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09/09/2015 10:53 CEST | Aktualisiert 09/09/2016 07:12 CEST

Sigmar, so klappt das nicht!

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Nun ist die Katze also aus dem Sack. Der Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hat laut Agenturberichten öffentlich erklärt, Deutschland könne und wolle pro Jahr etwa eine halbe Million Flüchtlinge aufnehmen.

"Wir können 500.000 Flüchtlinge im Jahr aufnehmen". Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) geht davon aus, dass Deutschland auch in den kommenden Jahren die Aufnahme hunderttausender Flüchtlinge bewältigen kann. In einem ZDF-Interview nannte der SPD-Chef am Montagabend die Zahl von 500.000 Menschen.

Quelle: Springer Verlag & SPIEGEL

Er glaube, so der Vizekanzler, dass Deutschland mit einer Größenordnung von einer halben Million für einige Jahre sicherlich klar käme. Er habe da keine Zweifel, vielleicht auch mehr. Man lernt, Deutschland hat einen gut gelaunten Optimisten auf dem Stuhl des Vizekanzlers sitzen.

Jetzt aber die Fakten!

Mit Optimismus kann man zwar lustige Feste feiern, allerdings nichts bezahlen. Daher nun die Fakten: Deutschland hat knapp 82 Millionen Einwohner. Wenn jedes Jahr die vom Vizekanzler geplante Zahl einwandert, würde das bedeuten, dass sehr bald ein hoher einstelliger Prozentsatz der Bevölkerung aus ungeregelt neu eingewanderten, nicht nach Qualifikation ausgesuchten Neubürgern besteht.

Ist sich die Politik bewusst, was sie da gerade tut?

Es ist gewiss fantastisch, dass Deutschland sich als hilfsbereites und freundliches Land um notleidende Menschen kümmert. Doch man muss schon eine andere Frage mit bedenken: übernehmen wir uns hier nicht gerade ein wenig? Man könnte auch zuspitzen und fragen, ob wir alle nicht bald unter dieser und anderen Lasten in die Knie gehen?

Wir leben auf einem Acker!

Nüchtern betrachtet ist Deutschland ein einziger wertloser Acker in der Größe des US-Bundesstaates Montana. Das, was dieses Land zu einem reichen und schönen Ort macht, das sind seine Menschen. Fleißige Menschen jeder Herkunft, die früh aufstehen, anpacken und mit Ideen wie Fleiß aus dem Nichts einen lebenswerten Ort schaffen.

Dieses Land war nach dem selbstverschuldeten zweiten Weltkrieg komplett zerstört und hatte ein Drittel seines Staatsgebietes verloren, ein Teil war kommunistisch besetzt und doch schufen die Menschen nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen menschlichen Aufstieg aus den Ruinen.

Es gibt Schmerzgrenzen!

Seitdem hat Deutschland eine Menge gestemmt. Einen kalten Krieg, Gefahren von rechten und linken Geisterfahrern, die wirtschaftlich und menschlich schmerzhafte Eingliederung der DDR in den gemeinsamen Staat, den Niedergang von ehemaligen Schlüsselwirtschaften, Rekordarbeitslosigkeiten, Kampfeinsätze an der Seite der Verbündeten, die monetäre Rettung halb Europas und vieles mehr.

Das alles auf dem Rücken der Menschen, die täglich im Schweiße ihre Angesichtes dieses Landes erhalten, Urdeutsche und Einwanderer gemeinsam.

Politik aus dem Elfenbeinturm?

Seit Jahren zerfällt die Infrastruktur in viele Teilen des Landes, die Menschen erleben seit über einem Jahrzehnt keinen spürbaren Anstieg der Lebensqualität und soziale Leistungen wurden weggeschmolzen.

Und nach all dem stellt sich der Vizekanzler vor sein Volk und verkündet, man könne eben mal 500.000 ungeregelte Zuwanderer im Jahr verkraften. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Regierenden in Berlin derzeit entweder schlecht beraten werden oder sich in den Elfenbeintürmen ihrer großkoalitionären Macht verlaufen haben.

