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06/08/2015 11:09 CEST | Aktualisiert 06/08/2016 07:12 CEST

Wir müssen nur Geduld haben, irgendwann werden Höflichkeit und Anstand wieder cool ...

thinkstock

"In Norddeutschland musste der Streichelzoo 'Erlebniswald Trappenkamp' schließen, weil Kinder mehrfach mit Steinen nach Ziegen geworfen, sie getreten und mit Stöcken geschlagen haben. Der Zoo-Betreiber sieht die Schuld bei den Eltern."

Immer wenn ich Schlagzeilen wie diese lese, kommt mir der Ausspruch von Bradley Miller in den Sinn :

Ein Kind zu lehren, nicht auf eine Raupe zu treten, ist ebenso wichtig für das Kind wie für die Raupe
.

...und als nächstes der Gedanke ....Was zum Teufel sind das für Eltern, die daneben stehen und zusehen, wie ihr Kind in einem "Streichelzoo" die wehrlosen Tiere tritt, mit Steinen bewirft oder schlägt?

Die Berichte über solche Vorfälle sind dann meist ergänzt mit den Empfehlungen von Psychologen, dass man mehr auf seine Kinder eingehen sollte, sie auch einmal ermahnen und Grenzen setzen. Richtig, aber Eltern die so dumm und/oder grausam sind, dass sie derartiges Verhalten ihrer Kinder tolerieren ohne einzuschreiten, bräuchten selbst dringend Erziehung.

Gestern Abend machte ich auf einem Autobahn Rastplatz hinter München Pause. Die Anlage war so zugemüllt, dass von der Grünanlage nur noch vereinzelte Grashalme durch Berge von Pappbechern, Mc Donalds Tüten und Zigarettenkippen ragten. Die dazugehörigen Toiletten waren kostenpflichtig und mit der praktischen Selbstreinigungs- Vorrichtung.

Aber auch diese konnte nicht verhindern, dass vor und neben der Toilettenschüssel Papierberge lagen, Abfall, und alles klebte. Eine gruselige Mischung aus Essensresten und

"ich-möchte-gar-nicht-wissen-was-das-ist".

Die Menschen, die dort ein- und ausgehen und für den Schmutz verantwortlich sind, sehen auf den ersten Blick alle durchaus zivilisiert aus.

Aber unter dieser hauchdünnen Fassade der Zivilisation tun sich Abgründe auf. Warum benehmen sich ganz normale Menschen in der Öffentlichkeit so, als ob sie bei "Deutschland sucht den Super Proleten" den ersten Preis abstauben möchten?

Wissen sie es nicht besser? Hat ihnen nie jemand ein, zwei Grundregeln des menschlichen Miteinanders beigebracht, zum Beispiel, dass man seinen Abfall in den Müll entsorgt und nicht in die Wiese?

Es ist noch gar nicht so lange her, da gaben Lehrer, Pfarrer, Polizisten, also Schule, Kirche und Polizei ziemlich genau vor, was darf-soll-kann und was nicht.

Nicht alle, aber viele dieser Regeln waren durchaus sinnvoll. Wenn man gegen sie verstoßen hat, gab es unangenehme Konsequenzen. Die Regeln waren klar, allgemein gültig und über manche politisch-korrekte Auslegung von heute hätte man sich tot gelacht oder an die Stirne getippt.

Lehrer und Erzieher durften den Eltern noch sagen, wenn ihr Kind aufsässig oder faul war, ohne befürchten zu müssen, dass diese postwendend "Diskriminierung" rufen und sich bei der Schulleitung beschweren oder am besten gleich an die Öffentlichkeit gehen.

Heute gibt es nämlich keine lernfaulen oder aggressiven Kinder mehr, nur noch hochbegabte oder zu wenig beachtete Genies, die mit spezieller Förderung alle Nobelpreisträger werden könnten, würden sich Erzieher und Lehrer nicht so unsensibel anstellen.

Kein Kind muss sich heute mehr bücken, den Abfall und den Schmutz dieser kleinen Genies in spe räumen heute in der Schule und in öffentlichen Einrichtungen andere weg, schlecht bezahlte Putzkolonnen, gerne auch Leiharbeiter, die für einen armseligen Stundenlohn hinter den unerzogenen Kids herräumen. Die (unvermeidlichen?) Gebäudeschäden werden vom Staat übernommen, die Schule in den Sommerferien renoviert...und das Spiel kann von vorn beginnen.

Vor ein paar Jahren predigten Pfarrer im Religionsunterricht nicht nur, dass man schwächere oder ältere Mitmenschen rücksichtsvoll behandeln sollte und weder Mensch noch Tier quälen, sie forderten die Einhaltung dieser Regeln auch rigoros ein. Zu meiner Schulzeit taten das manche sogar mit einer Ohrfeige, wenn der Klassenraudi wieder einmal Schwächere auf dem Pausenhof gemobbt hatte.

