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17/12/2016 07:43 CET | Aktualisiert 18/12/2017 06:12 CET

Die Befundübersetzung hat mir Mut gemacht, der Erkrankung mit Entschlossenheit entgegenzutreten

monkeybusinessimages via Getty Images

Schon seit ihrer Kindheit wollte Anja Bittner Medizin studieren, um anderen helfen zu können. Während ihres Studiums wurde sie häufig mit Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Ärzten und Patienten konfrontiert. Im Januar 2011 folgte der Entschluss, etwas zu verändern.

Gemeinsam mit Johannes Bittner und Ansgar Jonietz gründete sie „Was hab' ich?", um Patienten zuverlässige und auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Gesundheitsinformationen bereitzustellen. Anja Bittner ist Ashoka Fellow seit 2012. Zum Ende 2015 hat sie „Was hab' ich?" verlassen.

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Kennen Sie das? Sie sind beim Arzt, erhalten Ihren Befund und verstehen kaum, worum es geht. Das WebPortal „Was hab' ich?" hilft: Hier „übersetzen" Mediziner ärztliche Befunde kostenlos in verständliche Sprache.

Dazu laden die Nutzer unter washabich.de ihr ärztliches Dokument anonym hoch. Die Übersetzung wird von einem ehrenamtlichen Team aus Medizinstudenten erstellt. So können Patienten den ärztlichen Befund besser einschätzen und sind mündig für die gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Arzt.

Die Befundübersetzung hat mir Mut gemacht

85 Prozent der Nutzer sagen in einer Umfrage: „Die Befundübersetzung hat mir Mut gemacht, der Erkrankung mit Entschlossenheit entgegenzutreten."

Die Medizinstudenten werden während ihrer Übersetzungen intensiv betreut. Sie erhalten eine umfangreiche Ausbildung in laienverständlicher Kommunikation und können Fachfragen jederzeit von einem Ärzteteam beantworten lassen. Seit 2014 können Medizinstudenten verschiedener Fakultäten „Was hab' ich?" auch im Rahmen einer universitären Veranstaltung kennenlernen.

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Mit der Bertelsmann Stiftung entwickelt „Was hab' ich?" ein gemeinsames Angebot für Patienten stetig weiter. Auf befunddolmetscher.de finden Nutzer ein interaktives medizinisches Glossar, das ihnen schnell und spezifisch Informationen zu Begriffen aus ihren medizinischen Befunden bereitstellt.

Seit Ende 2015 erhalten Patienten der Paracelsus Klinik Bad Ems auf Wunsch zusätzlich zum regulären Arztbrief einen „Patientenbrief" in verständlicher Sprache. Dieser wird im Auftrag der Klinik von „Was hab' ich?" erstellt.

Patienten wollen informiert sein

Der moderne Patient strebt danach, über Krankheiten und Behandlungen informiert zu sein und mit dem Arzt gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Dieses Streben nach Wissen und Einbeziehung in Behandlungsentscheidungen ist gesund. Denn gesundheitliche Inkompetenz ist laut verschiedener Studien mit einer höheren Rate chronischer Erkrankungen sowie einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden.

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Um diesem Anspruch der Patienten gerecht zu werden, benötigen Ärzte zum einen viel Zeit für Gespräche und zum anderen eine verbesserte Aus- und Weiterbildung im Bereich der Arzt-Patient-Kommunikation. Doch auch gute Kommunikation des Arztes kann Informationslücken offen lassen.

Einerseits trauen sich sehr viele Patienten nicht, nachzufragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben - unabhängig von Geschlecht, Alter und Bildung. Andererseits vergessen bis zu 80 % der Patienten, was der Arzt ihnen erklärt hat, sobald sie das Behandlungszimmer verlassen. Daher reichen mündlich überlieferte medizinische Informationen häufig nicht aus.

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