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10/05/2017 14:51 CEST | Aktualisiert 10/05/2017 14:51 CEST

Blutige Nase, heulende Mutter, totes Riesenkaninchen: Industrie-Sabotage bei United Airlines?

csfotoimages via Getty Images

Was ist bloß bei United Airlines los? Eine Serie abstrusester Peinlichkeiten zieht das Image der US-Traditionslinie in den Abgrund.

Erst wurde ein älterer Passagier unter grobster Gewaltanwendung aus einem Airbus entfernt, weil ein United-Mitarbeiter den Sitzplatz im überbuchten Flug für sich haben wollte, dann folgte ein unterirdisches Krisenmanagement durch die Führung der Fluggesellschaft, gefolgt von einem übergriffigen Steward, der eine Frau mit Kinderwagen attackierte - alles schön auf Handycam festgehalten und im Internet viral gestreut.

Als wäre das des Wahnsinns noch nicht genug, erleben wir jetzt die gute alte United als Killer eines recht sympathischen Rekordkaninchens. Kurzum, die Airlines steht kinnhoch in der PR-Hölle.

Man denkt, das kann doch nicht sein?

Doch der Fall des toten Kaninchens ist real, ebenso wie der Rest. Simon, so der Name des edlen Zuchtkaninchens, ist an Absurdität nicht zu übertreffen und man fragt sich - doch dazu gleich mehr. Auf jeden Fall hat United Simon umgebracht, wie es scheint.

Und anstelle einer ehrlichen Aufklärung dieses mehr als wahnsinnigen Falls wird dem Unternehmen jetzt nicht ganz zu Unrecht auch noch Vertuschung nachgesagt. Simon, das tote Riesenkaninchen, wurde nämlich ohne Zustimmung seiner Züchterin abgeholt und eingeäschert.

Sie habe United Airlines unablässig nach Simon gefragt, damit er in seiner britischen Heimat autopsiert werden könne, klagte seine Besitzerin, Annette Edwards, gegenüber der "Daily Mail" - das Tier war immerhin eine Menge wert. Doch United habe nur herumgedruckst.

Ein PR-GAU erster Klasse!

Die Züchterin hatte Simon im April zu seinen neuen Eigentümern in die USA bringen wollen und war deshalb mit dem fluffigen Kaninchen von London nach Chicago geflogen.

Das Tier war mit seinen fast ein Meter Länge nicht irgenein Hase, sondern ein teurer Rekordkandidat. Eine Wettbewerbsauftritt in Iowa war schon gebucht, doch nach der Landung in Chicago war Simon tot.

Erst steckten sie Simon in einen Kühlschrank, dann äscherten sie ihn ein!

"United Airlines murders fluffy bunny" (United ermordet flauschiges Häschen) war denn auch der logische Tenor, des folgenden Shitstorms. Kein Wunder, dass der Kurs der United-Airlines-Aktien an den Börsen ordentlich einbrach.

Wer fliegt schon mit einer Airline, die Rentner blutig schlägt, heulenden Frauen mit Kinderwagen Prügel androht und kuschlige Riesenkaninchen umbringt und heimlich einäschert - und das waren nur die Highlights der vergangenen Tage!

Der Rentner mit der blutigen Nase hat derweil einen Deal mit United und zog seine Klage zurück. Der Fall der attackierten Mutter und des toten Rekordkaninchens sind indes noch offen.

Glaubten sie wirklich, dass es keiner merkt?

Die doch sehr einfache Frage, wieso das Tier wohl kurz in einen Kühlschrank gesteckt und dann sofort verbrannt wurde, vermochte United Airlines nicht zu klären. Laut der Tierschutzorganisation Peta haben in den vergangenen zwölf Jahren mehr als 300 Tiere Flüge mit United Airlines nicht überlebt.

Keine gute Bilanz. Wundervoll, kann man jetzt zynisch sagen, jetzt hat United Airlines auch noch Peta am Hals. Der Grund für Simons Tod bleibt wohl für immer ein Mysterium. Nach Aussage der Züchterin wurde das Tier noch kurz vor dem Abflug untersucht und war mopsfidel.

Die entrüstete Züchterin verlangte nun, die Aufnahmen der Überwachungskameras ausgehändigt zu bekommen, die Simon nach der Landung zeigen - vergeblich. Vermutlich wollte United Airlines nicht auch noch ein weiteres Video viral sehen, auf dem ein Rekordkaninchen erst tiefgekühlt und dann verkohlt wird.

Was ist dort wirklich los?

Was sich nach einer völlig irren Verkettung ebenso völlig irrer Vorfälle darstellt, kann genau das sein: Irrsinn und Zufall. Dass United Airlines derzeit einfach grottenschlecht und unsensibel ist, stellt eine plausible Erklärung dar.

Doch blutig geschlagene Rentner, attackierte Mütter und ein erst tiefgekühltes und dann eingeäschertes Rekordkaninchen mit in der Folge fallenden Aktienkursen lassen bei einem Sicherheitsberater die roten Warnlampen angehen. Insbesondere wenn die Vorfälle ihren Weg zuverlässig in die internationalen Medien finden.

Nicht nur Staaten sind seit einiger Zeit Opfer feindlicher Propaganda. Auch Unternehmen sind zunehmend betroffen. Wenn United Airlines klug ist, lässt sie diese Möglichkeit auch ausermitteln, selbst wenn eine Verkettung menschlicher Dummheit hier plausibler erscheint.

Doch langsam wird es ein wenig zu viel an abstrusen Ereignissen bei United. Dort sollten Experten für Sabotageabwehr mal einen genaueren Blick auf die Ereignisse werfen.

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