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15/03/2016 08:29 CET | Aktualisiert 16/03/2017 06:12 CET

Was Bienen wollen!

tenra via Getty Images

Wenn in den nächsten Tagen die ersten Sonnenstrahlen zum Spaziergang ins Grüne einladen, ist die Versuchung groß, ein paar Zweige oder Blüten vom Wegesrand, Schneeglöckchen und Palmkätzchen mit nach Hause zu nehmen. Bitte nicht! Das ist eine dringend benötigte erste Nahrungsquelle der Bienen nach dem Winter und für deren Überleben enorm wichtig.

Bienen brauchen vom Februar bis in den Herbst hinein Nahrung. Besonders zu Beginn und zum Ende der Saison sind sie auf Pflanzen angewiesen, die besonders früh oder besonders spät blühen. Neben Palmkätzchen und Schneeglöckchen sind Schneeheide, Krokus und der Haselnuss Strauch wichtige Lieferanten für den ersten Nektar der Saison.

Im Herbst ist der Efeu eine der letzten verfügbaren Nahrungsquellen, um dem Bienenvolk für die Wintermonate Kraft zu spenden. Daher sollte man ihn unbedingt erst nach der Blüte schneiden.

Mittlerweile hat es sich herumgesprochen, dass die fleißigen Insekten bedroht sind. Ihr Bestand hat sich weltweit dramatisch verringert und ohne sie würde unser Ökosystem tiefgreifende Veränderungen erfahren. Erstaunlich, warum trotzdem erschreckend wenig gegen die Ausrottung einer Spezies unternommen wird, die so unendlich wertvoll und wichtig für den Fortbestand unserer Kultur, unseres Lebens auf der Erde ist.

Die Menschheit braucht die Bienen

Ein Drittel der Lebensmittel, Gemüse, Früchte, Nüsse, Gewürze und Pflanzenöle, ist von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Von den 100 Nahrungspflanzen, die für 90 Prozent der globalen Nahrungsmittelproduktion sorgen, werden 71 von Bienen bestäubt. Einige Wissenschaftler setzen diesen Prozentsatz sogar noch höher an.

Eine der Hauptursachen für das Schwinden vieler Bienenvölker in den Wintermonaten ist die Varroa-Milbe. Sie gelangte Ende der siebziger Jahre zusammen mit importierten Bienen nach Europa.

Die 1,7 Millimeter kleine Milbe ernährt sich von deren Blut und über die Bisswunden, die sie dabei den Bienen zufügt, können zusätzlich krank machende Viren in die Insekten eindringen. Der "Bienenkiller Varroa" ist inzwischen weltweit ein Problem und die UNO sieht durch ihn sogar die Nahrungsgrundlage der Menschheit in Gefahr.

Es ist also wichtiger denn je, dafür zu sorgen, dass unsere heimischen Bienen über eine starke Abwehr- und Widerstandskraft verfügen und denkbar beste Bedingungen für ihren Lebenszyklus erhalten.

"Unkrautvernichter" schwächen die Bienen

"Unkrautvernichter" (Neonicotinoide), vergiften langfristig nicht nur Bienenvölker. Das wahllose Vorgehen gegen alle "Unkräuter" nimmt ihnen auch wichtige Nahrungsquellen.

Besonders heimtückisch sind neuartige Samen, die bereits mit dem Unkrautvernichter ummantelt sind, denn bereits beim Aufkeimen nehmen Pflanzen auf diese Weise giftige Chemikalien auf.

Sie finden sich dann in der gesamten Pflanze, auch im Nektar. Die Bienen haben keine Chance, dem Gift zu entgehen.

Glyphosat ist das weltweit am meisten eingesetzte Pflanzengift. Selbst Kleingärtnern wird es als Wundermittel für klinisch saubere Rosenbeete und unkrautfreie Gartenwege angepriesen. Die Werbung suggeriert, dass "Roundup" völlig unproblematisch wäre.

Das bewerten viele Imker und Wissenschaftler grundlegend anders. "Der flächendeckende, vorbeugende Einsatz von Neonicotinoiden schadet Honigbienen und wildlebenden Insekten", so lautet das eindeutige Ergebnis einer europaweiten Metastudie.

Neonicotinoide wirken auf Bienen wie eine Droge

Bienen meiden mit Neonicotinoiden behandelte Pflanzen nicht, sondern suchen sogar gezielt beim Sammeln von Nektar nach diesen. Denn Neonicotinoide steuern im Nervensystem von Bienen die gleichen Mechanismen an, wie Nikotin im Gehirn von Menschen.

