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11/04/2016 09:16 CEST | Aktualisiert 12/04/2017 07:12 CEST

Statt „Mut zur Wahrheit" wurde geschwafelt und herumpolemisiert

dpa

Eine historische Chance wurde vertan, eine seriöse und wählbare Alternative zu bilden, die in der bisherigen Parteienlandschaft die deutliche, aber nicht klar definierte Unzufriedenheit im Land kanalisiert und die CDU der Angela Merkel ergänzt hätte.

Damals ging es ja vornehmlich um die zu starre Währungsunion und die ungesunde Europapolitik, die langsam aber sicher den Solidaritätsgedanken der Europäer erodieren ließ.

Diesem AFD-Anfang wohnte ein Zauber inne, aber wir, die wir begeistert bei der Sache waren, haben die Durchtriebenheit und Falschheit so mancher Protagonisten unterschätzt, die über Monate unauffällig im Untergrund die AfD ausgehöhlt und für ihre dumpfen und eigennützigen Zwecke missbraucht hatten. Ihr Netzwerk funktionierte bundesweit.

Ich war die Erste, die das Problem öffentlich machte. Ich wurde deswegen von allen Seiten angefeindet. Ich hatte mir das lange überlegt, kam aber zu dem Schluss, dass mir die Entwicklung zu gefährlich wurde - es liegt meines Erachtens im Rahmen des Wahrscheinlichen, dass auf solchem Boden ein demagogisch begabter Hardliner heranwächst, mittelfristig die Zügel in die Hand nimmt und Unheil anrichtet.

Die Illusion, etwas bewegen zu können

Und: Mir wurde bewusst, dass ich zu wenig Unterstützung hatte, um die Sache zuverlässig in den Griff zu bekommen. So unbequem mein Weg auch war - ich konnte mich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen und stillschweigend abtauchen.

Ich konnte nicht für Menschen - auch noch in verantwortlicher Position als stellvertretende Landesvorsitzende! - Wahlkampf machen, die die Weltanschauung von Kindern besitzen, die aus der Fremdel-Phase nicht herausgekommen sind. „Die gefährlichste Weltanschauung haben solche Menschen, die die Welt nicht angeschaut haben" (Alexander von Humboldt).

Als wertkonservative Wirtschaftsliberale und leidenschaftliche deutsche Europäerin, kam ich zur AfD mit der Illusion, im Bereich Wirtschaft in Europa - mit Deutschland als Wirtschaftsmotor -, in meinem Kompetenzbereich etwas bewegen zu können.

Ich hätte gern Konzepte zur Ansiedlung von jungen Unternehmen in RLP weiterentwickelt und mich für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in den EU-Südländern eingesetzt. Zu Letzterem werden stets nette Pressemitteilungen verfasst und Gelder bereitgestellt, aber es geschieht nichts - und eine halbe Generation von jungen Leuten bleibt ohne Job!

Das Abrücken von der „Partei der Vernunft"

Seit circa August 2014 sah ich dann die Veränderung der AfD in eine Richtung, die mit meinen Werten und Vorhaben nicht mehr vereinbar war. Mich stieß das zunehmende Abrücken von der „Partei der Vernunft" ins Populistische und Emotionale immer mehr ab.

Ich wollte mich weder zum Steigbügelhalter eines aufstrebenden deutschen Front National machen, und damit irgendwelchen Populisten helfen sich zu profilieren, noch wollte ich gering qualifizierten Karrieristen, mit höchst mediokren Lebensläufen, mit meiner monatelangen ehrenamtlichen Knochenarbeit den Weg in den Landtag ebnen.

Dazu kamen dann noch die „Islamhasser", Fremdenfeinde, die unkritischen PEGIDA-Befürworter, Querulanten und Verschwörungstheoretiker.

Sensible Themen wie die Zuwanderungs- und Asylproblematik zum Beispiel fanden überproportional Berücksichtigung und wurden zunehmend undifferenziert, populistisch und geradezu auf Stammtischniveau breitgetreten und zwar ohne jede Sachkenntnis!

Wirtschaftskompetenz wandert in neue ALFA-Partei ab

Es fehlte bundesweit bei der AfD eine klare Abgrenzung nach rechtsaußen und der professionelle Umgang damit in der Öffentlichkeit. Stattdessen wurde unter dem Deckmäntelchen „Mut zur Wahrheit" wortreich geholzt, geschwafelt und herumpolemisiert - mit seriöser Analyse hatte das nicht ansatzweise etwas zu tun.

Wirtschaftsthemen verloren an Bedeutung, der rechte Rand der Bevölkerung wurde genüsslich bedient, und im Windschatten der Flüchtlingskrise segelte dann die AfD in weitere Landtage.

Inzwischen ist die gesamte Wirtschaftskompetenz in die neue ALFA-Partei abgewandert. Ich bin dort aber noch immer kein Mitglied. ALFA ist ein interessantes Projekt, das jetzt auf dem Stand der AfD in ihren Anfängen ist.

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Es gibt ja so viel zu tun zum Wohle Europas, mit Deutschland mittendrin - eine Herausforderung jagt die nächste, jede gute Idee von guten Leuten ist gefragt. Wirtschafts-, kultur- und gesellschaftspolitische Themen geben sich bezüglich Aktualität die Klinke in die Hand, die sogenannten Volksparteien verlieren Mitglieder und Rückhalt.

Jetzt ist Wachsamkeit gefragt!

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