Große Bereitschaft, sich auf diese lebensgefährliche Reise zu begeben, habe ich nicht wahrgenommen, sondern den Willen, mitzuhelfen, die Situation vor Ort Schritt für Schritt zu verbessern.

Ähnliches gilt für die Flüchtlingslager rund um Syrien. Sei es in Jordanien, in der Türkei oder im Libanon, die syrischen Mädchen und Jungen wollen vor allem eins - dass der Krieg in Syrien gestoppt wird und sie wieder nach Hause können. Sie vermissen ihre Freunde, ihr Kinderzimmer und sehr oft ihre Schule.

Ähnliche Geschichten hören wir in Griechenland, in den Balkanstaaten oder in Deutschland. Selbst diejenigen, die jetzt im vermeintlichen Sehnsuchtsort Deutschland Schutz gefunden haben, wollen die Hoffnung auf ein Ende des syrischen Kriegs nicht aufgeben.

Ich wollte von Anfang an nicht aus Syrien weg. Sobald ich kann, gehe ich wieder zurück

Ein 11-jähriger syrischer Junge, den wir mit seiner Familie in einer Gemeinschaftsunterkunft in Deutschland getroffen haben, hat uns sehr deutlich gemacht, wo er seine Zukunft sieht: ,Ich wollte von Anfang an nicht aus Syrien weg. Sobald ich kann, gehe ich wieder zurück. Ich wollte schon immer Schreiner werden, so kann ich dabei helfen, mein Land wieder aufzubauen.'

Ob in Somalia, in Syrien oder in Deutschland: Kinder wünschen sich Schutz vor der Gewalt, endlich wieder einen sicheren Klassenraum, in dem sie lernen und spielen können, und Gesundheit für sich selbst, ihre Geschwister, ihre Familie.

Sie suchen Geborgenheit im Kreis ihrer Familie und ihrer Freunde. Diese Mädchen und Jungen brauchen unsere Hilfe, diese unveräußerlichen Rechte aus eigener Kraft in die Tat umzusetzen. Wir sollten in dieser Debatte auf die Kinder hören - durch sie erkennen wir, was wirklich zählt und richtig ist.

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