Es wurde allerdings auch äußerst selten gemobbt. Für dieses Hobby fehlten damals noch die großen Vorbilder wie Dieter Bohlen, Dschungelcamp und co, die auch dem unbegabtesten Mobber via TV anschaulich vermitteln, wie man jemanden öffentlich so richtig schön fertig machen kann, wenn er bereits am Boden liegt.

Kein vernünftiger Mensch möchte die Prügelstrafe zurück,

aber wenn man weiß, wie viele Kinder Angst und Panik haben, morgens in eine Schule zu müssen, wo sie schutzlos den Angriffen und Erpressungen mancher Mitschüler ausgesetzt sind, denkt man etwas wehmütig an die ausgestorbene Garde Lehrer, die am Schulhof allein durch die Autorität ihrer Anwesenheit und deutliche Worte im Handumdrehen für Ordnung sorgten und auf diese Weise mehr Toleranz und Rücksicht untereinander bewirkten als manches psychologisch geschulte Kuschelpädagogik Team plus Sonderförderung.

Wer mutwillig Wände beschmierte, fremdes Eigentum zerstörte oder entwendete, gar ein anderes Kind verletzte, der wurde bestraft und dessen Eltern zur Rechenschaft gezogen. Man tat diese Dinge einfach nicht.

Keine künstlerische Freiheit, keine noch so unterdrückte Aggression, kein Integrationsproblem, kein schwieriger familiärer Hintergrund gab einem Kind dieses Recht. Gewalt, Vandalismus und...man höre und staune, auch Beleidigungen und Schimpfwörter gegen andere waren tabu.

Wenn alle Disziplinarmaßnahmen nichts nutzten, gab es als letzte Instanz die Polizei, den " Freund und Helfer". Eine Autorität, die noch nicht so überlastet war wie heute und die kam, wenn man sie rief. Polizeibeamte waren noch nicht die Prügelknaben der Nation, die sich selbst nicht verteidigen dürfen aber sich auf jeder Demo von jedem Idioten mit Steinen bewerfen lassen müssen. Allein im letzten Jahr gab es bundesweit 62 800 Fälle, in denen Straftaten gegen Polizisten verübt wurden. Unsere Beschützer sind zunehmend schutzlos.

Bitte nicht missverstehen, ich wünsche nicht die "guten alten Zeiten" zurück, die bei genauerer Betrachtung so gut dann auch nicht waren. Nein,das ganz gewiss nicht ...aaaber:

Ich wünschte, man hätte zu den neuen Freiheiten ein paar Werte mit ins 21. Jahrhundert retten können, quasi eine Arche Noah des guten Benehmens, denn manche sind mit der neuen Freiheit schlicht und ergreifend überfordert.

Wie kann man etwas an seine Kinder weitergeben, was man selbst nie gelernt hat ?

Die wichtigste Instanz in Sachen Erziehung ist und bleibt die Familie. Nicht in irgendwelchen Institutionen, sondern hier muss oder, besser gesagt, müssten Toleranz, Achtsamkeit, Respekt, Manieren und Rücksicht erlernt und vorgelebt werden. Disziplin und Fleiß ebenfalls, aber ich bin mir gar nicht sicher, ob diese Begriffe noch politisch-korrekt verwendet werden dürfen, zumindest werden sie nur noch selten erwähnt...

Nur dumm, dass heute in vielen Familien genau diese Tugenden gänzlich unbekannt sind oder als Luxus aus vergangenen Zeiten angesehen werden. Die unzähligen Hassparolen auf Facebook, der rücksichtslose Umgang im Straßenverkehr, oder die Eingangs erwähnte Duldung von Grausamkeiten gegenüber Tieren sind das Resultat fehlender oder fehlgeleiteter Erziehung. Eltern können nicht vermitteln, was sie selbst nie gelernt haben. Tendenz zunehmend.

So abstoßend ich den Vorfall in dem Streichelzoo finde, er ist leider nur die Spitze des Eisberges.

Von der Misshandlung von Tieren bis zur Gewaltanwendung Menschen gegenüber ist es meist nur ein winziger Schritt. Viele Studien an Straftätern belegen diesen Zusammenhang. Jugendliche Tierquäler werden selten nette, soziale Erwachsene sondern sehr oft gewaltbereite, asoziale Mitmenschen, die keine Gesellschaft wirklich gerne möchte.

Darum meine Bitte, liebe Eltern :

.....liebt Eure Kinder, verwöhnt sie nach Kräften und gewährt ihnen alle nur denkbaren Freiheiten.

Aber bringt ihnen verdammt nochmal auch bei, wie man sich benimmt und dass man keine Tiere quält... oder lernt es erst einmal selbst !


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