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08/04/2016 09:57 CEST | Aktualisiert 09/04/2017 07:12 CEST

Ja! Oder?

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In der Seelsorge fiel mir zunehmend auf: viele Probleme entstehen aus der Unklarheit unserer Haltungen und Aussagen heraus. Es ist, als herrsche Furcht zu sagen, "das bin ich, dafür stehe ich, so ist es und nicht anders". Schon in der Heiligen Schrift findet sich dazu eine interessante Aussage Jesu, das Problem scheint also kein gänzlich neues zu sein. "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein", lehrt er im Matthäus Evangelium (5:37) die Gläubigen. Das rechte Verhalten des Menschen ist ein wichtiges Thema der Bergpredigt. Dabei spricht Jesus zuerst über das rechte Verhalten gegenüber dem Nächsten, dann gegenüber Gott und schließlich noch gegenüber den Dingen der Welt.

Jesus sagte ferner: "Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast." Jesus bezieht sich hier auf das Alte Testament. Er erinnert dabei an Regeln zum Schwören und zu Gelübden, nämlich dass ein Eid kein Meineid sein darf. Darauf wird an mehreren Stellen im Alten Testament eingegangen, wie etwa im Buch Levitikus: "Ihr sollt nicht falsch bei meinem Namen schwören, du würdest sonst den Namen deines Gottes entweihen. Ich bin der Herr." (Levitikus 19:12)

Schon im Alten Testament zeigt sich also die Dringlichkeit wahrhaftig miteinander umzugehen und dass man mit dem Schwören vorsichtig haushalten sollte. Jesus geht sogar noch einen Schritt weiter. Nachdem er die Autorität seiner Worte mit der Formel "Ich aber sage euch" einführt, gibt er seine Weisung, überhaupt nicht zu schwören, und zwar weder beim Himmel noch bei der Erde, noch bei sonst irgendetwas. Denn wichtiger als Schwören ist für ihn die Standfestigkeit und die Klarheit unserer Taten und Worte.

Jesus hat also quasi das Schwören abgeschafft und es ersetzt durch die einfache Regel: "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein." (Matthäus 5:37) Die Worte des Menschen sollen wahr und authentisch sein, so dass man sie nicht mit Schwüren untermauern braucht. Sie sollen mit dem Leben und Handeln übereinstimmen. Sie sollen zuverlässig sein. Wahrscheinlich hat jeder von uns schon Erfahrungen gemacht, ein Ja zu sagen, aber dazu zu flunkern. Solche Erfahrungen können unsere menschlichen Beziehungen in Komplikationen bringen und uns auf die Probe stellen. Aufgrund solcher Worte kann es sogar zu Beziehungsbrüchen und zu einem heillosen Chaos kommen. Umgekehrt bringt ein wahrhaftiges und zuverlässiges Ja oder Nein Vertrauen und die Stabilität in jede Beziehung. Ist es nicht das größte Lob, wenn am Ende eines Lebens über einen Menschen gesagt werden kann, "man komnte sich immer auf sein Wort verlassen"?

Jesus hat das schon vor 2000 Jahren durchschaut und uns als Tipp mitgegeben. Befolgen wir ihn? Ganz ehrlich? Zu selten, nicht wahr? Ich wünsche uns allen deshalb diese Weisung Jesu zu beherzigen und bin überzeugt, dass dieses Prinzip der glasklaren Aufrichtigkeit ein Erfolgsschlüssel für unsere Beziehung zu anderen Menschen ist und uns gleichzeitig auch selbst dabei hilft zu erkennen, wer wir sind und was wir wirklich wollen. Denn um ein unmissverständliches Ja oder Nein zu Stande zu bringen, braucht man zunächst eines: innere Klarheit.

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