BLOG
04/05/2015 09:59 CEST | Aktualisiert 04/05/2016 07:12 CEST

Hilfe, mein Chef ist voll der Loser!

Thinkstock

Ihr Chef hat keine Ahnung, versteht Sie nicht und halst Ihnen nur Aufgaben auf, die Sie hassen? Statt Ihnen den Rücken frei zu halten, schleimt er sich bei seinem eigenen Boss ein und Sie fragen sich, auf wessen Seite steht der überhaupt? Sie glauben, Ihr Chef ist voll der Loser? Dann kennen Sie das hier alles bestimmt sehr gut:

Der hat doch keine Ahnung!

„Woher soll ich das wissen? Er ist doch der Chef! Wenn der wüsste, was wir hier unten alles machen. Der stellt sich das immer alles so leicht vor, dabei weiß er nicht einmal, wie man den Computer startet, weil das seine Sekretärin macht. Von da oben sieht das alles immer so einfach aus. Der sollte mal selbst mit den Kunden sprechen und sich anhören, was die uns so alles an den Kopf werfen. Und ständig diese Neuerungen, mit denen wir hier zurecht kommen müssen. Aber uns fragt ja niemand! Die da oben glauben, sie wissen alles besser, dabei haben sie doch keine Ahnung, wie das hier läuft!"

Glauben Sie auch, dass Ihr Chef eine Niete ist und fragen Sie sich, wie er es auf den Chefsessel geschafft hat? Eigentlich müsste er doch mindestens alles das wissen, was Sie auch wissen, und noch viel mehr. Wie sollte er auch sonst beurteilen, ob Sie Ihre Arbeit richtig machen. Und je länger er schon da oben sitzt, desto mehr erschleicht Sie das sichere Gefühl, dass er ganz weit weg ist von der Realität. Hand aufs Herz - wie oft denken Sie bei Ihrem Chef „Der hat doch keine Ahnung!"?

Der bringt´s nicht!

„Der lässt sich die ganze Arbeit von oben aufbrummen und wir Kleinen hier unten müssen das ausbaden. Als ob wir nicht genug zu tun haben! Ein Chef muss auch mal Nein sagen können, schließlich machen wir ja schon die ganze Arbeit für die anderen Abteilungen mit. Und wenn ich mal was von ihm will, mehr Gehalt oder vier Wochen Urlaub am Stück, dann muss er dafür erst seinen Boss fragen und lässt sich von dem einwickeln. So ein Schwachmat! Der bringt´s einfach nicht!"

Kennen Sie, oder? Sie werden jeden Tag mit neuen Aufgaben zugeschüttet, dabei bekommen Sie Ihre eigentliche Arbeit schon nicht geschafft. Mal eben die Sonderauswertung nebenbei, direkt danach das 3-Stunden Kick-off für das nächste Projekt, während im Postfach 150 ungelesene Mails auf Sie warten. Und die neue Kollegin muss auch noch eingearbeitet werden.

Sie haben langsam das Gefühl, Ihr Chef denkt nur an seine eigene Karriere und da ist es ganz egal, wieviele Überstunden Sie für ihn schieben. Sie sollen sich nicht so anstellen, schließlich mache er viel mehr Stunden als Sie, sagt er immer und verspricht Ihnen das Blaue vom Himmel für Ihre Karriere.

Ihnen den Rücken freihalten, das sollte er lieber, damit Sie endlich eine Sache richtig fertig machen können. Und überhaupt, Ihnen nur noch solche Aufgaben geben, die Ihnen auch Spaß machen. Ja, nicht immer den Chef raushängen lassen, als ob er was Besseres ist, sich aber nach oben einschleimen. „Zu wem hält der eigentlich?"

Der versteht mich einfach nicht!

„Ich hab´s ja schon so oft versucht, aber irgendwie will er mich auch nicht verstehen. Sieht er denn gar nicht, dass das so nicht weiter geht? Wie blind muss man denn sein, um zu begreifen, dass wir hier alle am Ende sind? Er lebt da oben in seiner Chef-Welt, sitzt im fetten Ledersessel im klimatisierten Büro und bekommt den Kaffee auf dem Tablett serviert, wir haben nicht mal eine Kaffeemaschine! Kriegt er überhaupt noch mit, was hier alles abläuft? Die cholerische Kollegin aus dem Nachbarbüro, die mich täglich vor allen zur Sau macht.

Sein geschätzter Abteilungsleiter-Kollege, der seine Arbeit an ihm vorbei bei uns im Team ablädt. Seine Sekretärin, die ständig bei mir anruft, weil sie zu blöd ist, seine Notizen zu verstehen. Sieht er das denn alles überhaupt nicht?"

Verständnis - ja, das wünschten Sie sich endlich von Ihrem Chef. Wenigstens das, von Wertschätzung oder Anerkennung ganz zu schweigen. Sie sind ja keine Maschine und haben Ihre eigenen Sorgen und Probleme und es gibt Tage, da können Sie einfach nicht so arbeiten, wie es von Ihnen verlangt wird. Das muss doch gerade er als Chef sehen! Und wenn Sie mal etwas sagen, dann kommt er mit irgendwelchen Ausreden. Sie haben das Gefühl "Der will mich einfach nicht verstehen!"

Der kann mich mal!

„So ein Loser! Soll er doch sehen, wo er bleibt! Ich mache jetzt Dienst nach Vorschrift. Dann wird er wohl irgendwann merken, dass er so mit mir nicht umspringen kann. Wenn er es sonst nicht blickt, dann kann ich ihm auch nicht mehr helfen! Soll er doch alleine gucken, wie er das alles hier gebacken bekommt!"

