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17/04/2015 05:43 CEST | Aktualisiert 17/06/2015 07:12 CEST

Warum Umweltschutz doch wichtig ist: „Wenn wir die Ozeane retten, retten wir uns selbst!"

Die Gründe für das Artensterben im Meer sind vielzählig: Die Versauerung der Meere, die globale Erwärmung, die Verschmutzung der Gewässer. Auch die Symbiose von Algen und Korallen ist gestört, wodurch es zur Korallenbleiche und dem Sterben der Korallen kommt. Das bedroht zahlreiche Arten.

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Umweltschutz - Rund 80 Prozent aller Tierarten leben in den Ozeanen und etwa die Hälfte des Sauerstoffs in unserer Atmosphäre wird in den Meeren dieser Welt produziert. Doch die Ozeane und insbesondere die Korallenriffe sind gefährdet, schon in den nächsten 20 bis 50 Jahren könnte das Ökosystem der Welt zerstört sein. Wie schlimm es um unseren Planeten wirklich bestellt ist und was wir dagegen tun können.

Der Filmemacher Rob Stewart wurde mit seinem Film „Sharkwater" bekannt, in dem er für die Rettung der Haie warb und illegale Strukturen im Geschäft um die Finnen der Tiere aufdeckte. „Wie können wir die Haie retten," fragte ihn eine junge Premierenbesucherin in Hong Kong, „wenn es 2050 keine Fische mehr auf der Welt geben wird?" - „Gute Frage." entgegnete der Regisseur, eine Antwort blieb er aber schuldig. „Ich hatte die letzten sechs Jahre ganz umsonst für die Haie gekämpft," sagt Stewart im Nachhinein ernüchtert.

„Eigentlich geht es um viel mehr! Wenn wir die Ozeane retten, retten wir uns selbst". Die Frage seiner Zuschauerin war gleichzeitig der Startschuss für seinen neuen Film „(R)evolution", der die Gefährdung der Ozeane und unseres Ökosystems - und damit ganz nebenbei die Rettung der Welt - zum Thema hat.

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Wie es um unseren Planeten bestellt ist

Einer Schätzung der Vereinten Nationen zufolge könnten bereits im Jahr 2048 die weltweiten Fischbestände erschöpft sein. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD, ist in ihrem Umweltausblick ebenfalls wenig optimistisch: Bleibt es bei den bisherigen Maßnahmen zum Klimaschutz, kann die globale Erwärmung nicht aufgehalten werden, so die Einschätzung der Organisation. Es brauche weitere Beschlüsse der Politik, ansonsten drohen Umweltschäden, die nicht mehr zu beheben sind. Trinkwasser werde 2050 knapp, der Treibhaus-Ausstoß werde um die Hälfte zunehmen.

Zukunftsprognosen sind die eine Sache. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, was bereits zerstört wurde: Das Great Barrier Reef etwa hat allein innerhalb der letzten 25 Jahre rund 38 Prozent seiner Korallen eingebüßt. Sogar der Titel als Unesco-Weltkulturerbe steht wegen der starken Umweltverschmutzung nun auf dem Spiel. In der Karibik sind bereits 90 Prozent der Korallenbestände zerstört - in 20 Jahren wird es dort kaum mehr Riffe geben, warnen Forscher.

Die Gründe für das Artensterben im Meer sind vielzählig: Die Versauerung der Meere, die globale Erwärmung, die Verschmutzung der Gewässer. Auch die Symbiose von Algen und Korallen ist gestört, wodurch es zur Korallenbleiche und dem Sterben der Korallen kommt. Das bedroht zahlreiche Arten: Obwohl Korallenriffe nur ein Prozent des Meeresbodens bedecken, leben dort rund 25 Prozent aller Spezies.

Die Ergebnisse einer Untersuchung der Forscher um Matthew Clarkson der University of Edinburgh machen deutlich, dass damit auch für uns Menschen viel auf dem Spiel steht: Vor rund 250 Millionen Jahren gab es schon einmal ein Massensterben, durch das die meisten im Meer lebenden Spezies ausstarben. Auch an Land überlebte nur rund ein Drittel aller Arten. Der Grund könnte nach Ansicht der Forscher damals die Versauerung der Ozeane gewesen sein.

Umweltschutz und Politik: Globale Lösung finden

Umweltschutz ist ein globales Thema. Auch wenn die Verschmutzung der Ozeane auf der anderen Seite des Erdballs stattfindet, betrifft sie doch alle Staaten. Genau aus diesem Grund muss auch die Politik weltweit zu einer gemeinsamen Lösung kommen, an die sich die Länder verbindlich halten müssen. Denn was nützt es, wenn die eine Seite der Welt besonders umweltfreundlich handelt und die andere so weitermacht wie bisher? Egal ob Klimawandel oder die Vermüllung der Meere mit jährlich acht Tonnen Kunststoffabfällen: Ein einzelner Staat kann dagegen nichts ausrichten.

Das ist keine neue Idee. Das im Jahr 1997 in Kyoto verabschiedete Kyoto-Protokoll zielt genau darauf ab und gilt als Meilenstein der internationalen Klimapolitik. 191 Länder haben das Protokoll unterschrieben, darunter auch Staaten wie China und Südkorea. Die USA hingegen ratifizierte das Protokoll nie, Kanada ist im Jahr 2013 ausgetreten. Obwohl das Kyoto-Protokoll allein nicht ausreicht, ist es dennoch das bisher wichtigste Umweltschutzabkommen über Staatsgrenzen hinaus.

