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03/04/2015 08:46 CEST | Aktualisiert 03/06/2015 07:12 CEST

Eisbach statt Ozean: Surfen im Herzen von München

Riversurfen ist für viele die Königsdisziplin des Wellenreitens. Die stehende Welle im Münchner Eisbach ist die wohl bekannteste im deutschsprachigen Raum. Welche berühmten Surfer schon ihr Glück auf dem Eisbach versuchten und was man als Anfänger beachten sollte.

Oktoberfest, Hofbräuhaus und Eisbach-Surfer können mittlerweile in einem Atemzug genannt werden. Die Eisbachsurfer sind eine Münchner Touristenattraktion und international bekannt. Selbst der Weltrekordhalter für die höchste Welle, die jemals gesurft wurde - Garrett McNamara - versuchte am Eisbach schon sein Glück - scheiterte aber grandios.

Maximal ein paar Sekunden konnte er sich auf dem Brett halten. Auch der elffache Weltmeister im Profisurfen Kelly Slater war vor einigen Jahren vor Ort, wurde aber - so erzählt man sich - von den damaligen „Bewachern" der Welle nicht ins Wasser gelassen.

Damals galt noch die Devise: Nur Locals. Heute ist das anders. Aus den verschiedensten Ländern der Welt reisen Surfverrückte an, um sich an der stehenden Welle im Eisbach zu versuchen, die als eine der schwierigsten Flusswellen weltweit gilt.

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Der Surfspot liegt im Englischen Garten direkt neben dem Haus der Kunst, der Eisbach selbst wird von der Isar gespeist. Direkt vor der Eisbachbrücke nahe dem Bayerischen Nationalmuseum entsteht die „stehende Welle", die Surfer schon seit über 30 Jahren zum Wellenreiten nutzen. Seit 2010 ist das endlich auch legal, denn durch ein Tauschgeschäft des Freistaates Bayern mit der Landeshauptstadt München ging der Englische Garten und damit auch der Surfspot in den Besitz Münchens über.

Das war nötig, weil der Freistaat Bedenken bezüglich der Haftung bei Surfunfällen hatte und deshalb das Surfen verbot. Die Stadt München wollte den Surfspot aber erhalten. Die „Surfen verboten" Schilder wichen 2010 nun endlich jenen mit der Aufschrift „Surfen für Geübte erlaubt". Durch die Bade- und Bootsverordnung der Stadt München liegt die Haftung nun bei den Surfern selbst.

Als Anfänger auf den Eisbach? Das solltest Du beachten

Auch der Nürnberger Peter Michl ist dem Riversurfen verfallen. Von der Flosslände in München über die Isarstaustufe in Plattling hat er sich bis zum Eisbach hochgesurft und diesen vor einigen Jahren bezwungen. Michl surft seit 14 Jahren im Meer und seit etwa sechs Jahren regelmäßig im Fluss.

„Als ich zum ersten Mal auf dem Eisbach war, habe ich so ziemlich alle klassischen Anfängerfehler gemacht, die man machen kann. Mein Brett war viel zu lang und ich bin im Sommer am Wochenende hin, da ist immer am meisten los und die „Locals" sind dann recht schnell genervt, wenn die Anfänger den Betrieb aufhalten," erklärt Peter Michl. Was man aber auf jeden Fall beachten sollte, sind die Regeln am Eisbach.

Als Anfänger sollte man mindestens ein Jahr Riversurf-Erfahrung mitbringen und im Idealfall im Herbst oder Winter beginnen, denn da ist weniger los. Auch die Wochenenden sollte man als Beginner meiden. Voraussetzungen für gutes Gelingen am Eisbach ist auch das richtige Material.

„Manchmal tauchen Jungs mit Minimalibus oder sogar Longboards auf, das kann einfach nur schiefgehen," so der Surfer aus Nürnberg. Bretter mit maximal sechs Fuß Länge seien ideal - am besten von Marken, die sich mit Riversurfing-Shapes auskennen - dazu gehöre beispielsweise die Münchner Marke Buster oder auch Fatum. „Wer Respekt, das richtige Material und die notwendige Vorerfahrung am Bach mitbringt, wird von den Locals auch respektvoll behandelt," glaubt Michl.

Als Neuling auf dem Eisbach sollte man sich aber bewusst sein, dass der Fluss ein besonderes Gefahrenpotenzial bietet, weil die Welle unter anderem dadurch entsteht, dass das Wasser durch zwei Steinpfosten am Untergrund gebremst wird.

„Wer das Gleichgewicht verliert und vor die Welle fällt, knallt schon mal mit voller Wucht unter Wasser gegen diese Pfosten. Wer Glück hat, kommt mit einem blauen Fleck davon, wer Pech hat bricht sich eine Rippe," so Michl. Auch von den Finnen des eigenen Bretts gehe ein gewisses Gefahrenpotenzial aus.

„Man sollte also wissen, wie man am besten fällt und daher am besten erstmal viele Stunden mit Zuschauen verbringen, bevor man es selbst versucht," ist der Tipp des erfahrenen Riversurfers.

Auf einer Flusswelle mitten in der Stadt zu surfen ist großartig, findet Peter Michl. „Es wäre aber schön, wenn es auch in anderen Städten mehr Flusswellen gäbe. Die Chancen stehen gut, dass Nürnberg als nächste Stadt in Bayern seine Welle bekommt." Einen berühmten Unterstützter hat das Projekt „Nürnberger Dauerwelle" auch schon: Sebastian Steudtner, der Bigwavesurfer aus Nürnberg.


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