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28/03/2015 06:51 CET | Aktualisiert 28/05/2015 07:12 CEST

Warum Spätaufsteher die brillianteren Menschen sind

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Schlafgewohnheiten - Sollten Sie ein Spätaufsteher sein, stehen die Chancen gut, dass Ihnen frühaufstehende Freunde und Kollegen mit ihrer moralischen Überlegenheit oft ein Gefühl der Minderwertigkeit vermitteln.

Anders als Frühaufsteher (Menschen, die aufgrund ihrer Gene eine Tendenz zum früh ins Bett gehen und früh aufstehen haben) haben Spätaufsteher, auch Nachteulen genannt, den natürlichen Drang spät ins Bett zu gehen und spät aufzustehen. Und das ist auch in Ordnung so. Denn auch wenn Frühaufsteher auf die Produktivität der Morgenstunden schwören, ist die produktivste Zeit für Nachteulen später am Tag.

Ein unverdientes Stigma

Bei Spätaufstehern beginnt die Absonderung von Melantonin sehr spät. Dadurch fällt es ihnen leichter, nachts wach zu bleiben und produktiv zu sein. Steven W. Lockley und Russell schreiben dazu in Sleep: A Very Short Introduction:

Nachtmenschen müssen früher in ihren Tag starten und sind morgens deshalb müder und unproduktiver. Dafür fällt aber ihre Leistungsfähigkeit abends nicht sehr ab wie bei Morgenmenschen.

Das unverdiente Stigma „faul", das Abendmenschen oft zugeschrieben wird, kommt daher, dass die Frühaufsteher dieser Welt dich nie in deiner leistungsstärksten Phase erleben - denn zu dieser Zeit sind sie ironischerweise meistens fast schon eingeschlafen.

In seinem Buch Internal Time: Chronotypes, Social Jet Lags And Why You're So Tired schreibt Till Roenneberg dazu:

Dem Postboten würde gar nicht in den Sinn kommen, dass der junge Mann bis in die frühen Morgenstunden am arbeiten war, beispielsweise weil er eine Nachtschicht hatte. Für ihn sind gesunde junge Menschen, die den Tag verschlafen, faule Langschläfer.

„Der menschliche Körper braucht etwa sieben bis acht Stunden Schlaf, um tagsüber ein optimales Level an Alarmbereitschaft aufrechterhalten zu können", sagt Christopher Drake, leitender Forscher des Henry Ford Sleep Disorders and Research Center in Detroit. Forscher haben zwar herausgefunden, dass es eine kleine Minderheit gibt, die tatsächlich auch mit weniger Schlaf optimal funktioniert, die Chancen sind allerdings gering, dass Sie einer von ihnen sind (genauso wenig wie Ihre Freunde und Kollegen).

„Viele dieser berühmten Menschen, wie zum Beispiel Thomas Edison, haben mittags ein Nickerchen gemacht, oder waren tagsüber müde", sagt Christopher Drake weiter. „Stellen Sie sich vor, wie viel brillianter und produktiver diese Menschen gewesen wären, wenn sie mehr Schlaf abbekommen hätten."

Schlaf > Koffein

Dr. Charles Czeisler, Direktor für Schlafmedizin an der Harvard Medical School, sagte dem „Waal Street Journal" im Jahr 2008, dass Koffein in keiner Weise unseren Schlafbedarf reduziere: „Es ist wie wenn man Aspirin gegen Fieber nimmt. Dabei bekämpft man nicht die Ursache des Problems."

Kurzzeitig kann Koffein exzellent den Schlafmangel überspielen, indem es die für das Müdigkeitsgefühl (Stichwort: Nachmittagsschläfrigkeit) zuständigen Rezeptoren blockiert. Für Ihre Gesundheit ist es jedoch besser zu schlafen, wenn Sie müde sind (wenn sie in der glücklichen Position sind, sich diesen Luxus erlauben zu können), anstatt sich dazu zu zwingen, früh aufzustehen und dann mit Kaffee, Tee oder Energydrinks vollzupumpen um wach zu bleiben.

Die Realität siegt

Natürlich hilft Nachteulen all das in der Realität nur sehr wenig weiter wenn man einen Job hat, zu dem man morgens erscheinen muss, oder Kindern hat, die gefüttert und in die Schule gebracht werden wollen.

Idealerweise würden Spätaufsteher in einer Welt leben, in der sie morgens ein paar Stunden länger schlafen könnten. Sollten Sie aber um den Tagesablauf eines Frühaufstehers nicht herum kommen, gibt es einige Dinge, die Sie tun können, um Ihre Lebensqualität zu steigern:

Planen Sie Ihren Tag voraus: Egal ob es persönliche oder berufliche Aufgaben - oder beides sind. Das planen Ihres Tagesablaufs in der Nacht zuvor ist eine gute Möglichkeit, Ihre abendliche Energie sinnvoll einzusetzen. Außerdem kommen Sie dadurch am nächsten Morgen schneller in Gang.

Finden Sie heraus, wann Sie am leistungsfähigsten sind: Vermutlich wird das nachmittags sein, vielleicht aber auch abends, oder sogar spät nachts. Haben Sie herausgefunden, wann diese Zeit ist, können Sie dieses Wissen strategisch sinnvoll einsetzen.

Schaffen Sie sich während Ihrer leistungsfähigen Phase Freiräume. Frühaufsteher behaupten gerne, dass eines der vielen Vorteile des Frühaufstehens sei, dass morgens nur wenige andere im Büro sind und sie ungestört arbeiten können. Dasselbe trifft auch auf Menschen zu, die erst gegen Mitternacht ihre leistungsfähigste Phase haben. Sollte ihre Phase allerdings nachmittags sein, müssen Sie sich Freiräume schaffen, um diese Zeit bestmöglich für sich nutzen zu können.

Spätaufsteher sollten sich nicht dazu genötigt fühlen, ein Frühaufsteher „zu werden". Das eine ist nicht besser als das andere. Das wichtigste ist im Grunde, dass Sie wissen, was Ihnen gut tut. Wenn Sie für sich feststellen, zu welcher Zeit Sie am leistungsfähigsten sind, dann wird sich alles weitere ergeben.

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Benjamin Spall ist ein professioneller Werbetexter, er schreibt über Schlaf und gesunde Tagesabläufe, und kuratiert inspirierende Morgenroutinen auf mymorningroutine.com.

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Hufington Post USA und wurde von Teresa Högele aus dem Englischen übersetzt.