Innerliche Kündigung, so nennt man diese Einstellung. Und glauben wir den jährlich neuen Studien, dann würden Sie mit dieser Haltung jetzt zu der Mehrzahl der deutschen Arbeitnehmer gehören, die sie längst für sich eingenommen hat. Dienst nach Vorschrift, eine konsequente Nine-to-five-ist-mir-egal-Haltung. Alles das in der Hoffnung, dass der Chef endlich aufwacht und Sie armes Würstchen aus dieser Misere rettet. Und wenn nicht, machen Sie einfach so lange weiter, bis er es endlich merkt - was auch sonst?!

Dies ist vielleicht als Mitarbeiter Ihre Sicht auf die Dinge. Zumindest sind es alles Gedanken, die gefrusteten Mitarbeitern durch den Kopf gehen. Betrachten Sie Ihre Situation doch einmal aus einer anderen Perspektive, denn auch Chefs sind Menschen wie du und ich und sie sind vor allem keine Hellseher:

Auch Chefs sind Menschen.

Diese Feststellung überrascht Sie wahrscheinlich nicht. Doch viele Angestellte sind der Meinung, ihre Führungskraft müsse immer perfekt funktionieren und sich unter Kontrolle haben. Emotionen haben beim Chef - und erst recht bei einer Chefin - nichts zu suchen. Dabei haben auch sie manchmal private Sorgen und Probleme im Job, bekommen Druck von oben und sind sich vielleicht auch unsicher, wie sie mit ihren Mitarbeitern richtig umgehen, weil sie bestimmte Verhaltensweisen nicht richtig einschätzen können.

Chefs sitzen in der Sandwich-Position oft zwischen den Stühlen, weil sie den hohen Erwartungen des Managements gerecht werden müssen, aber auch Verantwortung für ihre Mitarbeiter tragen. Und sie haben gute und schlechte Tage - wie jeder von uns.

So lapidar diese Erkenntnis ist, viele Angestellte, die sich im Coaching bei mir über ihre Chefs beschweren, vergessen genau dies. Es geht hier nicht um Mitleid für Ihren Chef, denn er oder sie ist - wie wir alle - für sich selbst verantwortlich. Vielmehr sind Chefs keine Übermenschen, sie haben ihre Schwächen und Stärken und wurden nicht als Führungskraft geboren. Gerade junge Führungskräfte, die sich fachlich bewiesen haben und Führungsverantwortung übertragen bekommen, müssen in die neue Rolle hineinwachsen. Und dies gelingt nur in einem Team, in dem sich sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte als Menschen wertschätzen.

Chefs sind keine Hellseher.

„Der muss das doch sehen!" höre ich von sehr vielen Angestellten. Viele Mitarbeiter glauben, dass ihr Chef Hellseher ist und die Glaskugel auf dem Schreibtisch steht.

Jetzt frage ich Sie: Was ist Ihnen besonders wichtig im Beruf? Die Anerkennung, immer neue Herausforderungen oder die Identifikation mit den Aufgaben und der höhere Sinn? Oder lieben Sie die Sicherheit und die Routine bei Ihrer Arbeit? Oder tüfteln Sie gerne Neues aus und entwickeln Dinge? Wissen Sie eigentlich, was Ihnen im Job wichtig ist und weiß Ihr Chef das auch? Ist Ihrem Chef bewusst, was Ihre Ziele im Beruf sind? Weiß er, was Ihnen Freude macht, Sie motiviert und was Sie persönlich brauchen, um im Job glücklich zu sein? Die meisten Chefs wissen es nicht, woher auch?!

Ich arbeite viel mit Mitarbeitern in Unternehmen und ihren Führungskräften. Für beide Seiten ist es wichtig, genau hierüber Bescheid zu wissen. Wie tickt mein Chef? Was ist den Mitarbeitern besonders wichtig? Welche Aufgaben sind bei wem am besten aufgehoben? Wenn dieses Wissen fehlt, wie kann Führung dann funktionieren? Gar nicht! Denn dann ist es, als ob ein Blinder eine Mannschaft Blinder führt und sie sich alle gegenseitig im Weg stehen.

Jeder ist Chef - seines Lebens.

Jeder ist selbst verantwortlich dafür, dass es ihm gut geht. Wenn Sie als Mitarbeiter im Unternehmen oder an Ihrem Chef etwas stört, dann können Sie entscheiden, ob Sie etwas daran verändern möchten. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie Ihre Grundhaltung verändern und zum Beispiel innerlich kündigen oder ob Sie das Gespräch mit dem Chef bzw. mit seinem Vorgesetzten oder Ihren Kollegen suchen und an einem neuen Weg arbeiten. Vielleicht entscheiden Sie sich auch, Ihren Job zu kündigen und einen passenderen Arbeitgeber zu suchen.

Solange Sie jedoch in der Rolle des armen Opfers Ihres Chefs verharren und darauf warten, dass er oder sie sich endlich ändet, damit es Ihnen wieder besser geht, dann können Sie wahrscheinich lange warten.

Führung ist keine Einbahnstraße! Schärfen Sie als Chefs und Mitarbeiter Ihr Bewusstsein füreinander und sprechen Sie miteinander. Finden Sie heraus, was Sie persönlich antreibt, motiviert und was Sie benötigen, um ein gutes Team zu werden und die gemeinsamen Aufgaben zielgerichtet und vor allem gesund zu erreichen.

Mehr über meine Perspektive auf Karriere und Führung lesen Sie auf meinem Blog Perspektivwechsel.


Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Video: McDonald's-Mitarbeiter gießen sich heißes Fett über Arme - und ihre Chefs zeigen eine unglaubliche Reaktion

Hier geht es zurück zur Startseite