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02/05/2015 07:01 CEST | Aktualisiert 02/05/2016 07:12 CEST

Allein unter Spinnen... Überlebenstipps einer Arachnophobikerin

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Ich liebe Tiere. Alle Tiere. Auch mit den weniger beliebten Gattungen wie Ratten, Schlangen, ja selbst Hornissen gehe ich ohne Berührungsängste jederzeit auf Tuchfühlung, wenn es die Umstände erfordern.

Da wäre nur eine winzig kleine Ausnahme: Alles was mehr als sechs Beine hat, sollte tunlichst mit einem Meter Sicherheitsabstand an mir vorbei krabbeln, sonst werde ich hysterisch.

Während Arachnophobie, die Angst vor Spinnen, vor ein paar hunderttausend Jahren ein echter Überlebensvorteil war - immerhin waren die Spinnen damals so groß wie eine mittlere Familienpizza und hochgiftig - ist diese irrationale Furcht heute eher lästig, denn die Krabbler sind so ziemlich überall.

Spinnenforscher behaupten, dass in jedem Haushalt durchschnittlich 300 Spinnen leben. Ich halte das für die Untertreibung des Jahrhunderts. Die letzte Volkszählung im Haus ist zwar bereits eine Weile her aber ich könnte schwören, allein hinter der Kellertüre wohnt die doppelte Anzahl.

Im Laufe der Zeit haben sich meine Überlebensstrategien in Sachen Spinnenangst jedoch verfeinert. Während ich früher bei Auslandsaufenthalten in Südamerika oder Afrika pragmatisch auf Alkohol setzte, (für mich :-) ) wenn die fingerbreiten Türritzen der Lodges oder raschelnde Strohdächer und das Wissen um die Giftigkeit der dort beheimateten Arten mich um den Schlaf brachten oder, zurück zuhause, feige mit einem Buchwurf meuchelte, greife ich heute beherzt zur „Glasmethode":

Ich nehme allen Mut zusammen, sage mir, dass diese Spinne Familie hat, Freunde, Verwandte und Lebenspläne, genau wie ich... nur ein paar Beine mehr. Dann stülpe ich ein Glas über sie und schiebe vorsichtig ein Stück Papier darunter, achte dabei darauf, dass alle acht Beine unverletzt bleiben.

Anschliessend setze ich sie im Garten frei, mindestens 30 m weit weg, denn Spinnen haben einen hervorragenden Orientierungssinn und kommen sonst postwendend zurück. Ist die Aktion geglückt, stelle ich das kontaminierte Glas mit einem Gruseln in die Geschirrspülmaschine und erst dann schreie ich :-) .

Dabei sind die unliebsamen Mitbewohner absolut harmlos. Das größte Problem bei einem Spinnenbiss wäre eine allergische Reaktion, wie bei Bienen- oder Wespenstichen. Einzig die unliebsame Bekanntschaft mit einem „Dornfinger", einer kleinen Spinne, verbreitet in Südwestdeutschland, kann zu Übelkeit führen.

Übrigens ist selbst der Biss einer handtellergroßen Vogelspinne zwar schmerzhaft aber nicht lebensbedrohlich und die Wahrscheinlichkeit, das dies passiert, sehr gering. Spinnen meiden den Menschen und beißen nur, wenn sie sich bedroht fühlen.

Solche seltenen „Bissunfälle", zum Beispiel mit der Südlichen Schwarzen Witwe (Latrodectus mactans), passieren nicht bei uns im heimischen Wohnzimmer sondern auf anderen Kontinenten. Eine meiner Lieblings-Gruselgeschichten ist die von den Toilettenhäuschen in den USA, bei denen diese Spinnen ihr Netz unter den Toilettensitz anbringen, um dort auf die vom Fäkaliengeruch angelockten Insekten zu lauern. Setzt sich jemand unachtsam auf die Klobrille, fühlen die Spinnen sich angegriffen und das kann unangenehme Folgen haben.^^

Die Exemplare, mit denen wir in Deutschland zu tun haben, sind jedoch nicht nur absolut harmlos, sondern auch überaus wichtig für unser Ökosystem. Neben Singvögeln sind sie die größten Schädlingsbekämpfer. Auf einem Hektar Wiese krabbeln mehr als eine Million Achtbeiner, die jährlich die gigantische Menge von zehn Zentnern Insekten verspeisen. Jemand hat einmal ausgerechnet, würden alle Spinnen von jetzt auf gleich von der Erde verschwinden, fräßen die Insekten innerhalb von sechs Monaten alle Pflanzen der Erde auf.

Spinnenseide ist hundertmal belastbarer als ein Stahlfaden in gleicher Stärke. Der Faden kann um das Vierzigfache gedehnt werden, ohne zu reißen. Wissenschaftler würden einiges dafür geben, wenn sie ein Material herstellen könnten, das diese Eigenschaften aufweist.

Deshalb fände ich es nicht nur schade sondern dumm, den nützlichen Tierchen wegen meiner unsinnigen Angst den Garaus zu machen. Und im übrigen sind die gängigen Methoden mit Haarlack, Besen oder Staubsauger einfach nur barbarisch.

Stattdessen verwende ich, besonders im Schlafzimmer, Lavendel. Diesen Duft meiden sie. Wer größer ist als ein Zwei Euro Stück (meine persönliche Schmerzgrenze :-) ), wird mit dem Glastrick zwangsumgesiedelt, die restlichen Exemplare genießen unbehelligt Hausrecht und halten dafür im Sommer die lästigen Fliegen und Stechmücken in Schach.

Wir werden wohl nie dicke Freunde werden, die Spinnen und ich . Aber wir haben uns über die Jahre arrangiert. "Freundliche Distanz auf Gegenseitigkeit" trifft es wohl am besten .^^

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