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12/08/2015 07:02 CEST | Aktualisiert 12/08/2016 07:12 CEST

Raus aus dem Euro? Der D-EXIT muss denkbar werden!

War da nicht etwas? Ach so, ja, Griechenland! Vor ein paar Wochen noch dominierte es die Nachrichten und man meinte, die EU flöge gleich auseinander. Dann ein obskures Referendum, nach dem in einem nächtlichen Showdown in der Brüsseler EU-Zentrale exakt das Gegenteil dessen beschlossen wurde, was die Griechen an der Wahlurne entschieden hatten.

Das Ganze sogar noch drei mal so heftig und doppelt so schnell. So weit, so schlecht. Und jetzt?

Aus den Augen aus dem Sinn?

Es ist still geworden um Griechenland, kein Tamtam, keine Panik wegen drohender Deadlines. Das Geld der EZB fließt wieder in Richtung Athen und dort tut man das, was man ebenso tut - es wird an irgendwelchen Reformvorhaben gewerkelt, die niemals zu einem sinnvollen Abschluss kommen.

Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass die Griechen auch dieses Mal selbst im Traum nicht daran denken, ihr Land ernsthaft zu reformieren.

Hoffen auf Spanien?

Es ist davon auszugehen, dass Herr Tsipras und seine lecht-rinks (nein, kein Tippfehler) Regierung auch jetzt wieder auf Zeit spielen. Die nächste Wegmarke sind die spanischen Parlamentswahlen. Tsipras hofft, dass dort mit Podemos quasi die linksradikale Schwester der griechischen Syriza an die Macht kommt.

Dann hätte Herr Tsipras endlich einen Freund in der EU und mit Spaniens Größe und Gewicht im Rücken könnte ein neuer Anlauf genommen werden, Europa zu lateinamerikanisieren. Denn stärker noch als Herr Tsipras hat der Chef der spanischen Podemos-Partei einen notorischen Hang zu südamerikanischen Potentaten und den dortigen neosozialistischen Experimenten.

Was sollte Deutschland tun?

Es bringt nichts sich wegzuducken! Europa könnte in naher Zukunft von ebenso schillernden wie entschlossenen Persönlichkeiten wie Herr Tsipras, Herr Iglesias (Spanien, linksradikal), Frau Le Pen (Frankreich, rechtsradikal) und Herr Strache (Österreich, rechtsradikal) regiert werden. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario wird in Fachkreisen auf bis zu 40% geschätzt. Und selbst der Sieg nur einer dieser Herrschaften wäre ein echtes Problem für Deutschland.

Was hält uns ab?

Am Stammtisch wäre klar, was zu tun ist: Man wirft den Zechpreller raus oder steht selber auf und geht. Was hält die deutsche Politik also davon ab, kurzen Prozess zu machen und beispielsweise aus dem Euro auszutreten? Ökonomische Faktoren?

Nein, eher nicht. Denn dazu gibt es zwar dutzende sich widersprechende fachliche Meinungen. Darunter aber eben auch solche, die in einem D-EXIT (Ausscheiden Deutschlands aus dem Euro) kein Problem sehen - sondern die Lösung. Was uns abhält ist nichts als pure Ideologie.

Deutschland betreibt eine ideologisch motivierte Politik!

Die deutsche Politik als Ganzes gesehen erscheint dermaßen verliebt in die Idee der "Vereinigten Staaten von Europa", dass sie völlig übersieht, dass außerhalb Deutschlands niemand so recht Lust darauf hat, seine nationale Souveränität nach Brüssel abzugeben.

Für die meisten EU-Nationen ist die Europäische Union ein Mittel zum Zweck, etwa um ihre Sicherheit und Wirtschaftskraft zu steigern. Oder, um es einfacher zu sagen: Deutschland ist eine Braut, die denkt der Bräutigam und seine Verwandtschaft kämen zu ihr aus Liebe, dabei haben sie eigentlich nur das kalte Büffet im Sinn.

Die bittere Wahrheit.

So lange unsere Politiker (egal in welcher Partei) nicht verstehen, dass der Traum eines europäischen Nationalstaates eine ungesunde Kopfgeburt ist - so lange werden sie falsche Entscheidungen in Sachen Euro und Co. treffen. Dabei sollte man sich auch nicht von markigen Worten täuschen lassen.

Wenn Herr Schäuble etwa, wie letzte Woche geschehen, eine Reduktion der Aufgabe der EU-Kommission fordert, dann nicht, weil er Entscheidungsmacht zurück nach Berlin holen will. Vielmehr geht es ihm dabei um eine Stärkung der Kommission durch Konsolidierung.

Schon der ehemalige Kanzler Kohl, der den Deutschen den Euro eingebrockt hat, wusste, dass dieses Konstrukt scheitern muss. Es war wohl sogar sein Plan! Denn er wollte die Auflösung der Nationalstaaten und einen europäischen Superstaat.

Weil er wusste, dass niemand bei Verstand diesen Weg gehen würde, hat er mit dem Euro auf eine quasi konstrunktionsbedingte Krise gesetzt, die dann die krisengebeutelten Nationen unter das europäische "Dach" zwingt. Wolfgang Schäuble war damals ein Mastermind dieser Politik und er ist es vermutlich heute noch.

Und jetzt?

Es wird Zeit dem britischen Weg der Vernunft zu Folgen und die EU realistisch zu betrachten. Nur so können vernüftige Entscheidungen fallen. Die EU ist eine nette Sache als Binnenmarkt und Bündnis. Aber wer die "Vereinigten Staaten von Europa" daraus machen will, der wird den Kontinent in den Abgrund führen.

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