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28/01/2015 05:36 CET | Aktualisiert 28/01/2015 05:36 CET

Entschuldigung lieber Verbraucher

Da bin ich mit meinem Brief „Lieber Verbraucher" vielleicht doch etwas über das Ziel hinausgeschossen. Aber es gibt Tage, da bekommt man nur schlechte Nachrichten und gestern war so einer.

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Da bin ich mit meinem Brief „Lieber Verbraucher" vielleicht doch etwas über das Ziel hinausgeschossen. Aber es gibt Tage, da bekommt man nur schlechte Nachrichten und gestern war so einer. Mein Frust über die niedrigen Erlöse und die steigenden haben mein Nervenkostüm halt arg strapaziert.

Bin auch Verbraucher

Und irgendwo bin ich ja auch Verbraucher. Wenn ich bei einem dieser großen Discounter, egal ob der mit A oder der mit L als Anfangsbuchstaben, in der Non-Food-Abteilung eine Gartenschere für 3,99 € sehe, greife ich auch zu. Ich will ja auch billig. Obwohl ich genau weiß, dass die nicht viel taugt. Aber das scheint so ein Reflex zu sein. Und ich weiß auch, dass die wahrscheinlich in Asien gefertigt wurde, wo von gesetzlichem Mindestlohn keine Rede sein kann. Trotzdem falle auch ich immer wieder darauf rein.

Zusammenhänge

Auch ich habe halt von vielen Dingen keine Ahnung. Doch wenn ich darüber aufgeklärt würde, würde ich wahrscheinlich anders handeln. Bei Kleidung z.B. mache ich das. Weil hier jeder aufgeklärte Bundesbürger wissen müsste, dass man für 3 € kein T-Shirt produzieren kann, wenn nicht andere darunter leiden. Aber so geht es uns mit unseren Produkten halt auch.

Für 1 Cent pro kg Kartoffeln kann kein Bauer produzieren. Und wenn das Tiefkühl-Hähnchen 2,49 € kostet, darf man nicht entsetzt sein, wenn die Tiere in großen Einheiten gehalten werden. Ein Bio-Suppenhuhn kostet nun mal so zwischen 12 und 18 € und die braucht der Bio-Bauer auch, um die Kosten zu decken. Artgerechte Tierhaltung beginnt bei euren Einkaufsgewohnheiten, in eurem Portemonnaie. Und bei den pflanzlichen Produkten ist es nicht anders. Der Weg vom Kopf zur Geldbörse scheint sehr lang zu sein...

Wegwerfen

Wir sind eine Wegwerf-Gesellschaft und da nehme ich mich auch nicht von aus. Ich will halt auch als Landwirt („Bauer") modisch gekleidet sein und nicht auf den ersten Blick als rückständig gelten. Ich habe auch kein „normales" Handy mehr sondern natürlich ein Smartphone. Zu Weihnachten gab´s noch ein Tablet obendrauf. Brauche ich nicht wirklich, aber „man geht ja mit der Zeit". Dumme Bauern gab´s gestern. Oder heute noch bei RTL in dieser ominösen Kuppelsendung „Bauer sucht Frau". Ich finde es halt unsagbar schade, dass meine Produkte, die nicht umsonst LEBENSMITTEL heißen, auch in diesen Sog hineinkommen, nichts mehr wert sind. Was ich gut finde, ist die Internet-Seite www.zugutfuerdietonne.de weil da nicht nur aufgeklärt wird, sondern auch brauchbare Tipps zur Vermeidung gegeben werden.

Kleingedruckt

Das Kleingedruckte auf der Packung: da bleibe ich bei meiner Meinung, weil ich selber nicht anders bin. Egal ob bei Lebensmittel oder sonstigen Produkte: ich lese auch nicht alles durch, was da drauf steht. Mit einer Ausnahme. Der Beipackzettel auf Medikamenten. Aber das hat Gründe. Und die bleiben privat.

Zum Schluss noch einmal mein Wunsch: Kauft unsere Produkte. Kauft sie frisch und werft nicht so viel weg. Unsere Produkte sind gut, werden aufwendig kontrolliert und wurden mit Vernunft, ja mit Liebe produziert. Sie sind ihr Geld wert. (Auweia, klingt jetzt aber verdammt nach Marketing, oder?)

Dieser Beitrag von Bauer Will erschient zuerst auf der Seite www.fragdenlandwirt.de.

Den Beitrag, auf den Bauer Willi Bezug nimmt, lesen Sie hier.


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