Was sollen denn die Alteinwanderer denken?

Die Bevölkerungsgruppe, die sich angesichts dieser Politik am meisten verschaukelt fühlen wird, sind nicht einmal die Urdeutschen, die an der teilweise nicht gelungenen Integrationspolitik schon jetzt mancherorts verzweifeln. Es werden jene Einwanderer sein, die unter größten Mühen in den vergangenen fünfzig Jahren ihren geregelten Weg nach Deutschland gefunden haben!

Wer zum ersten Mal verfolgt, wie schwer es ist, ordentlich nach Deutschland einzuwandern, der wundert sich! Denn das ist ungeheuer schwer. Versuchen Sie mal als Asiate ein Besuchsvisum für Deutschland zu erhalten - es ist das blanke Grauen an Restriktion und Bürokratie!

Alles nur ein schlechter Scherz?

Was müssen sich diese Menschen wohl denken? Die vielen bestens integrierten Einwanderer, die mit Ausdauer, Mühe und viel persönlichem Einsatz den ordentlichen Weg nach Deutschland gegangen sind. Wenn man dann noch bedenkt, wie viele an deutschen Universitäten ausgebildete Akademiker wir bis vor einer Weile noch aufgrund des geltenden Rechts aus dem Land geworfen haben, dann wird einem ganz schummrig.

Was sollen all diese fantastischen Menschen, die unser Land wirklich bereichern jetzt denken, wenn nun Massen von mehr oder weniger Verfolgten die Grenzen stürmen und einfach mal so bleiben dürfen?

Von allen guten Geistern verlassen?

Man kann als strategischer Analyst angesichts dieser Sachlage nur zu dem Ergebnis kommen, dass hier irgendwer von allen guten Geistern verlassen sein muss. Menschen in Massen unkontrolliert einwandern zu lassen, während man ein Einwanderungsgesetz für Hochqualifizierte ablehnt, ist eine bizarre Politik.

Was tun?

Irgendjemand müsste den regierenden Damen und Herren in Berlin verdeutlichen, dass das, was sie da gerade tun, zwar einige grüne Mittelschichtsmenschen entzücken wird - dass sie aber ansonsten unglaublich viele Menschen böse vor den Kopf stoßen. Und zwar Bürger aller Hintergründe und Herkünfte.

Sonst wird dies von jenen Leuten getan werden, die wir alle am wenigsten wollen. Denn wie ein Kollege mir vor einer Weile auf einer Konferenz zuflüsterte: "Europa wird niemals islamisch, es wird nämlich vorher faschistisch". Eine schockierende Analyse, aber leider keine zwangsläufig falsche.

Frankreich und Österreich schon auf dem Sprung!

Es ist zu befürchten, dass dieser Kollege Recht behalten wird. In Frankreich nimmt Marine Le Pen Anlauf auf den Élysée-Palast. Eine rechtsradikale Präsidentin in Paris ist 2017 keineswegs undenkbar.

Und in Österreich ist die stramm rechte FPÖ unter Heinz-Christian Strache in manchen Umfragen inzwischen die stärkste Partei! Frau Le Pen und Herr Strache würden der deutschen Bundesregierung nach ihrem Wahlsieg vielleicht einen Dankesbrief schreiben. Sie hätten jedenfalls jeden Grund dazu!

Den Menschen helfen ja, aber!

Die Antwort auf die gegenwärtige Flüchtlingskrise muss daher humanitär sein, aber diese Humanität kann und darf sich nicht im Wesentlichen hierzulande abspielen. Eine halbe Million Neubürger pro Jahr sind angesichts der sozialen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands aus strategischer Sicht nicht zu verkraften.

Daran ändern sich die flotten Sprüche des Vizekanzlers nichts. Heinrich Heine schrieb: "Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht". Nie war dies in jüngster Zeit berechtigter als heute.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

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