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05/04/2016 16:38 CEST | Aktualisiert 06/04/2017 07:12 CEST

Schwul und Christ, ja das geht!

Inti St. Clair via Getty Images

Als theologischer Leiter einer christlichen Kirche mache ich immer wieder eine traurige Erfahrung: wer auch immer von meiner Berufung weiß, der denkt automatisch, ich hätte etwas gegen Homosexuelle.

Ich habe mich sogar regelrecht erschrocken, als ein Bekannter mir "beichtete", er habe mir sein Schwulsein über Jahre verheimlicht, weil ich ja immerhin einer christlichen Glaubensgemeinschaft vorstehe.

Oh Gott!

Da haben die Kollegen von den anderen Konfessionen wirklich ganze Arbeit geleistet, die Welt davon zu überzeugen, dass Christ- und Schwulsein nicht zusammenpassen würden. Nein! Nein! Nein! In diesem Moment war mir klar, da müssen wir noch klarer dagegenhalten. Nicht obwohl wir als Christian Universal Life Church eine christliche Gemeinschaft sind - sondern weil wir es sind.

Denn kaum etwas ist unbiblischer, als Menschen wegen irgendeiner Eigenschaft zu diskriminieren. Wer das tut, der hat die Bibel vielleicht gelesen, aber eher nicht verstanden.

Immer wieder derselbe Fehler

Was im Alten Testament dazu steht, das vergessen wir mal ganz schnell. Sonst müssten wir auch wieder die Sklaverei einführen und dürften dies und das nicht essen. Wer nur die Stellen zur Homosexualität aus dem Alten Testament herauspickt und den Rest ignoriert, disqualifiziert sich selbst - oder macht sich lächerlich, entscheide selbst.

Und in der Herzkammer des Christentums, den vier Evangelien, findet sich keine einzige negative Aussage über homosexuelles Verhalten und schon gar nicht über schwule oder lesbische Liebe.

Bei so viel Verrenkungen braucht man fast schon Krankengymnastik

Trotzdem leiten einige Theologenkollegen aus der einen oder anderen Textstelle unter fast schon schlangenmenschartiger Verbiegung ihrer Argumentation aus dem Neuen Testament Negatives über die Homosexualität ab.

Wir von der Christian Universal Life Church sparen uns diese Verrenkungen und akzeptieren homosexuelle Liebe als völlig identisch mit heterosexueller Liebe. Denn Liebe ist Liebe und die Bibel gibt in der Summe nichts anderes her.

Respekt nach allen Seiten

Nun wären wir nicht wir, wenn wir nicht jedem seinen eigenen Glauben zugestehen würden. Wer also anderer Ansicht ist, darf diesen seinen Glauben gerne so leben. Er sollte nur unterlassen, seinen Mitmenschen damit auf die Nerven zu gehen.

Glaube muss Privatsache sein. Jeder kann einen anderen Weg zu Gott (oder ins Nichts) wählen, wir werden ihn nicht daran hindern. Was wir aber tun ist, unsere homosexuellen Mitmenschen mit offen Armen und Herzen willkommen zu heißen. Als Mitmenschen und Mitchristen.

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