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12/04/2016 13:32 CEST | Aktualisiert 13/04/2017 07:12 CEST

Die Huffington Post war 6 Monate schneller als der Verfassungsschutz

zabelin via Getty Images

Manchmal hat man auch als Sicherheitsberater lieber, man hätte sich geirrt. Doch abermals waren es nicht wir privaten, sondern die staatlichen Stellen, die versagt haben. Aber der Reihe nach: am 10., 11. und 14. September schrieb ich in der Huffington Post, "in sicherheitspolitischen Kreisen rauft man sich derzeit die Haare angesichts der Tatsache, dass Europa keine intakten Außengrenzen mehr hat.

De facto stehen die Türen komplett offen und die Massen strömen ungehindert in das Gebiet des Schengener Abkommens." Ich hatte, wie viele Kollegen eindringlich geschrieben, dass die konkrete Gefahr eines Einsickerns von Terroristen auf diesem Weg besteht. Doch wurde das damals von staatlicher Seite, unter anderem vom deutschen BND, als Fantasterei abgetan.

Es war die Zeit, als die zu 90% männlichen Flüchtlingsmassen von jungen naiven Frauen mit Teddybären an den Hauptbahnhöfen der Republik empfangen wurden. Die Kanzlerin machte Selfies mit Flüchtlingen. Warner und Mahner aus der Sicherheitsszene wurden als rechte Spinner abgetan.

Manchmal behält man lieber nicht Recht?

Wie wir heute wissen, waren die Spinner auf jeden Fall nicht die Mahner. Wie der SPIEGEL aktuell berichtet, ist der Chef des deutschen Inlandsgeheimdienstes (Bundesamt für Verfassungsschutz) Hans-Georg-Georg Maaßen heute scheinbar schlauer: Seine Behörde habe die Terrormiliz zunächst falsch eingeschätzt.

So habe man es zunächst für unwahrscheinlich gehalten, dass der IS den Flüchtlingsstrom nutzen werde, um Anhänger nach Deutschland zu bringen, (...)." "Wir dachten, das Risiko sei schlichtweg viel zu hoch. Mittlerweile wissen wir: Was den IS angeht, müssen wir eben auch dazulernen."

Lernende Top-Spione? Gute Nacht!

Wenn ein privater Sicherheitsberater und seine ganze Zunft die Realität mehr als ein halbes Jahr vor dem deutschen Geheimdienstchef die Lage richtiger einschätzen, haben wir alle ein echtes Problem. Es macht sprachlos, dass Geheimdienstchef Maaßen seinen Job eines des "Dazulernens" beschreibt.

Es fehlen einem die Worte ob dieser Leichtigkeit der Aussage. Denn der Sicherheitsbereich ist genau jener Bereich, wo man seiner Zeit und seinen Feinden voraus sein muss. Dazulernen, learning by doing, war in dieser Profession noch nie eine Option. Ich für meinen Teil schlafe künftig noch schlechter in Deutschland.

Denn die Sicherheitsszene ist, einmal mehr, dem deutschen Geheimdienstchef voraus. Während er frappierend naiv und öffentlich staunend dazulernt, sind wir Privaten offenbar wieder einmal um Monate voraus.

Nur soviel dazu: es wird unruhig und es ist zu hoffen, dass jene Kompetenten und Wissenden im deutschen Sicherheitsapparat endlich von oben nicht mehr politisch ausgebremst werden im Aussprechen der Tatsachen.

Der Autor ist freier Journalist und privater Sicherheitsberater in Nordamerika, Großbritannien und Deutschland. Er berät Unternehmen und erstelt für diese Sicherheitsprognosen.

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