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20/08/2015 04:30 CEST | Aktualisiert 20/08/2016 07:12 CEST

Das Wunder von Hessen

Manchmal ist die wichtigste Nachricht, dass es keine Nachrichten gibt. In Hessen ist genau dies der Fall und der Beobachter staunt. Denn in Wiesbaden regiert seit der Landtagswahl 2013 eine schwarz-grüne Koalition unter Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und seinem Vize Tarek Al-Wazir (Grüne).

Und das ausgerechnet in jenem Land, in dem die Grünen immer sehr weit links standen und die CDU als "Stahlhelmfraktion" einen Ruf als Rechtsausleger hatte.

(Foto: Martin Kraft/CC BY-SA 3.0/via Wikimedia Commons)

2015-08-18-1439937978-5401395-Kabinett_Bouffier_IIErnennungTotale.jpg So sehen Wunder aus. Vereidigung der schwarz-grünen hessischen Staatsregierung.

Das Schweigen von Wiesbaden

In der Hauptstadt Wiesbaden schien 2013 zunächst alles auf eine rot-rot-grüne Koalition hinzudeuten, als plötzlich immer deutlicher wurde: CDU und Grüne gehen tatsächlich zusammen. Hielt man als Beobachter die ersten Sondierungsgespräche noch für reine Höflichkeit, wurde schnell klar, dass etwas Bemerkenswertes passiert.

Eine undenkbare Liebe

Es kam relativ flott zu einer Koalitionvereinbarung. Brisante Themen wie der weitere Flughafenausbau in Frankfurt, die Altlasten des AKW Biblis und andere ehemalige "heilige Kühe" wurden durch reale Kompromisse in kürzester Zeit abgeräumt und erledigt. Kaum Formelkompromisse weit und breit. Und dann schien auch noch die persönliche Chemie zu stimmen!

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus

Es war gar nicht so lange her, da ließ Bouffiers Vorgänger Roland Koch (CDU) Hessen landauf, landab mit Plakaten zutapezieren, auf denen stand "Ypsilanti, Al-Wazir und die Kommunisten stoppen!".

So ganz falsch war Kochs Befürchtung zwar nicht, aber der Stil war typisch hessische Politik: hart, unfair, populistisch mit einem leichten Hang zum Krawall. Dann kam 2013 und plötzlich drehte die Stimmung in der hessischen Hauptstadt von Zirkus zu Streichelzoo.

Alle scheinen sich zu respektieren und das Land wird völlig geräuschlos durchregiert. Es wäre daher ein Wunder, wenn sich dieses Modell nicht auch in anderen Ländern etablieren würde.

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