BLOG
17/10/2015 10:28 CEST | Aktualisiert 17/10/2016 07:12 CEST

Wie Merkel von ihrer eigenen Fraktion "gegrillt" wurde

ZWEID via Getty Images

Nein, es läuft nicht rund für die Kanzlerin, so gar nicht. Erst wird sie von ihrer eigenen Fraktion "gegrillt", dann bekommt sie auch noch von der Opposition im Bundestag fast mehr Unterstützung als von ihren eigenen Leuten - und am Ende geht auch noch ihr Rettungsboot unter.

Sie hatte so sehr auf die EU gehofft!

Als ihr vor einigen Wochen dämmerte, dass sie mit ihrer Die-Türen-sind-auf-Willkommenspolitik zwar den Applaus der versammelten Linken bekam, aber ein heilloses Chaos angerichtet hatte, flüchtete sie sich auf die Ebene der Europäischen Union.

Aus dem Mantra "Wir schaffen das", weil Deutschland stark ist, wurde ein "Wir schaffen das nicht alleine". Das ist ein klassischer politischer Schachzug. Indem das Problem auf die EU-Ebene verschoben wird, kann Angela Merkel (CDU) nicht mehr alleine Schuld sein.

Dumm gelaufen, muss man sagen!

Nun ist aber auch dieses Ansinnen regelrecht baden gegangen. In der Nacht zu Freitag musste die Kanzlerin die Erfahrung machen, dass die anderen EU-Nationen gar nicht daran denken, die Kastanien für sie aus dem Feuer zu holen.

Andrea Tauber von der WELT berichtete aus Brüssel, die Augen der Kanzlerin hätten nach der Sitzung immerzu rot geflackert. Niemals zuvor hätten erfahrene Beobachter die Kanzlerin so müde und so fahrig erlebt. Sie habe vor der Presse in langen und komplizierten Sätze gesprochen, sich dabei immer wieder sprachlich verloren. Sein Urteil: "Die Frau ist geschafft."

Die Frau ist geschafft!

Die Osteuropäer haben Merkel in dieser Nacht, untereinander gut abgestimmt, die kalte Schulter gezeigt. Merkel muss bewusst geworden sein, dass ihr in der Flüchtlingskrise auch die EU als Sündenbock und Ausputzer abhanden kommt.

"Die osteuropäischen Staaten fühlen sich teilweise schlecht behandelt. Ich verstehe nicht, dass sie so hart in der Flüchtlingsfrage sind", sagte Merkel in einer von ihr bislang ungekannten Naivität. Hatte sie ernsthaft geglaubt, sie könne ihre Fehler auf die Osteuropäer abwälzen? Kaum zu glauben, erschreckend!

Kubicki bringt es auf den Punkt!

Das Chaos, das die Kanzlerin angerichtet hat, bringt Wolfgang Kubicki (FDP) auf den Punkt:

"Dank des herzlichen Einfalls der Bundeskanzlerin, die Arme auszubreiten und die Flüchtlinge zunächst aus Ungarn bei uns willkommen zu heißen, haben wir keinen Überblick mehr darüber, wer alles über die grüne Grenze kommt. Selbst bei den behördlich erfassten Flüchtlingen geht uns auf dem Weg von Bayern in andere Bundesländer fast die Hälfte verloren."

Im Grunde spricht Kubicki damit nur aus, was ohnehin jeder weiß - außer den Grünen und der Kanzlerin. Wiederum ein erschreckender Befund.

Stürzt Merkel über ihre Birkenstocksandalen-Politik?

"Diese Politik in Birkenstocksandalen gepaart mit moralischer Überheblichkeit ist unangebracht", ergänzt Kubicki. "25 der 28 EU-Staaten machen eine völlig andere, restriktivere Asylpolitik als wir. Das ist auch nicht menschenrechtswidrig. Und wir wundern uns, dass alle Flüchtlinge zu uns wollen." Über ihren Sturz und mögliche Nachfolger wird seit einigen Tagen fleißig diskutiert.

Welch eine Wende angesichts der Unangreifbarkeit der Kanzlerin über viele Jahre hinweg. Doch heute sieht es so aus, dass die nächste Neujahrsansprache von einem Bundeskanzler Schäuble oder Seehofer gehalten werden könnte.

Ist sie schon fertig?

Nach dem Platzen aller ihrer Hoffnungen auf eine EU-weite Lösung der Flüchtlingsproblematik, steht Merkel vor einem riesigen Scherbenhaufen. "Wenn Frau Merkel so weitermacht, erreicht sie das Jahr 2017 gar nicht mehr als Kanzlerin", konstatiert daher auch Wolfgang Kubicki. "Die Umfragen zeigen schon in diese Richtung. Die Gefühlslage wird dann sein: Die Merkel muss weg, die hat uns das eingebrockt", ergänzt der Kenner des politischen Berlins.

Schon bis Weihnachten würden sich die politischen Prozesse weiter verschärfen. Dann würden CDU/CSU Angela Merkel notfalls stürzen. Denn die Unionsabgeordneten mit ihren vermeintlich sicheren Wahlkreisen merkten jetzt schon: Nichts ist mehr sicher, so Kubicki. Seien wir also gespannt, wer in der nächsten Silversternacht als Kanzler zu uns spricht. Es wird spannend.

Kanzler-Sturz vor 2017?: Kubicki: "Die Gefühlslage wird sein: Merkel muss weg, die hat uns das eingebrockt"

"Lasst endlich niemanden mehr rein": Hier rechnet ein Flüchtling mit Merkels Willkommenskultur ab

2015-08-06-1438870629-2559366-10000.png

200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not


Hier geht es zurück zur Startseite