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08/12/2015 10:45 CET | Aktualisiert 08/12/2016 06:12 CET

Ein Kommentar zu Trump: Uns ist das Lachen vergangen

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Der Kandidat, der aktuell in den Umfragen zur Nominierung der Republikaner für das Amt des US-Präsidenten als Favorit gilt, forderte vor wenigen Stunden ein "völliges und komplettes Einreiseverbot für Muslime in die USA". Natürlich geht es um Donald Trump. Jeffrey Goldberg twitterte dazu gerade: „Donald Trump ist jetzt eine unmittelbare Gefahr für die nationale Sicherheit. Er liefert Dschihadisten Munition für ihre strategische Verteufelung der USA."

Als Konsequenz daraus, dass Trump diesen Wandel für Amerika vorgeschlagen hat, werden wir in der Huffington Post zukünftig ebenfalls anders über ihn berichten. Im Juli diesen Jahres hatten wir angekündigt, nicht in der Rubrik Politik, sondern in unserer Rubrik Entertainment über Trumps Präsidentschaftskandidatur zu berichten. "Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund", schrieben Ryan Grim und Danny Shea. "Trumps Kandidatur ist nur eine Nebenveranstaltung."

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Bisher traf diese Einschätzung sicherlich auf Trumps Kandidatur zu. Doch die boshafte Äußerung von heute zeigt mehr als deutlich, dass seine Kandidatur mittlerweile andere Züge angenommen hat: sie ist zu einer scheußlichen und gefährlichen Kraft in der amerikanischen Politik geworden. Aus diesem Grund werden wir ab sofort nicht mehr in der Rubrik Entertainment über seine Kandidatur berichten. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir sie wie eine normale Kandidatur behandeln.

Unsere Entscheidung im Juli beruhte auf der Tatsache, dass wir die rein auf Umfragewerten basierende Meinung, Trump würde sich in seiner Kandidatur ernsthaft und aufrichtig darum bemühen, Vorschläge zu unterbreiten, wie das Land am besten regiert werden sollte, nicht teilten. Wir teilen diese Meinung noch immer nicht -- und unsere Berichterstattung wird sich auf weiterhin an dieser Einstellung orientieren -- doch mittlerweile hat sich einiges geändert.

Ja, es kamen von Anfang an mehr als genug fiese Kommentare von ihm und er begann seine Kandidatur mit ungeheuerlichen Bemerkungen über Mexikaner. Anfänglich ging seine übertriebene Fremdenfeindlichkeit, so abstoßend sie ist, noch als bitterböses Schmähstück einer ausgelutschten Comedy-Veranstaltung durch. Doch Trump hat mittlerweile mit medialer Unterstützung die Grausamkeiten und die Ignoranz, die die Anfangszeit seiner Kandidatur prägten, noch weiter erhöht. Der anfängliche Überraschungseffekt von „Das hat er nicht wirklich gesagt, oder?" hat sich zu etwas Widerlichem und Bedrohlichem entwickelt -- und dies legt den Blick auf einen verstörenden Aspekt der amerikanischen Politik frei.

Wir sind der Meinung, dass die Art und Weise, auf die wir über seine Kandidatur berichten, diesen Wandel widerspiegeln sollte. Und dazu gehört auch, unsere Leser immer wieder daran zu erinnern, wer Trump ist und wofür seine Kandidatur eigentlich steht.

Wir sollten Trump nicht einfach so davonkommen lassen

Wie Jay Rosen kürzlich bemerkte:

„Erst in diesem Jahr wurde richtig deutlich, dass die Rolle der Presse im Präsidentschaftswahlkampf darauf basiert, dass innerhalb der politischen Klasse und der Wahlkampf-Industrie Einigkeit darüber besteht, welche Regeln es gibt und wie Verstöße gegen diese Regeln bestraft werden... Diese Auffassung wurde selten angefochten, da das Risiko dafür zu hoch erschien und weil risikoscheue Berater -- auch Strategen genannt -- für die Kandidaturen verantwortlich waren."

