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02/07/2015 10:31 CEST | Aktualisiert 02/07/2016 07:12 CEST

Deswegen sind uns unsere Wünsche manchmal im Weg

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Einer meiner Klienten äußerte diesen Satz: "Meine Wünsche stehen mir im Weg." Im ersten Augenblick eine ungewöhnliche Äußerung, die ich so noch nicht gehört hatte. Eine sehr interessante und spannende Arbeit begann.

Um was ging es? Es ging um neue Ziele.

Die von uns gewählten Ziele entsprechen häufig dem Vorstellbaren und Machbaren. Unser eigenes Persönlichkeitsinventar, also alles was wir bewusst und unbewusst mit uns herumschleppen, bestimmt dabei unsere Ausrichtung, was für uns vorstellbar ist und was für uns machbar ist.

Unsere Lebenswirklichkeiten, in denen wir unterwegs sind, spielen hier ebenfalls eine Rolle. Neue Ziele, d.h. wirklich neue Ziele können unseren Wirkungs-und Entfaltungsrahmen erheblich ausdehnen. Sie können uns mit Selbstbewusstsein und mit Selbstwirksamkeit ausstatten.

Wir dürfen uns dabei auch die Zeit nehmen uns z.B. zu fragen:

- Was wollte ich als Kind oder Jugendlicher unbedingt erreichen?

- Was wollte ich als Student oder Auszubildender unbedingt erreichen?

- Bin ich zufrieden mit dem, was ich erreicht habe und was könnte ich tun, um zufriedener zu werden?

- Was habe ich nicht getan oder noch nicht angefangen?

Was macht es für uns häufig schwierig zu zielen?

Meine eigene Lebens-und Arbeitsphilosophie entspringt zwei Grundsätzen.

1. Grundsatz "Realistischer Optimismus", nach dem Motto : "Luck favoured the prepared mind." ( Louis Pasteur). Eine achtsame und gute Vorbereitung ist hilfreich und erhöht die Chance auf den Erfolg.

2. Grundsatz " Optimistischer Realismus", nach dem Motto "Keine Krise ohne Beute" (Dank an Angela Lombard, eine meiner Ausbilderinnen). Was lernen wir aus unseren Krisen und Konflikten und was können wir anders machen und verbessern?

Realistisch heißt dabei hinschauen, wahrnehmen, analysieren und prüfen, ob unser Ziel machbar ist. Vieles ist möglich, jedoch nicht alles ist wahrscheinlich.

Zielen kann für uns schwierig werden, wenn wir zur zukünftigen Erriechung unseres Zieles auf etwas Wichtiges verzichten müssen. Was wichtig ist, ist dabei individuell verschieden und ergibt sich aus unserem Persönlichkeitsinventar und der aktuellen Lebenswirklichkeit in der wir uns befinden. Der Verzicht gehört unweigerlich dazu. Wählen wir das Eine , dann entscheiden wir uns gegen das Andere.

Kennen Sie die Situation am Marmeladenregal?

Gefühlt stehen dort 500 Sorten. Von verschiedenen Firmen, mit trendiger Aufmachung bis zur Ökomarmelade, mit Stückchen und ohne, mit Zucker und ohne, Genuss versprechend und Abnehmen, nehme 3 und zahl nur 2, mit digitalem Gewinnspiel und ohne...und zu allem dazu kommt noch die Nuss-Nougat Creme. Egal wie wir uns entscheiden, wir verzichten auf das Andere.

Beim Marmeladenkauf hat der Verzicht eine verträgliche Zeitdimension.

Spätestens in z.B. 10 Tagen können wir uns wieder anders entscheiden. Schmeckt uns die Marmelade nicht, dann ist die Konsequenz unserer Entscheidung und unseres Handelns leicht revedierbar und wir kaufen nächstes Mal eine andere Marmelade.

Bei wirklich neuen Zielen, insbesondere beruflicher Natur sieht es etwas anders aus.

Entscheiden wir uns z.B. für ein bestimmtes Verhalten, für einen neuen Weg, dann sind die Konsequenzen im Vorfeld zu bedenken.

Wir können uns dann z. B. folgende Fragen stellen:

- Worauf muss ich verzichten, auf dem Weg zu meinem Ziel?

- Worauf muss ich verzichten, wenn ich mein Ziel erreiche?

- Wozu muss ich " Ja" und wozu muss ich "Nein" sagen?

- Bin ich in der Lage dies auszuhalten?

Bewerten wir unseren Verzicht als zu groß, dann finden wir leicht Einwände. Widerstrebende Wertesysteme mit denen wir gesegnet sind, rufen den Wunsch nach Ablehnung hervor. Wir befinden uns in einer Konfliktsituation mit hausgemachter Spannung.

So werden aus Zielen manchmal Wünsche, die wir lange wünschen können, ohne dass dafür etwas getan werden muss und ohne dass sie in Erfüllung gehen. Jetzt blockieren unsere Wünsche unsere Ziele und blockieren auch den Weg dorthin.

Schauen wir also gut auf unsere Ziele und präzisieren wir diese. Seien wir uns unserer mentalen Stärke, auch verzichten zu können, bewusst. Nehmen wir unsere wirklichen Wünsche ernst, damit sie uns mit ihrer ganzen Kraft begleiten können, um unsere Ziele mit Erfolg zu erreichen.

Weitere Impulse zum Thema Resilienz lesen Sie in meinem MHCM-Resilienz-Blog


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