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03/09/2015 04:59 CEST | Aktualisiert 03/09/2016 07:12 CEST

Fünf gute Gründe, warum unsere Innenstädte nicht aussterben

ullstein bild via Getty Images

Quer durch alle Medien lesen wir heute vom Aussterben des Einzelhandels, von leergefegten Innenstädten, die wie Geisterstädte anmuten. Und die Schuldigen haben wir auch gleich parat: „Smartphone- und Internet-Junkies", die nicht mehr in die Läden gehen, weil sie wirklich alles online erledigen. Wirklich alles?

Natürlich nicht! Das Internet lässt den Einzelhandel nicht verschwinden. Hier kommen fünf gute Gründe, warum unsere Innenstädte auch zukünftig nicht aussterben werden.

1. Das Erfolgskonzept „Tante Emma" - reloaded!

So mancher kennt sie noch: Die sprichwörtliche Tante Emma vom Laden an der Ecke. In jeder Stadt gab es sie, die ältere, herzliche Dame hinter ihrem kleinen Tresen in dem Geschäft, in dem man einfach alles bekommt.

Ihr Erfolgsrezept: Tante Emma ist immer freundlich, kennt jeden Kunden beim Namen, weiß, wer was möchte und gibt noch echte Geheimtipps. Tante Emma vermittelt jedem Kunden das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu sein, weil sie jeden individuell anspricht und auf die Kundenwünsche eingeht.

Tante Emma 2.0

Und heute? Heute suchen wir nach der Tante Emma 2.0 - weil sich zwar die Zeiten ändern, aber Einkaufen da eben noch eine echte Begegnung ist. Wir vertrauen ihr, denn sie verkauft uns genau das, was wir brauchen und macht uns Angebote, die perfekt zu uns passen - weil sie uns kennt. Es menschelt - und das wird immer ein schönes Gefühl bleiben.

Wir brauchen diese Tante Emma also auch heute, in einer neuen digitaleren Form, aber mit demselben guten Gefühl. Der Laden ändert sich, aus dem kleinen schwarzen Notizbuch ist eine Datenbank geworden und die Tante Emma heißt jetzt vielleicht Onkel Bob, aber der Service bleibt der gleiche. Bitte mehr digitale Tante Emmas! Und bitte in der Stadt.

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Unterschrift: Kein Grund, umzuziehen: Der Laden in der Stadt überholt die Website.

Quelle: PAYBACK

2. Ein echtes Erlebnis schlägt jedes Fact Sheet

Während ich Technik gerne mal online bestelle, sieht es bei Kleidung oder gar Essen ganz anders aus. Den Anzug will ich anprobieren, frisches Obst auch mal in der Hand haben und einen Kaffee auch mal vorab probieren. Der rein digitale Kunde ist ein Mythos, gern erzählt, trotzdem falsch. Die Fakten sprechen eine andere Sprache: Noch immer gehen 80% der Einkäufe über den echten Ladentisch!

Wir wollen Produkte auch nicht nur auf flachen Screens sehen, wir wollen Produkte, die uns wichtig sind, erleben. Als Kunden wollen wir keine Einsen und Nullen kaufen, wir wollen Dinge mit eigenen Augen in Originalgröße sehen. Und direkt mit unseren Sinnen erleben: Wie fühlt sich das in der Hand an? Vor dem Spiegel prüfen wir: Steht mir diese Form, diese Farbe? Und: Wie passt das Kleidungsstück? Wie fühle ich mich darin?

Das Gesamterlebnis ist wichtig - also wieso dabei auf die digitalen Zusätze verzichten? Hier kommt das Smartphone ins Spiel: Es verbindet alle Welten und natürlich kann ich mir Zusatzinfos googeln, QR Codes scannen oder vielleicht sogar Infos direkt aus dem Laden bekommen, weil mein Handy weiß wo ich bin. Damit wird der Laden in der Einkaufsstraße mindestens ebenso digital wie eine Website, Einkaufen wird zum echten Erlebnis mit allen verfügbaren Vorteilen.

3. Alles eine Frage der Zeit?

Wer online shoppt, spart Zeit. Klingt sofort einleuchtend. Nehmen wir den Fahrtweg bis zum Laden und vielleicht noch die Suche nach einem Parkplatz - tatsächlich spart man sich diese Zeit. Aber nur, wenn man ganz genau weiß, was man will. Wer einmal selbst im Internet recherchiert, Preise verglichen oder Tests studiert hat, hat diesen Zeitvorteil oft schon vor dem Kauf längst eingebüßt.

In der Innenstadt dagegen sammeln wir in viel kürzerer Zeit echte Eindrücke und können direkt und schnell vergleichen, anprobieren und ausprobieren. Wir treffen vor Ort oft bessere Entscheidungen. Aussuchen, zahlen, gehen - passt! I

n den wenigsten Fällen müssen wir etwas zurückbringen. Und wir sparen noch mehr Zeit, wenn wir im Laden kaufen: Keine Lieferzeiten, keine beschädigte Ware, kein Warten auf oder Abholen von der Post, weil niemand zu Hause war und keine komplizierte Rücksendung. Wir haben also de facto Zeit gespart, ohne es zu merken!

4. ROPO oder: Das Beste aus allen Welten nutzen

Das Internet ist nicht etwa der natürliche Feind des Einzelhandels, sondern hat auch viele Vorteile, die dem Einzelhandel ebenfalls zugutekommen. Die Digitalisierung kann sogar dabei helfen, den Einkauf im Laden zu beschleunigen. Ich informiere mich zum Beispiel gern im Netz und kaufe dann schneller und einfacher im Laden. Das nennt sich ROPO-Methode: „Research Online, Purchase Offline." ROPO-Käufer, die sich im Netz informieren und offline kaufen, verbinden dabei optimal die Vorteile beider Kanäle.