Das bedeutet, dass die meisten Politiker sich davor hüteten, etwas Befremdliches, Beleidigendes oder Gefährliches zu sagen, weil sie wussten, dass sie dafür bestraft werden würden. "Diese Auffassung hat nun ihre Gültigkeit verloren, da Trump sie "hinterfragt" und größtenteils gegen sie verstoßen hat -- und er liegt in den Umfragen noch immer vorne", so Rosen weiter.

Doch das bedeutet nicht, dass wir Trump oder mögliche Nachahmer seines Vorgehens in den Medien so einfach davonkommen lassen sollten. Also werden wir die Öffentlichkeit bei der Berichterstattung über die tägliche Entwicklung seiner Kandidatur beständig daran erinnern, wofür er steht, wir werden Beweise liefern und passende Links angeben.

Zum Beispiel:

1) Seine Bemühungen um die Entwicklung einer Datenbank mit allen Muslimen in den Vereinigten Staaten.

2) Seine ständigen Lügengeschichten über Muslime in New Jersey, die den 11. September feiern.

3) Seine Position als Anführer der „Birther-Bewegung", die zynischerweise Zweifel darüber sät, ob die ordnungsgemäße Wahl Obamas zum Präsidenten der Vereinigten Staaten rechtmäßig war.

4) Seine Frauenfeindlichkeit -- dies ist nur einer von vielen HuffPost-Berichten darüber.

5) Sein Fremdenhass und dass er Einwanderer ständig zu Sündenböcken abstempelt. Dazu gehören auch seine Lügen über Mexikaner und sein leidenschaftliches Interesse an der Abschiebung von Millionen von Einwanderern ohne Papiere.

6) Seine einzigartige Leidenschaft für Mobbing. Auch hierfür gibt es mehr als genug Belege, doch für den Anfang könnte man beispielsweise erwähnen, dass er die Anhänger, die bei einer seiner Wahlkampfveranstaltungen einen Demonstranten zusammengeschlagen hatten, in Schutz nahm oder dass er sich über einen behinderten Reporter der New York Times lustig machte.

Wir wollen die ungeschminkte Wahrheit über Trump ans Licht bringen

Und wir freuen uns darüber, dass nicht nur wir die ungeschminkte und ungeschönte Wahrheit über Trump ans Licht bringen wollen. Letzte Woche begann Dana Milbank von der Washington Post seine Kolumne mit den Worten: "Sagen wir es, wie es ist: Donald Trump ist ein Fanatiker und ein Rassist." Anschließend untermauerte er seine Aussage, was nicht sonderlich schwer ist. So sollten alle Journalisten vorgehen, die ihren Lesern die Wahrheit sagen wollen.

Wenn Trumps Aussagen und Handlungen also rassistisch sind, dann nennen wir sie auch rassistisch. Wenn sie sexistisch sind, dann nennen wir sie sexistisch. Wir schrecken nicht vor der Wahrheit zurück oder lassen uns von seiner Selbstdarstellung blenden.

Trump ist natürlich nicht der einzige Kandidat, der extreme und unverantwortliche Botschaften verbreitet, doch er nimmt durch seine ständige Medienpräsenz von Sendungen wie Meet the Press bis hin zu Saturday Night Live eine Sonderposition ein. Da Trump immer wieder für gute Schlagzeilen sorgt, wurde im Bezug auf seine Kampagne in den Medien bisher wenig Klartext gesprochen und seine abartigen Ansichten wurden dadurch ständig legitimiert.

Wie der Wahlkampf der Republikaner bisher gezeigt hat kommen Trumps schlimmste Bemerkungen nicht von ungefähr und sie haben durchaus Auswirkungen. Sie bestimmen den Grundton des Diskurses und verschieben oftmals die Grenzen zwischen dem, was als öffentlich vertretbar und was als unverschämt extrem und nicht annehmbar erachtet wird.

Aus diesem Grund werden wir nicht nur über die Tatsache Bericht erstatten, dass Trumps Kandidatur einzigartig in der aktuellen amerikanischen Politik ist, sondern auch darüber, wie verheerend sie sich des Weiteren auf seine Mitkandidaten auswirkt -- und auf den nationalen Diskurs.

Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt. Hier geht es zum Original.

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