Ähnliche Abkommen müsste es auch in anderen Bereichen geben. Denn statt das Great Barrier Rief zu retten, entschied die Regierung Australiens kürzlich, den weltgrößten Kohlehafen unweit des Riffs noch zu vergrößern. Drei Millionen Tonnen Schlamm dürfen damit jährlich in das Riff gekippt werden und belasten es dadurch zusätzlich. Das ist eine globale Entscheidung, getroffen von einer einzelnen Regierung.

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So können die Korallenriffe geschützt werden

Schon kleine Einschränkungen des Fischfangs können einen großen Nutzen für Korallenriffe bieten. Das stellten die Forscher um Aaron MacNeil des Australian Institute of Marine Science in Queensland fest. Denn in dem Ökosystem des Korallenriffs ist das Gleichgewicht aus Pflanzenfressern und Raubfischen wichtig. Den Forschern zufolge half es den Korallen sich zu regenerieren, wenn die Fangmengen begrenzt oder einzelne Fischarten unter Schutz gestellt wurden.

Die Ausweitung von Meeresschutzgebieten könnte eine Lösung sein. Organisationen wie etwa Avaaz haben hierzu bereits Petitionen gestartet. Und es gibt auch gute Nachrichten: Einige Korallenriffe erholten sich schneller als gedacht.

Die Versauerung der Meere und die globale Erwärmung können nur eingedämmt werden, wenn die Produktion von Kohlenstoffdioxid merklich zurückgefahren wird. Die Kosten hierfür sind überschaubar: Um erneuerbare Energien, saubere Technologien und nachhaltige Landwirtschaft einzuführen, wären dem Lester Brown of the Earth Policy Institut zufolge etwa 200 Milliarden US-Dollar (188 Milliarden Euro) nötig. Das entspricht in etwa einem Drittel des Militäretats der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 2013.

Die Bundesregierung hingegen schätzt, dass bis 2050 Investitionen von bis zu 550 Milliarden Euro allein für die Energiewende erforderlich sind. Welche dieser Zahlen näher an die Realität reicht, steht nicht fest. Doch im Vergleich zum Nutzen oder anderweitigen Ausgaben sind die Kosten gering.

Allein im Jahr 2010 zahlte Deutschland 52 Milliarden Euro umweltschädlicher Subventionen, die Schäden an Boden, Luft oder Gewässern verursachten. Würde man diese Subventionen in umweltfreundliche Projekte stecken, käme das der Umwelt doppelt zugute.

„Ein Warnsignal für die ganze Gesellschaft"

Der Schutz der Umwelt ist kein besonders attraktives Thema. Viele Menschen haben mit eigenen Problemen zu kämpfen und ohnehin das Gefühl, keinen eigenen Beitrag für die Zukunft der Umwelt leisten zu können. Auch viele junge Menschen gelten als „Umweltpassive". Das sind die Ergebnisse einer Untersuchung des Umweltministeriums, die Ende März veröffentlicht wurden.

„Wenn insbesondere junge Menschen sich von den großen Herausforderungen unserer Zeit abwenden und nicht mehr daran glauben, gesellschaftliche Probleme überwinden zu können, dann ist dies ein Warnsignal für die ganze Gesellschaft," schreibt die Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks im Vorwort des Berichts.

Beschäftigt man sich mit den Missständen auf dieser Welt, scheint der Berg an Problemen oft einfach zu groß. Kriege, Zerstörung, Katastrophen, Hunger, Umweltzerstörung − wo soll man da anfangen? Auch sehr motivierte Menschen werden manchmal durch eine einfache Tatsache ausgebremst: Die unmittelbaren Konsequenzen vieler Handlungen sind nicht gleich erkennbar. Wenn wir also den nächsten Plastikbecher achtlos am Strand zurücklassen, wo er dann vom Meer davongetragen wird, bemerken wir keine direkten Konsequenzen. Und im Gegenzug setzt ebenso kein spontaner Beifall ein, wenn wir Müll einsammeln.

Der Kompass unseres Handelns muss deshalb in uns selbst liegen. Die denkbar schlechteste Lösung ist, den Kopf einfach in den Sand zu stecken. Denn genau dann geht alles so weiter wie bisher und wir können den Generationen nach uns nicht erklären, warum wir heute nichts getan haben.

Durch alltägliche Entscheidungen lässt sich schon etwas erreichen: Stoff- statt Plastiktüten im Supermarkt, der Kauf nachhaltiger Lebensmittel, Mülltrennung, Wasser- und Energiesparen sind dafür nur einige Beispiel. Auch die Unterzeichnung bestimmter Petitionen kann etwas bewegen. Doch das ist nicht genug.

Denn unser Wirtschaftssystem ist auf unbegrenztes Wachstum ausgelegt, während unsere Ressourcen endlich sind. Heute müssen sieben Milliarden Menschen mit den Ressourcen auskommen, noch in den 70er Jahren lebten 3,5 Milliarden Menschen auf unserer Erde. Die Politik ist gefragt - und die Gesellschaft kann versuchen, die Politiker zum Handeln zu bewegen. Genau deshalb hat Rob Stewart auch seinen Film gedreht. Er ist überzeugt: „Wer weiß was passiert, wird das Richtige tun."


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