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05/04/2016 15:48 CEST | Aktualisiert 06/04/2017 07:12 CEST

Viel Lärm um nichts

Es war abzusehen und es ist passiert. Angela Merkels eigenwillige Politik der vergangenen Monate hat ihre CDU die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg verlieren lassen. Schade für Julia Klöckner, aber sie ist jung genug, um später noch das eine oder andere Amt zu bekleiden. Spannender wird es da schon in Stuttgart. Denn dort zeichnet sich eine grün-schwarze Koalition ab.

Staunen wie bei einer Marienerscheinung

Jetzt schauen also alle gebannt ins Deutschlands südwestliches Ländle und tun so erstaunt, als ob dort geradezu etwas Übersinnliches vor sich gehen würden. Aber nein, das tut es nicht. Oder, um es mit den Worten der Polizei zu sagen: Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Denn schon längst wird ein Bundesland (Hessen) von CDU und Grünen geräuschlos und effizient regiert.

Auch in zahllosen Städten und Großstädten war oder ist diese Koalition der Fall. Warum man so wenig davon hört? Weil es funktioniert!

Es kommt zusammen, was zusammengehört

Jetzt mag man es sensationell finden, dass in Stuttgart bald ein grüner Ministerpräsident als Chef ein paar CDU-Ministern vorstehen wird. Ist es aber nicht. Denn dieser Ministerpräsident ist in etwa so wild, links oder liberal wie ein Opel ein Porsche ist.

Winfried Kretschmann ist der Typ Mensch, der bei einem durchschnittlichen stockkonservativen Schwaben einen feuchten Traum auslöst. Er ist sparsam, spärlich, pragmatisch bis zum Umfallen und sittenstreng. Da lacht das Herz des deutschen Bibelgürtels. Denn was gerne vergessen wird: Vor allem Württemberg ist durch und durch pietistisch geprägt. Dort sieht man in Kretschmann keinen Grünen, sondern einen der sogar bei Gegenwind Hausgeruch verbreitet. Es ging bei dieser Wahl niemals um die Grünen.

Es ging um Kretschmann. Wäre Claudia Roth mit ihrem aktuellen Pumuckldesign angetreten oder der Hofreiter Anton mit seinen Fettsträhnen, die Grünen wären kaum über fünf Prozent gekommen.

Es wird super laufen

Deswegen wird es auch grandios laufen mit grün-schwarz in Stuttgart. Denn würde man alle Baden-Württemberger in einen Topf stecken und einen Durchschnittstyp herausdestillieren, es wäre Winfried Kretschmann. Und so wird alles still und zufrieden seinen Lauf nehmen. Die Grünen dürfen weiter am Schulsystem herumschrauben, während die CDU-Minister Straßen bauen und Polizisten aufstocken.

Alle gemeinsam trennen hübsch den Müll und achten drauf, dass die Kehrwoche eingehalten wird. Was da in Stuttgart gerade passiert, ist das zusammenkommen dessen, was schon immer zusammengehört hat.

Bürgerliche Spießigkeit mit ökodynamischer Bervormundungsspießigkeit. Ein echter Knaller wäre eine Koalition aus CDU, SPD und FDP gewesen. Oder eine grüne Minderheitsregierung, die sich je nach Gesetzesvorhaben die Mehrheiten sucht. Aber grün-schwarz? Langweilig...

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