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09/10/2015 11:27 CEST | Aktualisiert 09/10/2016 07:12 CEST

Wie grün ist die Politik von Angela Merkel wirklich?

PATRIK STOLLARZ via Getty Images

Es war um das Jahr 1980 herum, als sich in Deutschland ein geflügeltes Wort über den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) breit machte: er sei der richtige Mann in der falschen Partei. Und in der Tat hatte der relativ konservative Helmut Schmidt am Ende seiner Kanzlerschaft mehr Sympathisanten im konservativen Milieu als bei seinen eigenen Genossen.

Torsten Albig hat es gewusst!

Vor einigen Wochen hat nun der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) infragegestellt, ob die SPD für die kommende Bundestagswahl 2017 überhaupt einen eigenen Kanzlerkandidaten brauche.

Frau Merkel (CDU) mache das doch ganz toll und die Menschen würden sie mögen. Das Verrückte ist: der Mann hat recht. Er hat sogar noch untertrieben. Denn längst ist Angela Merkel schon nicht mehr „irgendwie sehr sozialdemokratisch" für eine Konservative. Sie ist de facto Deutschlands erste grüne Kanzlerin!

Grün, grün, grün, egal wohin man schaut?

Egal welches Thema man sich anschaut, Merkel setzt im Grunde das Parteiprogramm der Grünen um. Angefangen von der Familien- und Gleichstellungspolitik über planwirtschaftliche Spielereien wie das Verstaatlichen von Banken bis hin zum radikalen Atomausstieg und Fragen von Europa, Asyl und Einwanderung.

Selbst bei der „Homo-Ehe" sind die Gegensätze nur noch rhetorischer Natur. Abgesehen vom Adoptionsrecht und einigen winzigen Details sind die Eingetragene Lebenspartnerschaft (Homosexuelle) und die Ehe (Heterosexuelle) längst angeglichen worden.

Vergesst Deutschland und baut auf die EU?

Wenn man ausreichend großes masochistisches Potential besitzt und es sich antut, die Parteiprogramme aufmerksam zu lesen, dann wird man nur zu einem logischen Schluss kommen können: Frau Merkel regiert grün. Und zwar knallgrün. Selbst die Abscheu gegen einen gesunden Patriotismus scheint sie mit den Grünen zu teilen.

So hat sie niemand geringerem als ihrem Fähnchen schwenkenden Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU) auf der Feier ihres letzten Wahlsieges die Deutschlandflagge auf offener Bühne entrissen und ihn ermahnend angeschaut. Ebenso wie die Grünen sieht auch Merkel die Lösung aller Probleme in der EU und die Probleme in den Nationalstaaten.

Jetzt ist sie zu weit gegangen!

Nun sieht es jedoch danach aus, dass Angela Merkel beim Thema Flüchtlinge die Duldungsfähigkeit ihrer Partei doch etwas überstrapaziert hat. So manchem wahlerfolgs- und umfragenbesoffenen Konservativen mag jetzt dämmern, welchen Amoklauf gegen das CDU-Programm die eigene Chefin inzwischen hinlegt.

Es wird in den Keller gehen!

Für Frau Merkel wird es deshalb in den kommenden Wochen und Monaten sehr ernst, vor allem wenn die Umfragewerte der CDU bald in den Keller rauschen und die Rechten von der AfD in den zweistelligen Bereich schießen.

Deshalb müsste Angela Merkel jetzt eigentlich die Vertrauensfrage stellen - und zwar gar nicht ihrem eigenen Laden. Den kann sie inzwischen abschreiben, an der CDU-Basis ist sie unten durch und bei der CSU liegen ihre Sympathiewerte mittlerweile im gefühlten Minusbereich.

Warum nicht einfach die Minister austauschen?

Nein, Frau Merkel sollte der rot-rot-grünen Mehrheit, die es im aktuellen Bundestag gibt, die Vertrauensfrage stellen. Denn deren Politik betreibt sie ja bereits. Wenn diese Parteien ihr das Vertrauen aussprechen, könnte sie ihre grüne Politik mit einem rot-grünen Kabinett weiterführen. CDU und CSU wären erlöst und könnten endlich Politik gegen den ärgsten Feind ihrer eigenen Grundsätze machen: die Bundeskanzlerin.

So verrückt sind diese Zeiten, dass solche Gedanken inzwischen der logische Schluss rationalen Denkens sind.

Und Glückwunsch den Grünen zu ihrer ersten Kanzlerin!

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