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16/01/2016 06:40 CET | Aktualisiert 16/01/2017 06:12 CET

Satirischer Rückblick: Unwort, Fußnotenkampf, Kauflaune

Die abgelaufene Woche war voller journalistischer Spannung.

In Deutschland geht die Angst um, man könnte den Falschen das Öl auf die Mühlen gießen und die Willkommenskultur könnte am Ende sein, nur weil alle erfahren mussten, was in Köln einige Wenige erlebt haben. Tausend Männer waren auf der Domplatte am Hauptbahnhof, da sind natürlich immer einige Schafe darunter.

Wenn die Politik den Populisten nachgibt, würde das allerdings die Willkommenskultur retten, man könnte wieder offene Grenzen und Aufnahme aller fordern.

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Der Bundestag hat beschlossen, die Lobbyisten bekommen keine Hausausweise mehr. Das betrifft besonders die Interessenvertreter der Wirtschaft. Andere Lobbygruppen stellen auch mal den parlamentarischen Geschäftsführer.

Das Buch des ehemaligen Schriftstellers und späteren Führers, „Mein Kampf", ist mit Fußnoten neu erschienen und auch schon ausverkauft. Das ist nicht verwunderlich, die Fortsetzung „Er ist wieder da" lief ja auch äußerst erfolgreich, jetzt wollen viele das Prequel lesen.

Jedem Buch liegt ein Blatt bei, auf dem steht: Bitte beachten Sie unbedingt die Fußnoten!

Dass es bei der Bewertung des Inhalts auf die Fußnoten ankommt, diese Erfahrung musste auch schon Minister zu Guttenberg machen.

Unwort des Jahres ist „Gutmensch", jedenfalls, wenn man den Experten glauben darf, die es deklariert haben. Die Bezeichnung Gutmensch klingt ja erst einmal gar nicht abwertend, deshalb konnte sich das Expertengremium einfach nicht erklären, wieso sie negativ besetzt ist, und erklärte sie deshalb zum Unwort.

Der Geschäftsklimaindex steigt, die Kauflaune ist hoch. Das liegt daran, dass das Benzin so billig ist, dass man wieder Ausflüge in weit entlegene Einkaufszentren macht.

Es hat auch mit der Verängstigung der Bevölkerung zu tun; Gegenstände lassen sich schwerer klauen als Portemonnaies.

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Die EU hat ein Verfahren gegen Polen zur Überprüfung der Rechtsstaatlichkeit eingeleitet. Das ist für die EU eine schöne Gelegenheit, sich mit Rechtsstaatlichkeit zu befassen.

Wenn Polen den Prozess verliert, muss es die Prozesskosten tragen, und wenn es das nicht kann, muss es die Kosten abarbeiten durch die solidarische Aufnahme von Flüchtlingen.

Schäuble hat einen Haushaltsüberschuss von 12 Milliarden Euro zu verzeichnen. Wenn er nicht weiß, was er damit machen soll, kann er ja die Kanzlerin fragen.

Laut einem verfassungsrechtlichen Gutachten könnte Seehofer Merkel verklagen. Er wird dafür wohl kaum einen Anwalt finden. Ein Verfahren dauert lang, das Gericht drängt immer auf eine gütliche Einigung, die so aussehen könnte, dass Merkel ihm die Klage zwar nicht verzeiht, aber beide so weitermachen, als hätte die Sache nie stattgefunden.

Sahra Wagenknecht hat Ärger mit ihrer Linksfraktion gekriegt wegen ihrer Äußerung, wer das Gastrecht missbrauche, verwirke das Gastrecht. Dabei haben die, um die es geht, das Gastrecht gar nicht missbraucht, sondern nur in Anspruch genommen. Sahra Wagenknecht geht als Grundlagentheoretikerin davon aus, dass zum Kommunismus der Islam jedenfalls nicht gehört. Auf grüner und linker Seite fürchtet man, wenn sich die Migranten zu sehr anpassen, sind sie bald keine kulturelle Bereicherung mehr.

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