Englische Forscher, die diesen Zusammenhang aufdeckten, kamen zu der Schlussfolgerung, "die drastische Einschränkung der Neonicotinoid-Verwendung sei womöglich der einzige Weg, den Rückgang der Bestäuber-Populationen aufzuhalten. Risiken und Nutzen dieser Insektizide müssten genau abgewogen und Alternativen sorgfältig geprüft werden" ...

Pestizide, allen voran Neonicotinoide, schaden nicht nur Bienen, sondern auch andere Tiere wie Schmetterlinge, Vögel, Fische und Regenwürmer. Umweltschützer kritisieren, dass auf bestimmten Insektizid-Verpackungen nach wie vor der Aufdruck "nicht bienengefährlich" zu finden ist.

Wie fragwürdig diese Etikettierung zu bewerten ist, zeigt das in diesem Zusammenhang vom Düsseldorfer Landgericht gefällte Urteil, das dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) weiter gestattet, zu behaupten:

"Zwei von Bayer hergestellte Produkte mit dem Neonicotinoid-Wirkstoff Thiacloprid seien schädlich für Bienen." Bayer verzichtete bisher darauf, gegen dieses Urteil Berufung einzulegen. Nach wie vor sind diese Mittel jedoch in jedem Baumarkt für jedermann erhältlich.

Naturbelassene Artenvielfalt, blühende Pflanzen und Wildwiesen tun den Bienen gut

Neben der einfachen Maßnahme, die jetzt in der Natur blühenden Pflanzen einfach stehen zu lassen, ist der Verzicht auf Insektizide mit diesen Inhaltsstoffen ein wichtiger Schritt, um den Bienen das Überleben zu erleichtern. Auch beim Kauf von Pflanzen in der Gärtnerei oder Baumschule ist es sinnvoll zu fragen, ob diese mit "Pflanzenschutzmitteln" behandelt wurden.

Bienen benötigen Vielfalt und regionale Pflanzen, Wildwiesen und so viele naturbelassene Stellen im Garten, wie irgend möglich. Gerade Wildbienen (von denen es über 700 Arten bei uns gibt!) haben sich im Laufe von vielen Generationen auf einige, wenige Pflanzen spezialisiert.

Je mehr Pflanzenarten im Garten zur Auswahl stehen, um so besser. Exotische Pflanzen bieten meist wenig Nahrung, ergiebiger sind heimische Sommerblumen. Auch ohne Garten ist dies leicht machbar. Sommerblumen in Kästen oder Kübel gepflanzt, schaffen auf diese Weise selbst mitten in der Stadt kleine Oasen für die fleißigen Sammler.

Je heißer der Sommer, umso schwerer haben es Bienen, Hummeln und andere Insekten geeignete Wasserstellen zu finden. Ideal ist ein schattiger, windgeschützter Platz im Garten oder auf dem Balkon. Einfach ein flaches Gefäß mit Wasser füllen und Äste, Steine oder Moos als sicheren Landeplatz arrangieren.

Bio kaufen hilft auch den Bienen

Es gibt viele gute Gründe, Bio-Lebensmittel einzukaufen. Einer davon ist Unterstützung für die Bienen. Wenn wir gezielt Landwirtschaft bevorzugen, die auf chemische "Pflanzenschutzmittel" verzichtet, leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Pestizidbelastung.

Wer Honig konsumieren möchte, sollte unbedingt regionale Imker wählen und sich darüber informieren lassen, wie der Honig gewonnen wird. Nicht jedes Glas muss ein Bio-Siegel haben, um Bio-Qualität zu besitzen. Diese Siegel sind teuer und für Kleinst-Imker selten rentabel. Viel wichtiger sind die Haltungs- und Herstellungsmethoden des Imkers, die man im persönlichen Gespräch am besten erfährt.

Da viele wichtige Maßnahmen zum Schutz der Bienenvölker nur auf Gesetzesebene möglich sind, ist es wichtiger denn je, Petitionen zu diesem Thema zu unterstützen. Die für März in der EU geplante Entscheidung über die Neuzulassung von Glyphosat wurde vertagt!

Mehrere Mitgliedstaaten versagten ihre Zustimmung, weil Petitionen und Proteste aus der Bevölkerung nicht mehr zu ignorieren waren. Es liegt also in unserer Hand, wie bei der nächsten Entscheidung abgestimmt wird.

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