Auch Funktionen wie Click & Collect oder Click & Return sind Hybridformen, die den Laden in der Innenstadt und die digitalen Angebote heute zusammenbringen. Ganz ehrlich - geht's noch besser? Ich bestelle das Hemd im Web und hole es bei der Filiale auf dem Weg zur Arbeit ab. Das schlägt jeden Versandhandel. Und wieder steckt der Schlüssel zum Erfolg in meiner Hosentasche: Mit dem Smartphone und ein, zwei passenden Apps kann ich alle Welten optimal kombinieren und aus dem Einkauf das Maximale herausholen.

5. Belohnung heißt die Devise

Oft sehen wir in Schaufenstern oder auch beim Vergleich auf Webseiten schließlich auch Produkte, die wir uns einfach einmal gönnen wollen. Mit einem besonderen Kauf belohnen wir uns, für Erfolge und auch für erbrachte Mühen. Wir treffen unsere Entscheidungen ja nicht streng rational, nicht immer nach Aufwand und Nutzen. Wir sind keine anonyme und gleichförmige Kundenmasse, sondern Menschen, die sich ab und an etwas gönnen möchten.

Und wenn ich mich belohnen möchte, dann möchte ich das natürlich gleich tun. Sofort. Ohne Lieferzeiten. Und dazu gibt es nichts Besseres als die Innenstadt. Ich sehe etwas, ich leiste es mir und ein paar Sekunden später halte ich es in der Hand. Ein tolles Gefühl und so gar nicht vergleichbar mit einem Klick auf eine virtuelle Schaltfläche.

Zusammengefasst: Wer in der Stadt im richtigen Laden kauft, wird heute 1. dank digitaler Unterstützung individuell betreut, kann 2. die Produkte begutachten, spart 3. Zeit und sichert sich 4. trotzdem die Vorteile aller Welten von ROPO bis zum digitalen Preisschild. Und 5. - das Beste: Er hat den Effekt der Belohnung beim Kauf sofort, ohne Umwege. Der Laden in der Innenstadt kann also durchaus der bessere Web-Shop sein und behält seine Berechtigung.

Was muss der Einzelhandel tun?

Natürlich geht das alles nicht ohne gewisse Anstrengungen - die Händler in der Stadt müssen sich schon bewegen. Wenn der Einzelhandel eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen weiß, den Service an seine Kunden anpasst, sich digital weiterentwickelt und lernt, Kanäle wie das Internet aktiv für sich zu nutzen, wird er weiter bestehen und besser sein als je zuvor.

Also liebe Entscheider im Einzelhandel: Macht weiter damit, digitale Neuerungen zu akzeptieren und Technologien auszuprobieren. Das muss nicht immer ein umfassendes und teures Ladenkonzept sein, das sind vielleicht auch kleine Erlebnisinseln, die sich bewähren oder eben nicht. Was Erfolg hat, baut ihr schrittweise aus, was eure Kunden nicht annehmen wird ersetzt durch eine andere Idee. Wer sich so immer weiter anpasst, wird überleben. So funktioniert Evolution.

Zum Mitnehmen? Ja bitte!

Bernhard Brugger wird als Table Captain bei Bits & Pretzels mit dabei sein!

Um das Startup-Ökosystem zu stärken haben die Bits & Pretzels Veranstalter das Table Captain-Prinzip ins Leben gerufen. An jedem Tisch im Schottenhamel Festzelt wird ein Gast mit besonderer Expertise (CEO, CTO, Investor, Professor, Chief-Editor, etc.), ein sogenannter Table Captain, sitzen. So haben alle Teilnehmer die Möglichkeit in einer angenehmen Networking-Atmosphäre in Konversation mit Experten zu treten und ihr Wissen auf ein anderes Level zu bringen.

Insgesamt werden 300 Table Captains bei Bits & Pretzels mit dabei sein!

  • LeserInnen der Huffington Post bekommen mit dem Zugangscode (BP_HuffingtonPost) auf Bits & Pretzels Tickets einen extra Discount von 10%.
  • Das Gründerfestival „Bits & Pretzels", eines der größten Gründerevents in Europa (www.bitsandpretzels.com), findet vom 27. bis 29. September statt. Über 3.600 Gründer, Investoren und Innovatoren aus aller Welt - vor allem auch aus den Tech-Hochburgen Silicon Valley, London, Tel Aviv, Berlin und natürlich aus München werden erwartet. Als Highlight werden am dritten Tag (29. September) alle 3600 Teilnehmer das Networking im Schottenhamel Festzelt auf dem Oktoberfest ausklingen lassen. Das ist eine Weltpremiere in der 205-jährigen Historie des Oktoberfests.
  • Speaker bei Bits & Pretzels: Unter anderem mit dabei sind die Größen der erfolgreichen digitalen Unternehmen wie Phil Libin (CEO Evernote), Mikkel Svane (Co-Founder & CEO Zendesk), Florian Leibert (Co- Founder & CEO Mesosphere), Pieter van der Does (Co-Founder & CEO Adyen), Florian Gschwandtner (Co-Founder & CEO Runtastic) und Niklas Oestberg (Delivery Hero). Weitere Speaker auf http://www.bitsandpretzels.com/speaker/.

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