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31/01/2016 06:03 CET | Aktualisiert 31/01/2017 06:12 CET

6 Fragen und Antworten zu Zika

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Derzeit zirkuliert das Zika-Virus, eine durch Mücken übertragene Infektion, in Südamerika. Zusammenhänge mit anderen Krankheitsbildern, wovon vor allem Schwangere und Säuglinge betroffen sind, werden vermutet.

Zwar ist das Zika-Virus schon seit über sechzig Jahren bekannt, doch gibt es bisher keine Medikamente und keinen Impfstoff dagegen. Professor Bernhard Fleischer erklärt im Interview, warum die Panik vor dem Zika-Virus weitestgehend unbegründet und die Forschung trotzdem dringend gefragt ist.

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Pro­fes­sor Bern­hard Flei­scher lei­tet die Abtei­lung Immu­no­lo­gie am Bernhard-Nocht-Institut für Tro­pen­me­di­zin (BNITM) in Hamburg.

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Herr Professor Fleischer, was ist das Zika-Virus und warum kann es sich derzeit in Südamerika so rasant ausbreiten?

Bernhard Fleischer: Das Zika-Virus ist ein aus Afrika stammendes Virus, das von Aedes-Stechmücken übertragen wird. Diese Überträgermücken sind in Südamerika in großer Zahl vorhanden. Sie treffen auf eine Bevölkerung, welche nicht durch Antikörper geschützt und daher nicht immun gegen das Virus ist.

Welche Gefahren sind mit einer Infektion verbunden?

Bernhard Fleischer: Die Infektion verläuft für die meisten Betroffenen ohne Symptome. Nur bei einem von fünf Infizierten tritt eine milde Erkrankung mit Fieber, Hautausschlag, Bindehautentzündung und Gelenkschmerzen auf, die meist nach ein paar Tagen wieder abklingt.

Aus einigen Ländern in Asien, wo sich das Virus seit 2013 ausbreitet, und in Südamerika wird eine Häufung von Fällen des Guillain-Barré-Syndroms - eine Entzündung der Nervenbahnen - berichtet. Die Zusammenhänge mit Zika-Infektionen müssen jedoch noch genauer untersucht werden.

Welche Komplikationen können insbesondere bei Schwangeren auftreten?

Bernhard Fleischer: Die brasilianische Gesundheitsbehörde berichtet über eine starke Häufung von Fällen von Mikrozephalie, einer Missbildung des Gehirns bei Föten, in den betroffenen Gebieten. Es treten mehr als zwanzig Mal so viele Fälle wie in den vergangen Jahren auf. Zwar ist nicht bewiesen, dass das Zika-Virus die Ursache ist, aber einige Umstände sprechen dafür.

Wie häufig diese Komplikation auftritt, ist unklar, da die Zahl der tatsächlich mit dem Zika-Virus-Infizierten aufgrund der seltenen und milden Symptome und der schwierigen Diagnostik unbekannt ist. Vermutlich ist es eine eher seltene Erscheinung, die durch die große Zahl an Infizierten erst bemerkbar wird.

Zika zählte bislang noch nicht zu den wichtigsten vernachlässigten Tropenkrankheiten, welche die Weltgesundheitsorganisation identifiziert hat. Warum wurde das Virus auf politischer Ebene unterschätzt?

Bernhard Fleischer: Es handelt sich um ein relativ neues Virus, dessen Gefahrenpotential für Schwangere erst jetzt bekannt geworden ist. Die Infektionen mit dem Zika-Virus verlaufen eben meist harmlos und es sind uns zahlreiche ähnliche von Insekten übertragene Viren bekannt, die man nicht alle bekämpfen kann.

Außerdem treten öfters neue Viren auf, wie etwa Chikungunya-Virus, MERS-Corona-Virus, West-Nil-Virus und das Ebola-Virus, die zu schweren Erkrankungen führen. Deshalb wurde das Zika-Virus bisher verständlicherweise nicht vordringlich behandelt.

Wo liegen die derzeitigen Forschungsschwerpunkte in Deutschland?

Bernhard Fleischer: Eine zuverlässige molekularbiologische Nachweismethode durch PCR (eine Polymerase-Kettenreaktion mittels Vervielfachung der Viren-Erbinformation) gibt es bereits durch die Zusammenarbeit des Bernhard-Nocht-Instituts mit Altona Diagnostics.

Wir arbeiten derzeit gemeinsam mit der Industrie an einem schnellen serologischen Test, um auch frühere und abgeklungene Zika-Infektionen leicht durch die Bestimmung von Antikörpern diagnostizieren zu können. Ein Impfstoff wäre aus heutiger Sicht insbesondere für Schwangere wichtig. Doch die Entwicklung kann sich noch über mehrere Jahre hinziehen.

Was sollte die Bundesregierung aus Ihrer Sicht unternehmen, um Wissenschaftler bei der Erforschung und Bekämpfung des Virus möglichst umfassend zu unterstützen?

Bernhard Fleischer: Wichtig wäre es, die Frage zu erforschen, warum es zu dieser ungewöhnlich schnellen Ausbreitung in Südamerika kommen konnte - im Gegensatz zu den Regionen in Afrika oder Asien, wo das Virus ja schon seit mehr als sechzig Jahren zirkuliert. Und im Moment erscheint eine Hotline sinnvoll, um die zahlreichen Anfragen besorgter Bürger zu beantworten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Höhere Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) von Medikamenten und Impfstoffen gegen Armutskrankheiten sind dringend nötig. So sterben weltweit immer noch rund 6,5 Millionen Menschen jedes Jahr an Krankheiten wie Aids und Malaria, aber auch an weniger bekannten Infektionskrankheiten wie Leishmaniose oder der Schlafkrankheit. Deutschland fördert die Forschung und Entwicklung zu vernachlässigten und armutsassoziier-ten Krankheiten seit 2011 auch über sogenannte Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs).

Dabei handelt es sich um internationale Non-Profit-Organisationen, die akademische Institute, öffentliche Forschungseinrichtungen, Pharmafirmen und Nichtregierungsorganisationen zusammenbringen, um Forschungslücken zu schließen. Die Stiftung Weltbevölkerung fordert, das Fördervolumen für PDPs von derzeit 50 Millionen Euro für den Zeitraum 2016 bis 2021 deutlich zu erhöhen.

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