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27/12/2015 08:10 CET | Aktualisiert 27/12/2016 06:12 CET

Frag Pastor Julian: Mutterschaft

Thinkstock

Julian ist Online-Pastor bei der Universal Life Church Deutschland. Er beantwortet Fragen von Lesern. Hast auch Du eine Frage, dann schreibe ihm an verwaltung@ulc-deutschland.org, Stichwort: "Frag Julian".

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Hi Julian,

wir sind eine unfreiwillige Einkindfamilie. Wobei, von Kind kann man schon fast nicht mehr sprechen bei einem fast volljährigen Sohn. Mir ist im Laufe der Jahre immer wieder einiges schmerzhaft bewusst geworden. Geht es darum, einen Babysitter zu organisieren, wenn wir mal als Ehepaar weg wollten, war es nicht ganz so schwer und uns wurde das dann auch immer wieder aufs Brot geschmiert:

Ein Kind bekommt man immer irgendwo unter. Oder später in der Schulzeit bei Elternabenden oder so konnten wir unseren Sohn auch gut mal die Stunde alleine lassen. Bei strömenden Regen unseren Sohn mal schnell mit dem Auto zur Musikschule bringen anstatt ihn mit dem Fahrrad fahren zu lassen. Bei Auftritten ist es kein Problem dabei zu sein, das ist schon gut.

Wir müssen schließlich nichts für evtl. jüngere Kinder organisieren. Das sind Vorteile, die wir sicher auch zu schätzen wissen, die aber für mich auch doch sehr schmerzhaft sind. Es macht mich traurig, dass unser Sohn als Einzelkind aufwachsen musste. Auch wenn wir immer viel Wert auf Kontakte zu anderen Kindern gelegt haben, ist es doch nicht dasselbe, wie wenn man mit Geschwistern aufwächst.

"Ihr habt ja nur ein Kind"

Immer wieder musste ich also erleben, wie mir fast vorwurfsvoll gesagt wurde, ihr habt es ja gut mit nur einem Kind. Es lässt sich alles viel besser organisieren. Und dann aber auch bei Unterhaltungen im Freundes- oder Bekanntenkreis über die Erlebnisse mit unseren Kindern kam oftmals der Spruch: Du kannst ja gar nicht mitreden, hast ja nur ein Kind und da ist das alles ganz anders.

So was tut sehr weh. Es ist ja nun aber auch so, dass wir nicht kinderlos geblieben sind. Trotz meines Verständnisses für kinderlose Paare ist mir auch schon oft gesagt worden: Du kannst ja froh sein, ihr habt ja wenigstens ein Kind bekommen, sei dankbar dafür.

Natürlich bin ich sehr dankbar für unseren Sohn. Das schwanger werden war schon ein schwieriges Unterfangen, der Start ins Leben für unseren Sohn war noch schwieriger. Daher bin ich besonders dankbar, dass er leben durfte und vollkommen gesund geworden ist.

Aber doch ist es immer wieder ein seltsames zwischen den Stühlen sitzen - Gefühl. Nicht kinderlos sein, aber auch irgendwie nicht voll zugehörig zu anderen Familien. Ich will jetzt nicht jammern oder so. Wollte einfach mal meine Gedanken laut werde lassen. Vielleicht gibt es ja Einkindfamilien, denen es ähnlich geht wie uns.

LG, Hanne

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Pastor Julian

Liebe Hanne,

Eltern zu werden ist ein großes Thema. Viele Paare wünschen sich Kinder und bekommen keine. Andere werden ungewollt schwanger und ziehen dann eine Abtreibung in Betracht. Es versteht sich für einen Pastor wie mich von selbst, dass eine Abtreibung keine gute Lösung sein kann.

Doch generell gilt tatsächlich eine alte Weisheit. Diese lautet: schwanger wird man immer dann, wenn man es gar nicht (mehr) vorhatte. Und da hat nun der Herr weniger seine Finger direkt im Spiel, sondern die Art und Weise wie er die Welt konstruiert hat: Frauen unter Stress - und schwanger werden zu wollen ist Stress - werden mit körpereigenen Hormonen geflutet, die Schwangerschaften verhindern.

Der Grund: so soll die Frau davor bewahrt werden, in einer chronisch stressreichen Phase schwanger zu werden. Andererseits sind niedrige Pegel an Stresshormonen fast so etwas wie Empfängnisbeschleuniger. Deswegen wird man immer dann schwanger, wenn es einem "egal" ist, man nicht daran denkt oder den Wunsch dazu aufgegeben hat.

Vertraue, du wirst sicher geführt

Doch wie viele Kinder ein Paar auch bekommen mag - lass uns darauf vertrauen, dass Gott schon dafür sorgt, dass in unseren Leben alles folgerichtig geschieht. "Es ist, wie es ist", sagt meine Großmutter immer und hat Recht!

Nimm es wie es ist, es hat seine Richtigkeit, die wir Menschen nicht immer gleich auf Anhieb verstehen mögen. Es gibt schließlich auch Paare, die durch Krankheit keine Kinder bekommen können, oder auch homosexuelle Paare aus offensichtlichen biologischen Gründen. Auch diese führen ein gutes und die Gesellschaft bereicherndes Leben. Mach Dir weniger Gedanken um das Thema und geh' ins Vertrauen.

Dein Julian

Zur Person:

Julian ist Pastor bei der Universal Life Church Deutschland und ist für die Social Media Aktivitäten der Kirche zuständig.

Video: Winziger Babybauch: Raten Sie mal, im wievielten Monat diese Frau schwanger ist

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