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21/08/2015 05:23 CEST | Aktualisiert 21/08/2016 07:12 CEST

Bundespräsident Gauck: "Abgrenzung nicht hinnehmbar"

Bundespräsident Joachim Gauck hat angesichts einer massiven Zuwanderung nach Deutschland und eskalierender rechter Gewalt alle Seiten zur Ordnung gerufen. In seinem Amtssitz Schloss Bellevue richtete er bei einem Symposium mahnende Worte an das gesamte Land.

(Foto: Michael Lucan via WikiCommons/ CC BY-SA 3.0)

2015-08-20-1440083850-7155007-800px20101129_JoachimGauck_198.JPG Bundespräsident Gauck warnt vor Naivität auf allen Seiten.

Verteidigen, was wichtig ist

Der Präsident betonte dabei, alle, die Deutschland als demokratischen, freiheitlichen Staat für verteidigenswert halten, seien aufgerufen, den Zusammenhalt aktiv zu bewahren. Würden fremdenfeindliche Haltungen weiter um sich greifen, könnte dies dazu führen, dass Menschen nicht einmal mehr vor Übergriffen zurückschrecken.

Wörtlich sagte der Bundespräsident: "Ich denke an diesem Punkt an das, was wir kürzlich wieder erlebt haben mit diesen widerwärtigen Angriffen auf Flüchtlingsheime. Es ist ja unerträglich, dass in einer Gesellschaft gleichzeitig Menschen, Einrichtungen, Institutionen existieren, die weltweit als Vorbild gelten können, und gleichzeitig in derselben Gesellschaft diese Teile einer Bevölkerung existieren, die all das, was uns bewegt, eben genau nicht wollen."

Aber auch eine Warnung in die andere Richtung

Gleichzeitig machte Präsident Gauck auch klar, es sei nicht hinnehmbar, dass manchmal ganze Milieus Abgrenzung für eine Existenzform hielten, die erstrebenswert sei. Das zeige sich etwa, wenn man sich bestimmte Gruppen und ihre Beziehung zu Frauenrechten anschaue oder die problematische Beziehung mancher Menschen zum säkularen Staat. In manchen Milieus gebe es auch eine offene Verachtung für westliche Toleranz oder westliche Kultur, manchmal auch für demokratische Werte.

Nicht alles schönreden

Der Bundespräsident warnte diesbezüglich vor Schönfärberei bei der Diskussion der aktuellen Problemthemen. "Derzeit kann man in aufgeklärten Kreisen fast den Eindruck gewinnen, Konsens und Harmonie beim Thema Integration seien das wichtigste, das einzige Ziel", so Gauck. "Unsere neue Gemeinschaft ist aber darauf angewiesen, dass wir auch Widersprüche benennen, Herausforderungen erkennen und Probleme zur Sprache bringen und dass wir die Fähigkeit zur Differenzierung beweisen."


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