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14/04/2016 13:40 CEST | Aktualisiert 15/04/2017 07:12 CEST

Die Kunst der Gelassenheit und wie verkaufen wir uns selbst emotionale Stabilität?

Thomas Barwick via Getty Images

Der Erwerb von Gelassenheit und Resilienz, d.h. psychische Widerstandskraft, stehen ganz oben in unserer Gunst der persönlichen Weiterentwicklung. Allein zum Thema Gelassenheit finden sich derzeit ca. 480.000 Treffer im deutschsprachigen Raum bei Google.

Wir finden eine Vielzahl von wissenschaftlichen Informationen, lesenswerten philosophischen Weisheiten und erprobten Methoden, damit die Gelassenheit bei uns Einkehr findet. Wir können uns selbst besser kennen lernen und in der Folge dann besser leben, dabei gelassener und gut gelaunter sein und letztlich gesünder, fröhlicher und glücklicher alt werden.

Dank Google und Co.dürfte es uns leicht fallen, die Kunst der Gelassenheit zu erreichen. Wir können zur Gelassenheit rundum die Uhr surfen und erhalten zahlreiche Empfehlungen, wie wir diese erreichen können. Manches klingt auch fast wie ein Patentrezept für universell einsetzbare Gelassenheit.

Was verstehen wir aber, jeder einzelne von uns, unter Gelassenheit?

In meinen Workshops stelle ich regelmäßig die Frage. "Was verstehen Sie unter Gelassenheit?" und jeder versteht regelmäßig etwas anderes darunter. Je nachdem, was in der persönlichen Situation gewünscht ist und welches akute oder auch langfristige Bedürfnis vorhanden ist. "Geduld", "keine Aufregung", "Nicht Wichtig Nehmen" sind einige Äußerungen.

Im Grundsatz wollen wir mit unserer mentalen Einstellung der Gelassenheit ein anderes Ziel erreichen. Gelassenheit soll uns dienen im Umgang mit für uns schwierigen Situationen und Konflikten.

Was verstehen Sie unter Gelassenheit?

Und welches Ziel wollen Sie mit Ihrer Gelassenheit erreichen?

Nur mal als Beispiel : Wollen Sie einen gelassenenen Umgang mit unzuverlässigen Kollegen erreichen? Wollen Sie gelassenes Durchsetzungsvermögen im Umgang mit Ihren Kindern erlangen? Oder brauchen Sie geduldige Gelassenheit beim Aufbau eines Startups?

Neben den unentspannten und lästigen Verhaltensweisen anderer, die uns auf die Palme bringen, den Blutdruck erhöhen und auch ansonsten Unwohlsein auslösen, sollten wir nicht vergessen, das auch wir unentspannte und lästige Verhaltensweisen an den Tag legen können, die nicht nur unser Unwohlsein auslösen, sondern beim anderen gleich mit.

Die Kunst der Gelassenheit ist eine Kunst, die im Kern den ausgeglichenen Umgang mit unseren eigenen belastenden und unfreundlichen Emotionen beinhaltet. Diese wollen erkannt werden.

Nehmen wir die Herausforderung an, uns selbst kennen zu lernen und unsere emotionale Intelligenz einzusetzen, dann können wir herausfinden,

  • wie und wo wir uns blockieren
  • wie und wo wir uns selbst sabotieren
  • wie und mit wem wir harmonieren und
  • was wir tun können, damit wir unsere Schatten entdecken
  • blinde Flecken aufdecken und
  • Disharmonien aufgehoben werden

und wie wir unsere emotionale Stabilität einfach selbst in unseren Händen haben

Was können wir konkret tun, um Gelassenheit und emotionale Stabilität zu erlernen? Wie könnnen wir uns gut selbst coachen?

Es gibt ganz wunderbare Mentalverfahren, wie z.B. "achtsamkeitsbasierte Stressreduktion" und Meditation. Z.B. hat der Psychologe Richard Davidson an buddhistischen Mönchen untersucht, wie das Meditieren das Gehirn beeinflusst und kam zu den Ergebnissen, dass völlige Stressfreiheit vorlag und geistige Höchstleistungen möglich sind.

Die wenigsten von uns leben aber im Himalaya und sind von profanen Notwendigkeiten des täglichen Lebens befreit. Auch gibt es für uns weniger die Möglichkeit ein paar Stunden am Tag, insbesondere im Alltag, in einer ruhigen Umgebung an "nichts" zu denken. Und häufig fällt es nicht leicht, sich auch nur 1 Stunde am Tag für die Meditation zu verordnen.

Was können wir also tun?

Wir können mit dem arbeiten, was da ist.

4 einfache kleine Schritte, wie wir beginnen können, emotionale Stabilität zu erreichen und die Kunst der Gelassenheit zu erlernen, indem wir uns einen bewussten Überblick über unsere Denkmuster verschaffen.

  • Überprüfen wir zunächst die Sprache unseres inneren Denkens und unserer inneren Monologe. Welche Worte wählen wir? Sind bestimmte Phrasen, die wir nutzen, so hartnäckig, dass uns eine andere Wortwahl schwer fällt? Sind wir uns selbst gegenüber sprachlos? Ist die Sprache unseres Denkens uns selbst gegenüber durch eine Expertensprache geprägt? Fragen wir uns mehr "Warum" oder eher "Wie"?
  • Wie fühlen wir uns bei unserer Wortwahl? Können wir unsere Gefühle auch in Worte fassen? Welche Gefühle empfinden wir auch körperlich?
  • In welchem Tonfall sprechen wir mit uns selbst? Ist unser Tonfall uns selbst gegenüber freudig oder angespannt?
  • Sind wir uns selbst sympathisch? Lachen wir innerlich wohlwollend öfter über uns selbst? Lachen wir innerlich mit uns selbst? Lächeln wir auch andere an?

Beobachten und erkennen wir, mit welchen Worten wir tagtäglich unsere inneren Monologe halten, dann fällt es auch leichter die kleinen gedanklichen Stellschrauben anders zu stellen.

Sie beobachten gern? Und Meditation interessiert Sie auch? Dann probieren Sie einmal den folgenden Gedanken aus : "Welche Farbe hat mein nächster Gedanke?". Diese kleine und wirkungsvolle Übung lässt sich wunderbar auf Flugreisen durchführen.

Überlassen wir den Verkauf der guten Laune, der emotionalen Stabilität und der Gelassenheit nicht den anderen an uns, sondern verkaufen wir uns emotional intelligent einfach selbst die Kunst der Gelassenheit.

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