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05/04/2016 17:17 CEST | Aktualisiert 06/04/2017 07:12 CEST

Die Wunder, die wir übersehen...

In meiner theologischen Ausbildung konfrontierte ich meinen Lehrer, einen schon sehr alten Pfarrer, mit der Frage, wie er das denn so sehe mit dem Einwirken Gottes in der Welt. Denn man sieht ja im Alltag eher niemanden, der über Wasser laufen oder ebensolches in Wein verwandeln kann. Mein Lehrer antwortete mir mit einer Geschichte, deren Urheberschaft sich im Dunkel der Zeit verliert. Aber sie beantwortete alle meine Fragen zu diesem Thema. Deshalb möchte ich sie heute mit Ihnen teilen. Denn das war so:

Zwei Freunde gehen im Moor spazieren. Plötzlich sinkt einer von ihnen bis zur Brust in den Morast. Schnell rennt der andere los, um die Feuerwehr zu holen. Die trifft auch prompt ein und fährt die Leiter aus, um den Versinkenden zu retten. Der winkt aber ab: „Ich bin nun 60 Jahre Christ und immer treu und brav in die Kirche gegangen. Der Herr wird mich schon retten!"

Also fährt die Feuerwehr kopfschüttelnd wieder ab.

Nach einigen Stunden entscheidet der Feuerwehrchef, doch noch mal ins Moor zu fahren: „Der Mann stirbt ja sonst, dem müssen wir einfach helfen!" Als sie ankommen, sehen sie, dass nur noch der Kopf des Mannes aus dem Moor herausguckt. Also wird die Leiter wieder ausgefahren. „Nix da", ruft da der Versinkende energisch, „Ich bin 60 Jahre Christ, habe auch immer meine Kirchensteuer bezahlt. Gott wird mich schon retten!"

Die Feuerwehr kann es nicht fassen, aber die Männer fahren wieder fort. Am kommenden Morgen muss der Feuerwehrchef aber doch wieder an den Mann im Moor denken und er lässt noch einmal ausrücken.

Im Moor angekommen sehen die Männer aber nur noch, wie die letzten Haare versinken! Für sie ist nichts mehr zu machen! Es ist zu spät, der Mann ist tot.

Der Verstorbene kommt nun im Himmel an und ist sehr wütend: „Sofort her mit dem Chef", brüllt er Petrus an, der diesen auch sofort holt. Sofort poltert er los: „60 Jahre war ich Christ, immer habe ich brav meine Kirchensteuer gezahlt, keinen Gottesdienst habe ich versäumt - und nun sowas! Hättest du mir nicht wenigstens ein bißchen unter die Arme greifen können?"

Da schüttelt Gott lächelnd den Kopf und sagt: „Mein Sohn, sag mir, was mehr hätte ich tun sollen, als Dir die Feuerwehr zu schicken? Ganze drei Mal!"

Die Wunder, liebe Leserinnen und Leser, sie passieren im Normalen. Nicht mit Zauberstaub, Bühnenrauch und Tamtam. Wer das erwartet, der übersieht all die realen Wunder, die uns umgeben.

In diesem Sinne einen gesegneten Tag!

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