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02/02/2015 12:16 CET | Aktualisiert 04/04/2015 07:12 CEST

Warum man Griechenland jetzt vertrauen sollte

Parteien und Personen, die seit Jahrzehnten in Hellas das Sagen hatten, sind nicht mehr an der Macht. Das sollte für weniger Aufregung und mehr Vertrauen sorgen. Die Hellenen möchten sich ändern. Wir sollten die Entwicklung unterstützen und ihnen Zeit geben.

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Parteien und Personen, die seit Jahrzehnten in Hellas das Sagen hatten, sind nicht mehr an der Macht. Das sollte für weniger Aufregung und mehr Vertrauen sorgen. Die Hellenen möchten sich ändern.

Die neue griechische Regierung ist kaum zehn Tage alt, aber die deutsche und internationale Presse produziert täglich hunderte von Artikeln zu Tsipras, seiner Partei SYRIZA und seinem Koalitionspartner ANEL. Zwischen panischen Berichten, Ungenauigkeiten und spöttischen Artikeln vergisst man, was man wirklich wollte: dass Hellas endlich Ihre Hausaufgaben erledigt. Nun ist die Zeit gekommen den Griechen etwas Luft zu geben.

Eine Regierung, die in der eigenen Bevölkerung beliebt ist und einen Plan vorzuweisen hat motiviert zu beiden: Reformen und Umstrukturierungen.

Allerdings so, dass sie von den Bürgern getragen werden können und das in einem Tempo, das die Realisierung der Reformen ermöglicht. Die jüngere Generation steht hinter Tsipras und will nicht den gleichen Weg gehen, den ihre Eltern gegangen sind. Auch die Griechinnen und Griechen wollen ein Land haben, in dem man leben kann und nein, es ist nicht der Traum der Jüngeren in den Staatsdienst zu treten.

Was man hier in Deutschland nicht weiß, ist, dass die neue Regierung Reformen durchboxen wird, die innenpolitisch und gesellschaftlich von Bedeutung sind: Migrantenkinder werden endlich die griechische Staatsbürgerschaft bekommen können, homosexuelle Paare werden gleichgeschlechtliche Partnerschaften schließen können, das Bildungssystem wird geändert und modernisiert.

Policies, die vor zehn Jahren hätten umgesetzt werden sollen, werden nun umgesetzt! Auch Privatisierungen werden realisiert, aber so, dass es sich für die Staatskasse rentiert, ohne dubiose und unrentable Deals hinter verschlossenen Türen.

Jahrelang wird der griechische Klientelismus und Nepotismus kritisiert. Nun sind Parteien, die seit mehr als drei Dekaden diesen Klientelismus ausbauten und ausnutzten, nicht mehr in der Regierung. Das ist vertrauenserweckend und erfreulich. Die Griechen wollen sich ändern und ihre Strukturen neu formen, deswegen müssen sie auch die Regierenden wechseln.

Was wir oft vergessen, ist, dass das Wohl unseres Nachbars auch unser Wohl bedeutet. Hellas muss jetzt die Kurve bekommen. Dabei sollten wir hier in Deutschland nicht vergessen, dass in Griechenland die neonazistische Golden Dawn drittstärkste Partei ist. Wenn es jetzt nicht klappt, sieht es für die Hellenen bitter aus. Und das könnte den Vormarsch von nationalistischen Bewegungen in der ganzen EU auslösen.

Die neue Regierung Griechenlands muss sich beweisen. Nüchternheit und Geduld sind von allen Seiten gefragt. Lassen wir den Griechen ein wenig Zeit, jetzt wo sie ernst zu meinen scheinen.


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