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22/12/2015 08:25 CET | Aktualisiert 22/12/2016 06:12 CET

Muss man Weihnachten in die Kirche?

Stockbyte via Getty Images

Für so manchen Pfarrer wird Weihnachten zum organisatorischen Drama. Denn am 24.12. sind die Gottesdienste dermaßen überfüllt, dass Menschen manchmal sogar abgewiesen werden müssen, so zum Beispiel vor einigen Jahren im Berliner Dom. Am Eingang beschwerten sich Besucher lautstark, dass sie nicht mehr herein kamen.

Wenn sie nicht mal mehr zu Weihnachten in die Kirche dürften, würden sie aus der Kirche austreten. Da fragt man sich: Ja, warum denn nur zu Weihnachten? Warum ausgerechnet zu Weihnachten? Nicht nur Christen suchen Heiligabend den Weg in die Kirche.

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Menschen, die längst aus ihr ausgetreten sind, singen im Gottesdienst gerne christliche Weihnachtslieder. Die Weihnachtsgeschichte ist für sie, unabhängig von ihrer religiösen Bedeutung, ein Teil der Kultur und Tradition.

Sorry, so geht das nicht!


Der Weihnachtsgottesdienst als reines Kulturgut? Nein, so geht das nicht. Das erinnert sehr an den Atheisten, der plötzlich den Herrn im Himmel anruft, wenn der Flieger durch ein Luftloch rumpelt. Jeder sollte, jeder muss in der Kirche willkommen sein.

Das Haus des Herrn muss jedem offen stehen. Aber eben als das, was es ist, als Haus Gottes. Und nicht als weltlicher Weihnachtstempel, als erweiterte Attrappe für irgendein Heile-Welt-Getue. Wer eine Kirche betritt, der muss wahrlich kein Heiliger sein, ja noch nicht einmal ein Christ. Doch er sollte keine Sekunde vergessen, dass er in einem Haus Gottes ist - und dass an Weihnachten nicht gefeiert wird dass Santa Claus durch den Kamin rutscht.

Es ist eine Geschichte, die jede Science-Fiction Story toppt

Sondern dass es darum geht zu feiern, dass Gott der Vater sich vor 2015 Jahren dazu entschieden hat, in diese Welt als Mensch zu inkarnieren, als Jesus Christus, als Messias. Das ist eine Geschichte, die jede Science-Fiction Story toppt und hat was von Avatar und Matrix. Leider erzählen die meisten Pfarrer und Priester diese Geschichte nicht in den Worten, die heute verstanden werden.

Geht in die Kirche, aber nehmt es ernst!


Deswegen lautet der Rat: Ja, klar könnt ihr "nur" zu Weihnachten in die Kirche. Aber vergesst nicht, um was es dabei geht. Zeigt Respekt gegenüber den tiefer gläubigen Gottesdienstbesuchern, verzeiht den Pfarrern, dass viele von ihnen suboptimal predigen und atmet tief durch, wenn der Flötenkreis die Töne nicht trifft.

Aber vergesst nie die Würde und den Anlass des Ganzen. Und für alle, die keine Lust auf Kirche haben: dann bleibt eben daheim. Glaube ist kein Leistungssport, auch nicht an Weihnachten.

Zur Person:

Reverend Armin Elias ist der theologische Leiter der Universal Life Church Deutschland.

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